At Pavillon im Interview

Unterm Pavillon sind alle Mensch

/ / Bild: M94.5/Simon Kerber

Seit vier Jahren warten die Fans von At Pavillon sehnsüchtig auf das Debüt-Album der Wiener Band. Dieses Jahr im Januar war es endlich so weit. Die Platte heißt Believe Us und ist erhobener Zeigefinger und Hommage zugleich. Einerseits an ihre Heimatstadt Wien, andererseits an die Gesellschaft selbst. Uns haben Tobi, Mwita, Bernhard und Paul im Interview verraten, warum ihnen politische Themen eine Herzensangelegenheit sind und was es mit dem Album-Cover auf sich hat.

At Pavillon im Interview

In eurem Song „Vienna“ besingt ihr die Schönheit eurer Heimatstadt, ihr nennt sie „City of Diversity“, aber auch „City of Hypocrits“. Klingt als ob ihr eine Art Hass-Liebe für eure Stadt habt. Wie lassen sich für euch diese Widersprüche vereinen?

Mwita: Es ist tatsächlich so eine Hass-Beziehung zu Vienna. Das haben wir versucht in dem Song wider zu spiegeln.

Tobi: Auch so dieser schwarze Wiener Humor trifft da ganz gut zu. Wie in München auch, so ein bisschen dieses Unnahbare, was man im ersten Moment hat, wenn die Leute etwas unfreundlich wirken, aber im Herzen eigentlich sehr gut sind.

Das Album-Cover zeigt einen kleinen Jungen, fein rausgeputzt im etwas übergroßen, roten Sakko, mit festem Blick in die Kamera. Das Foto sieht ein bisschen aus wie ein privater Schnappschuss aus den 80ern. Was ist die Idee dahinter?

Mwita: Also so alt bin ich auch nicht (lacht)! Das bin ich. Die Auswahl für das Album-Cover war natürlich eine unserer größten Challenges als Band und dann kam das Babyfoto zum Thema. Das Schöne daran ist symbolisch gesehen die Naivität, wo ich als kleines Kind in die Kamera schau, weil wir für das erste Album sehr naiv und instinktiv gesongwritet haben ohne gezielt einer Richtung zu folgen.

Ihr selbst seid, was eure Wurzeln angeht, bunt gemischt. Ein Journalist hat euch deswegen als den „bandgewordenen Albtraum der FPÖ“ bezeichnet. Brisante Themen wie Alltagsrassismus und Diskriminierung sprecht ihr ganz offen an. Warum sind solche schweren Themen für euch eine Herzensangelegenheit, wo ihr doch so tanzbare und eher leichtfüßige Musik macht?

Mwita: Bei diesem Bild ‚politische Band‘ hat man immer gleich so eine große Erwartungshaltung. Meine Eltern kommen aus Tansania, somit trage ich die Hautfarbe schwarz und auch Pauls Vater kommt aus dem Iran. Obwohl der Paul ja eigentlich ausschaut, wie der Österreicher aus dem Bilderbuch, hat er trotzdem privat auch mit seinem Nachnamen zu kämpfen. Musik ist für uns ein Ventil, um das zu verarbeiten und unser Ziel ist es den Leuten zu sagen: Hey, bei einem At-Pavillon-Konzert ist man unterm Pavillon und da feiern wir einfach Mensch zu sein.