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Serien-Highlights 2020

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2020 war das Jahr schlechthin, um einfach nur auf dem Sofa zu liegen und Serien zu schauen. Die besten Neuerscheinungen haben M94.5-Redakteur:innen zum Jahreswechsel zusammengetragen.

After Life, Staffel 2 (Netflix)

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Trailer zur zweiten Staffel von After Life

Ein Happy End lässt Trauer nicht einfach verschwinden. Das zeigt Ricky Gervais in der zweiten Staffel seiner Serie After Life – gewohnt gekonnt changierend zwischen derbem Humor und zarter Melancholie. Zwar hat Protagonist Tony (gespielt vom Serienschöpfer) den Tod seiner Frau immer noch nicht verarbeitet, trotzdem stößt er nicht mehr sämtliche Mitmenschen ständig vor den Kopf. Im Gegenteil: Er versucht, sich um die Leute zu kümmern, die ihm durch die schlimmste Zeit seines Lebens geholfen haben.

Dabei spielt er wahlweise Amor, Mentor oder Arbeitsplatzretter. Weil die Charaktere genauso verschroben sind wie in der ersten Staffel, gibt es genug zu lachen, obwohl sich auch dieses Mal alles um Tod, Trauer und die Suche nach einem Sinn im Leben dreht. Maria Langlechner

The Crown, Staffel 4 (Netflix)

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Trailer zur vierten Staffel von The Crown

Die vierte Staffel von The Crown hat für heftige Diskussionen gesorgt: Muss das Publikum ausdrücklich gewarnt werden, dass sich die Drehbuchautor:innen nicht minutiös an historische Fakten gehalten haben? Die Debatte zeigt, wie gekonnt die Geschichte der britischen Königsfamilie hier zu einer spannenden Story verwoben wurde.

Das Ergebnis ist keine Fan-Fiction. Sogar Diana, die von einigen Fans bis heute wie eine Heilige verehrt wird, bekommt eine komplexe Persönlichkeit verpasst. Sämtliche Charaktere dürfen auf ihre eigene Art vor opulenter Kulisse unglücklich sein. Besonders gelungen sind die starken weiblichen Rollen: Die Queen, Maggie Thatcher, Diana, Camilla, Margaret und Anne verfolgen ganz unterschiedliche Machtstrategien. Dass das so spannend anzusehen ist, liegt nicht zuletzt am großartigen Cast mit Olivia Colman, Gillian Anderson, Helena Bonham Carter und vielen mehr. Maria Langlechner

I Am Not Okay With This, Staffel 1 (Netflix) 

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Trailer zur ersten Staffel von I Am Not Okay With This

Vielleicht ist es nur die Pubertät, denkt sich die 17-Jährige Syd (Sophia Lillis), jede:r fühlt sich mal wie ein Freak. Seit dem Suizid ihres Vaters hat sie Aggressionsprobleme, mit ihrer Mutter kann sie nicht reden und in der Schule ist sie auch nicht gerade beliebt. Aber als die Wände ihres Zimmers nach einem Streit Risse bekommen und sie dem blöden Freund ihrer besten Freundin eine blutige Nase verpasst, ohne ihn auch nur zu berühren, glaubt Syd endgültig den Verstand zu verlieren. Zusammen mit ihrem Nachbarn und selbst ernannten Mentoren Stanley (Wyatt Oleff) versucht sie ihre telekinetischen Fähigkeiten in den Griff zu bekommen. Allerdings ohne Erfolg und so werden ihre Aggressionen bedrohlich. 

I Am Not Okay With This ähnelt The End of the F***ing World. Das ist kein Zufall: Beide sind Netflix-Produktionen, beide teilen sich den Regisseur Jonathan Entwistle und beide basieren auf Graphic Novels von Charles Forsman. Die Serien teilen sich eine leicht nostalgische Optik und glänzen vor allem durch die herrlich eigenwilligen Figuren. Trotz der Superkraft-Elemente ist I Am Not Okay With This vor allem eine Dramedy über das Erwachsenwerden, die sich aufgrund ihrer Kürze gut zum Binge Watching eignet. Antonia Grahmann

The Queen’s Gambit, Staffel 1 (Netflix)

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Trailer zur ersten Staffel von Das Damengambit

The Queen’s Gambit ist im Oktober bei Netflix erschienen, hatte innerhalb eines Monats 62 Millionen Zuschauer:innen und führte zu einem internationalen Schach-Boom. Regisseur Scott Franks Literaturverfilmung zeigt das Waisenmädchen Beth Harmon (Anya Taylor-Joy), das ihr geniales Talent für das Spiel entdeckt. Im Laufe der Jahre steigt sie zu einer angesehenen Schachspielerin auf und bahnt sich ihren Weg an die Spitze – zielstrebig, unbeirrbar, aber auch Suchtmitteln nicht abgeneigt.

