Freundschaft auf Distanz

Born to hang out everyday forced to live far away from eachother

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Die beste Freundin geht ins Ausland oder man selbst verlässt die Heimstsstadt. Aber wie hält man nachhaltig Kontakt? Oder gilt hier das Motto “aus den Augen, aus dem Sinn?” Warum tun wir uns so schwer, Freund:innenschaften auf Distanz zu pflegen und was könnten gute Alternativen sein, um sich nicht aus den Augen zu verlieren.

Globaliserung und Erwachsenwerden machens möglich

Einen meiner besten Freunde habe ich im Auslandssemester in Amsterdam kennengelernt. Die Möglichkeit während des Studiums ins Ausland zu gehen ist fantastisch. Dennoch ist es ein Segen und ein Fluch zugleich. Alte Freund:innen verlassen tut weh, auch wenns nur für eine Weile ist. Ebenso kann es sich schwierig gestalten, neue Freunschaften zu erhalten, wenn man zurück zu Hause ist. Social Media Trends zeigen, wie viele Menschen Freundschaften über Distanz führen. Unter dem Hashtag #longdistancefriendships tauchen unzählige Memes und Reels auf, in denen beste Freund:innen sich nach langer Zeit wieder in die Arme fallen. Aber nicht nur glückliche Wiedersehen werden gefilmt und auf Social Media gepostet. Auch die Schattenseiten einer Long Distance Relationship werden deutlich, indem User:innen zeigen wie nervig es ist, gute Freund:innen nicht in unmittelbarer Nähe zu haben. Eine User:in schreibt unter eins ihrer Videos: “Soulmates aren’t always romantic”. Auch sehr bekannt ist folgendes Statement auf Instagram und TikTok:

“Born to hang out everyday forced to live far away from eachother”.

Bild: shutterstock/ Peoplemages.com – Yuri A

Aber wer nicht ins Ausland zieht, ist nicht gleich automatisch aus dem Schneider. Denn zunehmende Verpflichtungen sind leider Teil des Erwachsenwerdens und machen es ebenfalls schwer Qualitity Time mit den “Homies” zu verbringen. Spontan einfach beinander klingeln und fragen, ob die Person gerade Zeit zum abhängen hat, ist im Erwachsenenleben eher eine Fantasie, die nur selten ausgelebt werden kann. Planen ist hierbei der Schlüssel zum Glück. Auch wenn es machmal nervig sein kann, den perfekten Termin zwischen Vorlesungen, Arztterminen und anderen Veranstaltungen zu finden. Ohne Fleiß kein Preis! Platonische Beziehungen müssen wie andere Beziehungen auch gepflegt werden und das bedeutet, sie benötigen Zeit, Commitment und machmal eben auch Planung im Vorraus.

Gute Freund:innen verlängern das Leben

Soziale Beziehungen sind für uns Menschen lebensnotwenig. Studien belegen, dass Menschen mit tiefen Beziehungen sich nicht nur besser fühlen sondern das Risiko für Depressionen und Herz-Kreislauf- Erkranungen sinken. Stabile Freundschaften bescheren uns sogar ein längeres Leben. Andersrum bedeutet das auch, dass soziale Isolation und Einsamkeit ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Dr. Julianne Holt-Lunstad ist Professorin für Psychologie und Neurowissenschaft am der Brigham Young University und sagt: “On the other hand, when people are low in social connection — because of isolation, loneliness, or poor-quality relationships — they face an increased risk of premature death,”.

Besonders die mentale Gesundheit profitiert von wohltuhenden Freundschaften, denn sie unterstützen uns in schwierigen Zeiten. Freundschaften basieren auf einer Freiwilligkeit. Freund:innen sind für einen da, weil sie da sein wollen. Auch wenn die romantische Liebe in jeder Romcom immer noch die Hauptrolle übernimmt und die platonische Beziehung den lustigen Sidecharacter spielt, sollten wir den Wert einer ehrlichen Freundschaft nicht unterschätzen. Denn stabile platonische Beziehungen tragen zu großen Teilen zu einer höheren Zufriedenheit im Leben bei.

