Platte des Monats: April 2020

Yaeji – What We Drew 우리가 그려왔던

/ / Bild: XL RECORDINGS

Südkorea kann mehr als K-Pop. Während Boybands wie EXO, Big Bang oder BTS weltweit den Mainstream erobern und Stadien füllen, hat sich die Produzentin Yaeji ihre eigene Nische geschaffen. Ihr erstes Mixtape überzeugt durch einen wilden Genre- und Sprachenmix.

Der Rave der Neuzeit

Die Plätze hinter den Turntables der New Yorker Techno-Clubs sind gefragt und begrenzt. Wer sich hier durchsetzt, kann es überall schaffen. Als die mittlerweile 26-Jährige Kathy Yaeji Lee a.k.a. Yaeji 2015 in ihre Geburtsstadt zurückkehrte stand also eine riesige Aufgabe vor ihr. Mit Elementen aus Hip-Hop und Pop hatte die aufstrebende Musikerin in ihren House-Beats aber die nötige eigene Note, um sich in der lokalen Szene zu etablieren.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Yaeji – „Waking Up Down“

Zuvor hatte Yaeji ihre Kindheit hauptsächlich in Südkorea verbracht. Erst zum Studium zog es sie wieder zurück in die USA. Dort hatte sie endgültig die kreative Freiheit, ihren ganzen kulturellen Hintergrund in ihrer Musik zu vereinen. Neben DJing in den Clubs veröffentlichte sie zwei EPs und produzierte diverse namenhafte Remixes (unter anderem sogar von Charli XCX und Robyn). Ihr erstes Mixtape What We Drew 우리가 그려왔던 zeigt jetzt, dass sie auch auf Albenlänge glänzen kann.

Von den Staaten nach Korea und zurück

Ihr Debüt vereint Bedroom-poppige Parts mit tanzbaren, Rave-artigen Elementen. In jedem Song sticht dabei eine koreanische Verspieltheit raus. So zeigt Yaeji Mut zu schrägen Soundcollagen und starker Stimmenbearbeitung. Dadurch bricht sie ihre Lieder immer wieder bevor sie zu eingängig werden. Vor allem dominieren starke Synth-Basslines das Album. Deren Groove leitet den Hörer nahtlos von den ruhigen zu den lauten Stellen des Albums.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Yaeji – „What We Drew 우리가 그려왔던“

Die US-Koreanerin schwankt dabei in ihren Texten nicht nur sprachlich zwischen Englisch und Koreanisch, sondern auch inhaltlich zwischen ihrer jugendlicher Unbekümmertheit und Sozialkritik. Steht im Titeltrack noch freundschaftliche Harmonie im Vordergrund, kritisiert sie anschließend Statussymbole („Money Can’t Buy“) oder hofft auf Altersweisheit („When I Grow Up“). Das am meisten verwendete Motiv bleiben aber die durchzechte Clubnächte, die sie zu dem Sound ihres Debüts gebracht haben.

I’m never settling down
I’m never touching ground
I’m never
Backing out

Yaeji – „Never Settling Down“

What We Drew 우리가 그려왔던 ist ein verrückter Cocktail aus verschiedenen Sprachen und Genres, der durch ein unermüdliches Auf und Ab besticht. Mit dem Closer „Never Settling Down“ impliziert Yaeji dann schließlich, dass ihr Streben nach neuen Sounds und weiterem kulturellen Input noch lange nicht am Ende ist. Ihr überzeugendes Full-Length-Debüt war eben nur der Anfang und der erste Vorgeschmack auf eine legitime Alternative zum K-Pop.

What We Drew 우리가 그려왔던 ist am 2. April 2020 bei XL Recordings erschienen.