Kommentar

Wunder oder Wahnsinn?

/ / Foto: Michael Goder

Fleisch aus dem Reagenzglas, Burger aus dem 3D-Drucker und geklonte Haustiere.

Klingt nach einem abgedrehten Science-Fiction Film, ist aber durchaus Realität. Hollywood Blockbuster, wie „Die Insel“, in dem geklonte Menschen unwissentlich als organische Ersatzteillager für ihre menschlichen Originale dienen, rücken dadurch in den Bereich des Möglichen.
M94.5 Reporterin Eileen Pagels kommentiert.

Der Mensch als Gott im Labor

Die Wissenschaft präsentiert immer gewagtere Innovationen und greift mit Gentechnologie immer weiter in die Natur ein. In China kann man sich mittlerweile auf Bestellung sein Haustier klonen lassen, und das Schnitzel von morgen wird derzeit mit Stammzellen im Labor gezüchtet. Aber darf man in dieser Form über Leben bestimmen und somit die natürlichen Gesetze außer Kraft setzen?

Genetische Wissenschaft zu nutzen, nur um die menschliche Konsum-Gier zu stillen und keine Einschränkung in der persönlichen Lebensweise hinnehmen zu müssen, geht definitiv zu weit. Vor allem, wenn wir Gott im Labor spielen, nur um weiterhin gemütlich unser Steak essen zu können. Vor allem künstlich gezüchtetes Fleisch aus dem Reagenzglas soll in den kommenden zwei bis vier Jahren sowohl in Supermärkten als auch in Restaurants eingeführt werden.

Kunst-Steaks für eine nachhaltige Zukunft?

Natürlich können in dieser Gentechnologie auch enorme Vorteile und Chancen für eine nachhaltige Zukunft stecken. Der Burger aus dem Reagenzglas wird von Wissenschaftlern zum Beispiel als Lösungsstrategie in der industriellen Massentierhaltung und dem Tierleid angepriesen. Außerdem soll dadurch gleichzeitig das Klima geschont und die Ernährung für eine stetig wachsende Bevölkerung gesichert werden.

Allerdings ist dieses Argument eher fraglich. Besonders da im jetzigen Stadium der genetischen Steak-Produktion immer noch Tiere geschlachtet werden müssen. Für die Stammzellenzüchtung wird nämlich ein Nährboden aus Kalbsserum benötigt. Dafür wird eine hoch-trächtige Kuh geschlachtet und dem Kalb ohne Betäubung ein Serum aus dem Herzen entnommen. Das Kalb stirbt infolge dessen an Erstickung.

Außerdem spricht gegen die Notwendigkeit für ein gezüchtetes Schnitzel, dass es mittlerweile durchaus konkurrenzfähige Fleischalternativen auf Pflanzenbasis gibt. Bei diesen Produkten muss man nicht einmal auf einen guten Geschmack verzichten und sie sind auch für den kleinen Geldbeutel zu haben, während das Laborfleisch bisher utopische Preise veranschlagt.

Bleibt also die Frage, ob die Industrie nicht einfach mehr Energie und Geld in die Optimierung von pflanzlichen Alternativen investieren sollte.

Warum brauchen wir Laborfleisch?

Der Knackpunkt liegt hier in der Macht des Verzichts. Während der Großteil der Menschheit zwar etwas für das Klima und die Umwelt tun möchte, sind die Wenigsten dafür bereit, auf ihre Gewohnheiten zu verzichten. Die Idee einfach weniger Fleisch zu essen und auf pflanzliche Alternativen umzusteigen, bedeutet für das menschliche Gewohnheitstier wohl einfach zu viel Einschränkung.

Gentechnik sinnvoll genutzt

Der Ansatz, Zellen im Labor zu züchten, um beispielsweise Organe herzustellen, wäre hingegen ein weitaus innovativerer Ansatz um Tierleid zu reduzieren. So könnte Gentechnik sinnvoll dazu beitragen, um zum Beispiel Tierversuche zu reduzieren.
Das bietet also doch einen Grund zum Feiern der Modernen Wissenschaft.