Aber Freund:innen sind ja nicht nur in schlechten Zeit für einen da. Im Gegenteil, sie machen die schönen Momente im Leben erst richtig schön. Denn was nützt die beste Nachricht, wenn man sie niemanden erzählen kann? Ich kann mir mein Leben ohne meine Longdistance Besties nicht mehr vorstellen. Und ja auch wenn es nervt, nicht spontan einander besuchen zu können, kann es auch Vorteile haben. Beispielsweise hat man im besten Falle immer eine Bleibe wo anders. Auch wenn das machmal halt in Alfter bei Bonn ist, weil die beste Freundin fürs Studium aufs Dorf gezogen ist.

Bild: shutterstock: Ground Picture

Pflege ist das A und O

Alles, was uns wichtig ist, muss auf Dauer gepflegt werden. Zum Schutz vor Verschleiß. Das ist bei den alten Lieblingsturnschuhen genauso wie bei der besten Freundin aus der Grundschule. Wenn die Person ein wichitger Teil in deinem Leben ist und bleiben soll, ist es nicht schlecht, das auch so zu kommunizieren. Und bei der Kommunikation sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Postkarten sind die OG’s der analogen Kommunikation neben dem klassischen (Liebes-) Brief. Wann war das letzte Mal, als du einen handgeschrieben Brief geschickt oder erhalten hast? Vielleicht wärs ja wieder mal an der Zeit, seinen Liebsten eine Freude zu machen. In der Positiven Psychologie spricht man hier von einem Random Act Of Kindness, der nicht nur das Wohlbefinden der ausführenden Person sondern auch der, der Empfänger:in nach oben schießen lässt. Hier kommt es auf die Geste an zu zeigen, dass man aneinander denkt. Es muss ja kein Roman werden und trotzdem sind regelmäßige Lebensupdates wichtig! Die wichitgsten Ereignisse lohnt es sich einfach zu teilen. Wie der neue Job, der neue Crush und der neuste Gossip aus der Freundesgruppe.

Aber klar, nicht jeder Mensch hat die Muse einen Brief zu schreiben. Für schreibfaule Besties sind Telefonate oder Sprachnotizen vielleicht eher die bessere Möglichkeit im Kontakt zu bleiben. Meiner besten Freundin Hanika schicke ich regelmäßig 8 Minuten lange Monologe in denen ich ihr meinen “hottesten Tee” aka. Klatsch und Trasch aus meinem Leben serviere. Der Vorteil hierbei ist, dass wir flexibel, ohne festen Termin aufeinander antworten können. Der Nachteil ist, dass die Antwort dann vielleicht erst ein paar Tage später kommt weil man sich im Alltag erstmal die Zeit freiräumen muss, um die Mini Podcast Folge der besten Freundin zu hören. Und ja natürlich für die ein oder andere Person sind so lange Sprachaufnahmen Grund genug, für immer gehostet zu werden. Weil die Gen Z weder gern ans Telefon geht, noch die Konzentrationsspanne hat, um sich 10 Minuten auf eine Sache zu konzentieren. Aber wie vorher schon erwähnt: von nichts kommt nichts! Wer keine Lust hat, Arbeit in Freundschaften zu investieren, wird früher oder später leer ausgehen.

Absolutes Endgame: Der Videocall. Früher wurde nur in Ausnahmefälllen geskypt, heute sind Videocalls Teil unseres Alltags. Vor allem im beruflichen Kontext sind Zoom, Teams und Co. nicht mehr wegzudenken. Aber Videoscalls müssen nicht immer langwierig und anstrengend sein. Wenn ich mit meinem Bestie Chigozie aus Amsterdam spreche, habe nicht das Bedürfniss meine Kamera auszuschalten und mich ins Bett zu legen. Wir yappen, während wir den Haushalt schmeißen oder sitzen gemeinsam-getrennt auf unseren Sofas tausende Kilometer entfernt voneinander. Der Videocall ist nicht ohne Grund das ultimative Endgame: denn live miteinander zu sprechen und sich gleichzeitig sehen zu können, kommt dem “Real Life” noch am nächsten.

Aber klar, egal wie viel Briefe man schreibt oder wie viele Videocall-Dates man macht. Long Distance Friendships sind ein Segen und ein Flucht zugleich. Um es mit den Worten von Joy Crooks zu sagen und das ganze auf eine melodramatische Ebene zu heben: “To love somone is to lose someone”.

Es führt auf lange Zeit einfach nichts daran vorbei, sich zu besuchen oder sich in der Mitte zu treffen. Bevor ich das aber machte, ist das hier erstmal mein kleiner Liebesbrief an meine Besties auf der ganzen Welt!

I miss u guys xoxo

Bild: shutterstock / EGHStock