Ausstellung

The Big Sleep

/ / Foto: Marylin Minter

Schlaf gewährt uns die Freiheit, ohne Vernunft und Grenzen in unserem Kopf – ohne Filter – zu denken. Dinge zu verarbeiten, mit denen wir uns im wachen, bewussten Zustand nicht auseinandersetzen. Wir finden in ihnen unsere Ängste und Zweifel, unsere  Hoffnungen und Sehnsüchte wieder – manchmal sehr eindeutig und klar, oft verschlüsselt und abstrakt. Schlafen, dieser vermeintliche Zustand der Ruhe und des Friedens, bedeutet also keineswegs, dass sich unser Kopf tatsächlich abschaltet. Ganz im Gegenteil.

Wie facettenreich die  Gedankenwelt eines Träumers aussehen kann, zeigt das Haus der Kunst mit seiner neuesten Ausstellung „The Big Sleep“. Das Besondere: Neben zahlreichen deutschen Künstlern stellen auch viele Gäste aus Amerika aus, darunter Miya Ando und Peter Gregorio. Die Idee, der facettenreichen Gedankenwelt eines Träumers ein Gesicht zu geben, wird mit außergewöhnlichen Installationen, Skulpturen und Gemälden vielseitig umgesetzt. Auch akustisch wird das Thema Schlaf eingefangen, eine Klanginstallation lädt zum Gedanken schweifen lassen ein. Die Dunkelheit der Ausstellungsräume verstärkt das Gefühl, selbst im Schlaf zu wandeln, von einer gedanklichen Station zur nächsten. 

Den bunten Mix aus Kunstwerken würde man auf den ersten Blick nicht immer sofort mit dem Thema Schlaf in Verbindung bringen. So ist man über die Horror Elemente anfangs verwirrt: Ausgestopfte Katzen, Mumien und Panther mit Edelsteinen als Augen verkörpern den schrecklichen Teil der Nacht – Alpträume, die uns ab und an wie eine kalte Hand den Nacken hinaufkriechen. Dass auch die Geschichte überzeugen kann, beweist Veronika Veit, die sich dem Thema auf ihre ganz eigene Art und Weise genähert hat. Ihre Kunst mit dem Titel „Method of shifting ones own point in time of life“ erzählt vom Schicksal einer Frau, die auf ihr Leben zurückblickt und feststellt, dass alles anders verlaufen ist. als sie sich das vorgestellt hat. Sie möchte einen kompletten Neustart wagen, sich neu erfinden. Die ersten Versuche scheitern jedoch, „sie setzt sich immer wieder falsch zusammen.“ Verbildlicht werden diese Fehlschläge durch mehrere Skulpturen, die zwar in ihren Grundkomponenten übereinstimmen, allerdings immer wieder unterschiedlich zusammengesetzt sind. 

Wenn man schließlich aus dem Gebäude taumelt und ins grelle Tageslicht blinzelt, kommt es einem so vor, als ob man tatsächlich gerade erst aufgewacht wäre. „The Big Sleep“ ist vom 19.07. – 08.09.19 im Haus der Kunst zu bewundern.