KONZERTREVIEW

“There’s a Bomb in my Car” – Geese auf Tour in München

/ / BILD: Juno Graner

Ein ausverkauftes Fest im Backstage Werk. Im Publikum sammeln sich Fans aus allen Ecken der Welt für ein bedeutendes Event in der Musikkultur. Als mit Geese die wohl größte Band der Gen Z die Bühne betritt, sind alle hingerissen.

Seit ihrem letzten Album “Getting Killed” haben Geese in der Musikszene scheinbar einen regelrechten Durchbruch geschafft: Weltweit verkaufen sie in Scharen Konzerte aus. München bildete da keine Ausnahme, denn auch das internationale Publikum war verzweifelt auf der Suche nach Tickets gewesen. Am Tag des Konzerts war der Veranstaltungsort nun brechend voll, während alle gespannt darauf warteten, dass Geese die Bühne betraten. Die Stimmung: Authentisch und mitreißend.

Eins von vielen Momenten wo Fans sich besonders begeistern. BILD: Andre Foster

AUS DEM WILDEN WESTEN MANCHESTERS

Schon vor dem Auftritt von Cameron Winter und seiner Herde waren die Fans völlig aus dem Häuschen. Sobald die Vorband „Westside Cowboy“ die Bühne betreten hatte, brandete tosender Applaus auf, dessen Lautstärke die eines Fußballstadions übertraf. Die Fans waren gut vorbereitet und sangen sogar bei der kleineren, aber ebenso beliebten Band aus Manchester mit. „Can’t See“ und „I’ve Never Met Anyone I Thought I Could Really Love (Until I Met You)“ begeisterten das emotionale Publikum. Westside Cowboy waren besonders herzerwärmend: Sie gaben Fehler zu, die dem Publikum größtenteils gar nicht aufgefallen waren, unterstützten sich gegenseitig auf der Bühne und lachten gemeinsam während ihrer Darbietung von neun unvergesslichen Titeln.

Westside Cowboy performen gemeinsam “In The Morning”. BILD: Andre Foster

Die Band beendete ihren Auftritt mit einer rührenden Darbietung, bei der sie sich zu einem engen Kreis zusammenschlossen, um den akustischen Schlusssong ihrer aktuellen EP zu singen. Ihre Energie war nach wie vor ungebrochen, und ihr Lächeln strahlte auf das Publikum über und verbreitete Freude wie ein Waldbrand. Freude, die auch während der Wartezeit auf Geese anhalten sollte.

Internationale Begeisterung

An jeder Ecke des Veranstaltungsorts knüpften Fans untereinander Kontakte, als Fremde und neue Freunde. Fans aus Kalifornien, Atlanta, London und Alberta versammelten sich, um ihre Leidenschaft miteinander zu teilen – Ein einzigartiger Moment der Begeisterung, den man bei einem rein deutschen Publikum nicht oft sieht.

Alle angeregten Gespräche verstummten spätestens, als Geese pünktlich um 21:00 Uhr endlich die Bühne stürmten, um das Konzert zu eröffnen – mit dem ruhigen Track “Husbands”, einem aufgrund seiner Ruhe eher ungewöhnlichen, aber nicht weniger selbstbewussten und entschlossenen Auftakt.

BILD: Juno Graner

Womit die vielgelobte New Yorker Band ihren zu dieser Zeit noch brandneuen Status in der Musikszene verdient, bewiesen die vier Musiker:innen allein durch ihr prägnantes gemeinsames Auftreten, wobei besonders Frontmann Cameron Winter, durch seine hochgewachsene Statur und einzigartige Körperlichkeit unverkennbar, aus dem Innenraum des Backstage für lauten Jubel sorgte.

DIE HITS SIND ALLE DA

Das von der Band nach München mitgebrachte Repertoire hielt sich meistens in bekanntem Territorium. Ohne viel Kommentar stürzten Geese sich in spektakuläre Live-Darbietungen der seit 2025 wohlbekannten Hits “Cobra”, “Getting Killed”, “Islands of Men” und “Half Real”. Für Abwechslung sorgten einige Tracks für Fans der ersten Stunde: “2122”, “Cowboy Nudes”, “Tomorrow’s Crusades”, und “I See Myself”, allesamt dem vorletzten Album “3D Country” entstammend, boten tieferen Einblick in das kreative Schaffen der Band. Wie bereits im Studio bewiesen die Musiker:innen auch live ihr besonderes künstlerisches Gespür. Selbstsicher kreierten sie meistervolle Soundscapes und erreichten atmosphärische Höhen, deren Realisierung auf der Bühne verblüffend gut funktionierte und der kreativen Energie der Band zuverlässigen Beweis bot.

BILD: Andre Foster

Wie bereits erwartet fand die Show nach etwa über einer Stunde Laufzeit mit dem langersehnten Track “Trinidad” ihren Höhepunkt. Besonders brillierte Frontsänger Cameron Winter hier stimmlich. Die kontrollierte Hysterie, mit welcher er eine in den letzten Monaten ikonisch gewordene Songzeile zur Schau stellte, lud nun endlich zur Entladung der gemeinsam aufgebauten Energie ein.

“There’s a bomb in my car! There’s a bomb in my car!”

Trinidad von Geese
Cameron Winter aufgedreht während Trinidad. BILD: Juno Graner

Wie besonders effektiv Geese ihre Musik live einzusetzen gelernt haben,  bewies dieser finale Moment besonderer Effektivität. So unverkennbar wie elektrisierend hatte sich im Laufe des Konzerts im Publikum eben die Stimmung ausgebreitet, die auch das Album “Getting Killed” im Spätsommer 2025 versprochen hatte: Das Gefühl, etwas Neues zu hören, etwas Generationales, etwas, das vor allem die Musik der Generation Z geprägt hatte und prägen würde wie keine andere Musik zuvor.