Festival-Blog
SOUTHSIDE FESTIVAL 2026 – Samstag
Die Sonne strahlt auf die gigantische Fläche des Southside Festivals. Und wir starten rein mit unserem Blog über Bands, Insights aus der Crowd und dem Bangen um das Wetter. Der Samstag verspricht eine Mischung aus Old School Bands, Indie und jeder Menge Ekstase.
Nachdem am Freitagabend wegen schwerer Unwetter mehrere Acts abgesagt oder verschoben werden mussten, war die Enttäuschung unter den Festivalbesucher:innen zunächst groß. Die war aber am Samstag vor den ersten Acts schon wieder verflogen. Ecca Vandal und Leila Lamb, zwei underground Künstlerinnen, die neulich viral gingen, starteten den Tag mit sehr energetischen und lauten Performances. Leila Lamb überzeugte besonders mit ihrer dramatischen Energie und Ecca Vandal sorgte für musikalische Vielfalt, um jede mögliche Person im Crowd zu überzeugen.
Später sorgte Zebrahead für eine ordentliche Portion 2000er-Pop-Punk-Nostalgie. Ihre bissige Attitüde war nach wie vor präsent, und vor allem die Älteren in der Crowd konnten sich nicht mehr aus den Moshpits zurückhalten. Bald sollten jedoch zwei große Highlights aufeinanderprallen: Rosmarin mit ihrem Indie-Pop-Groove und Grandson mit seinem rebellischen, antifaschistischen Rap-Rock.

Auf der Red Stage trat die Deutsche-Indie Band Rosmarin aus Kassel auf. Unter dem Motto „Seid euch nicht zu schade, peinlich zu tanzen. Das ist alles, was wir haben“ riss Frontsänger Silas die Crowd von der ersten Minute an mit. Der Song „Tanz allein“ stand zwar auf Rosmarins Setlist, doch an diesem Abend tanzte niemand allein. Vor der Bühne wurde gemeinsam gesprungen, getanzt und mitgesungen. Die mitreißende Energie der Band übertrug sich mühelos auf die Crowd und machte den Auftritt zu einem echten Highlight. Dabei gewann Rosmarin definitiv viele neue Fans.

Währenddessen setzte Grandson auf der Green Stage mit seinem Auftritt ein eindrucksvolles Statement. Der Sänger griff prominente Oligarchen in den USA, darunter Elon Musk und Donald Trump, unerbittlich an und blieb dabei so authentisch, wie er es in seiner Musik verkörpert. Er forderte eindringlich Maßnahmen gegen die Klimakrise und die Klassenkluft. All das gipfelte in einem spektakulären und riesigen Moshpit während seines Hits „blood // water“.

Basement erwies sich später als weiteres herausragendes Highlight. Die Post-Hardcore-/Emo-Band hat sich in der Underground-Szene einen Namen gemacht und ein ansehnliches, wenn auch verwirrtes Publikum angezogen, als sie spontan ihren Auftritt mit der klassischen Skate-Punk-Band Pennywise tauschte. Viele im Publikum waren verwirrt und verärgert, fanden aber schnell Gefallen an ihrem rauen und ungezügelten Stil. Vor allem Sänger Andrew Fisher lieferte trotz der Hitze einen rauen und unvergesslichen Auftritt ab und war sehr darauf bedacht, ihr kürzlich erschienenes Album einem Live-Publikum vorzustellen.

Royel Otis sorgte währenddessen mit ihrem lässigen Indie-Sound für entspannte und beste Stimmung. Besonders charmant waren dabei die kleinen Nachrichten, die während des Konzerts auf den Bildschirmen eingeblendet wurden. Zum Cover-Hit „Murder on the Dancefloor“ erschien beispielsweise „a song we didn’t write“ hinter der Band. Einen Mord auf der Tanzfläche gab es zwar nicht, dafür umso mehr tanzende Festivalbesucher:innen.
Langsam ging die Sonne unter, als Headliner The Offspring die Bühne betrat. Vor ihnen jubelte eine gemischte Menge aus Jung und Alt. Ein Bild, das zeigte, wofür das Southside Festival unteranderem steht: Hier ist für jede und jeden etwas dabei. Die Skate-Punk Band aus den Staaten rockten die Stage wie ein Blitz und spielten eine bunte Mischung aus unbekannten Banger und ihren beliebten Hits wie Pretty Fly (For a White Guy). Bei The Offspring ist es auf jeden Fall ein Beweis, dass die Energie im Alter nicht nachlässt.

Weiter ging es mit Punk-Rock bei dem britischen Artist Yungblud. Der 28-Jährige betrat die Blue-Stage mit Rockstar-Energie und ganz viel Pyrotechnik. In der Crowd bebte es förmlich von Energie. Auch wenn die Musik Yungbluds nicht für jeden etwas ist, muss man zugeben, dass er ein Performer ist und auf die großen Bühnen der Festivals gehört.

Mit Kraftklub betrat anschließend eine Band die Bühne, die aus der deutschen Festival-Landschaft kaum noch wegzudenken ist. Neben gefeierten Klassikern wie „Schüsse in die Luft“ und „Ich will nicht nach Berlin“ präsentierten die Chemnitzer auch zahlreiche Songs ihres aktuellen Albums „Sterben in Karl-Marx-Stadt“. Rot leuchtend schwebten diese Worte an einem Kran neben der Bühne und zogen sofort alle Blicke auf sich. Ein Countdown unter dem Schriftzug steigerte die Spannung bis zum Beginn des Konzerts. Es herrschte eine besondere Stimmung zwischen Crowd und Band, die sich sichtlich wohl fühlte. Der Frontsänger Felix Kummer stand auch mal kurz selber in der Menschenmenge und gab bei den hohen Temperaturen kostenloses Eis aus. Dass Kraftklub ihre Spielzeit etwas ausdehnten, nahm ihnen wohl kaum jemand übel. Selbst als von der Nachbarbühne bereits Italo-Pop- und Schlagerklänge herüberwehten, dürfte ihnen angesichts eines derart mitreißenden Auftritts wohl niemand übelgenommen haben.
Das Ende des Tages gehörte Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys. Auch um 00:30 Uhr war das Festival Gelände immer noch voll. Mit jeder Menge Italo-Schlager, guter Laune und natürlich unzähligen Schlagerstrudeln brachten sie Adria-Küsten-Feeling nach Neuhausen ob Eck. Die Reise an die Adria mag fiktiv gewesen sein, die ausgelassene Stimmung auf dem Festivalgelände war es ganz sicher nicht.