Händchen halten

LMU-Untersuchung zum Paarverhalten

Wo die Liebe hinfällt…

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Das große Gefühl tut manchmal auch ganz schön weh. Wissenschaftlich interessant ist, wie sich vergangene Partnerschaften auf das aktuelle Paar-Verhalten auswirken.

Im Märchen sieht es so einfach aus: Geschiedene Traumprinzen gibt es nicht. Sie entpuppen sich nicht im Nachhinein als Kröten. Die erste Traumprinzessin ist die beste – und die letzte. Im richtigen Leben ist das oft anders: Menschen trennen sich, sie ziehen aus, sie lassen sich scheiden. Irgendwann finden sie einen neuen Partner, gehen eine neue Beziehung ein.

Welchen Einfluss hat Beziehungserfahrung?

Ulrike Lux hat in ihrer Diplomarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht, wie sich Personen, die Beziehungserfahrung mitbringen, von Personen unterscheiden, die in ihrer ersten Partnerschaft leben. Unter dem Titel „Und sie lebten glücklich und zufrieden?“ hat sie sich mit Fragen auseinandergesetzt wie: Sind Personen, die schon einmal eine Beziehung hatten, unsicherer, weil sie das Scheitern einer Beziehung kennen gelernt haben? Denken sie schneller an Trennung oder Scheidung, wenn es Konflikte gibt? Lassen sie sich grundsätzlich weniger auf Partnerschaften ein, weil sie wissen, dass Beziehungen scheitern können?

Pairfam-Daten als Grundlage

Ulrike Lux‘ Untersuchung basiert auf Daten aus der Studie Pairfam. Pairfam bedeutet „Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics“. Dafür wurden über 14 Jahre hinweg rund 12.000 Personen aus Deutschland zu ihren partnerschaftlichen und familialen Lebensformen befragt. Unter anderem gaben wie Auskunft darüber, wie es ihnen in ihrer aktuellen Beziehung ergeht und inwiefern sich vergangene Beziehungen auf die aktuelle Partnerschaft auswirken.

Mehr Beziehungen, weniger Klammern

Ein Ergebnis: Laut Ulrike Lux sind Personen, die schon einmal eine Beziehung hatten, emotional weniger unsicher, d. h. sie haben weniger Angst, dass sie ihren Partner mehr mögen könnten als umgekehrt. Zwar würden sie auch schneller eine Trennung in Erwägung ziehen; das sei aber eher darauf zurück zu führen, dass sie wissen, dass sie ein Beziehungsende durchstehen könnten und sich deshalb nicht an einen Partner klammern müssten.

Eine weitere Konsequenz fand Ulrike Lux im Beziehungsalltag: „Ich habe festgestellt, dass diejenigen, die schon einmal eine andere Beziehung hatten, sich anscheinend häufiger streiten. Aber nicht so, dass es immer schlecht ausgeht. Diese Personen nutzen auch öfter konstruktive Konfliktverhaltensweisen, hören zu und finden Kompromisse.“

Deutsche sind zufrieden mit ihrer Partnerschaft

Beziehungen können also eine Sache der Übung sein, auch Streiten will gelernt sein. Ob es nun die erste oder fünfte Partnerschaft ist: Beide Gruppen sind gleich zufrieden damit. Dieses Ergebnis der deutschen Pairfam-Studie weicht deutlich von anderen ab: Bei Amerikanern beispielsweise sinkt die Zufriedenheit mit der steigenden Anzahl der verschlissenen Ehen.