The Queen’s Gambit wird nie langweilig und erzählt die Geschichte einer klugen Frau in einer Männerwelt, ohne dabei in Klischeefallen zu tappen. Für korrekte Spielkonstellationen wurden echte Schachprofis wie der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow zu Rate gezogen. Janina Rohleder

The Handmaid’s Tale, Staffel 3 (Joyn)

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Trailer zur dritten Staffel von The Handmaid’s Tale

Nach mehreren Atomunglücken, Kriegen und sich epidemisch ausbreitenden Geschlechtskrankheiten werden die USA in The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd größtenteils vom christlich-extremistischen Staat Gilead beherrscht. Das Ziel: Die Menschheit neu bevölkern. Dazu wird zu unmoralischen Mitteln gegriffen. In der dritten Staffel der Dystopie muss June, die als eine von wenigen Frauen noch fruchtbar ist, als Magd dienen. Zwar kann sie ihre eigene Tochter aus des Fängen Gileads nicht retten – dafür versucht sie, möglichst viele andere zu befreien.

Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln ist das Geschehen vorhersagbarer, Story und Szenen verlangsamen sich. Gut für Pinkelpausen, schlecht für diejenigen, die sich an die Hektik der letzten beiden Staffeln gewöhnt haben. Dafür fließen Handlungsstränge ineinander und Flashbacks verdichten die Geschichte.  Dabei erinnert The Handmaid’s Tale die Zuschauer:innen immer wieder an die Fragilität des postmodernen westlichen Lifestyles. Bruni Waldmann

Biohackers, Staffel 1 (Netflix)

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Trailer zur ersten Staffel von Biohackers

Mit Beginn des Sommersemesters zieht die angehende Medizinstudentin Mia Ackerlund (Luna Wedler) nach Freiburg in eine WG mit drei liebenswerten, aber grundverschiedenen Mitbewohner:innen. In beeindruckend kurzer Zeit und dank reichlichen Vorwissens schafft sie es in das Forschungsteam einer renommierten Professorin, die nicht nur publikumswirksame Vorlesungen über die Zukunft der Medizin hält, sondern auch etwas mit dem Tod von Mias Familie zu tun haben könnte. Mia begibt sich auf die Suche nach Antworten und gerät in gefährliches Fahrwasser.

Der in Biohackers dargestellte Unialltag einer Medizinstudentin hat zwar eher wenig mit der Realität zu tun, dennoch werden mit Genforschung und Genmanipulation aktuelle Diskurse aufgegriffen. Im Laufe der Folgen kommt es immer wieder zu kleineren dramaturgischen Zuspitzungen, die das Tempo der Serie hoch halten. Ein Cliffhanger macht gespannt auf Staffel 2, die bereits abgedreht ist und 2021 erscheint. Melanie Müller

Bojack Horseman, Staffel 6 (Netflix)

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Trailer zur sechsten Staffel von Bojack Horseman

In Zukunft wird an dieser Stelle des M94.5 Artikels zu den besten Serien des Jahres etwas fehlen. Denn seit nun sechs Jahren ist ein Platz reserviert für die jeweils neueste Staffel von Bojack Horseman. Die diesjährige sechste und letzte Staffel hat das noch einmal deutlich gemacht, wieso: Wo findet man sonst diese spielerische und enthusiastische Freude an Animation, und Popkultur und diese Sensibilität für gesellschaftliche Themen? Bojack Horseman verbindet Humor und Tiefgang. Eine Serie zu finden, in der Lachen und Ernsthaftigkeit in einer solchen Zweisamkeit zueinanderfinden, ist schwierig.

Bojack Horseman ist zudem eine der wenigen Serien, die von Staffel zu Staffel besser wurden. Und so schwer es ist, das zu sagen: Es ist auch eine der wenigen Serien, die zur perfekten Zeit aufgehört und ein würdiges Ende gefunden haben. Auf einem Hoch zu enden ist wirklich nur einer großartigen Serie wie dieser vergönnt. Danke, Bojack. Moritz Senft-Raiß

The Great, Staffel 1 (Hulu)

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Trailer zur ersten Staffel The Great


Russland, 18. Jahrhundert: Die „occasionally true story“ von The Great verfolgt die Machtübernahme der jungen Katharina der Großen (Elle Fanning, zunehmend forsch) von ihrem Ehemann und Zaren Peter dem Dritten (Nicholas Hoult, herrlich abscheulich). Wie schon beim ebenfalls von Drehbuchautor Tony McNamara geschriebenen Historiendrama The Favourite steht nicht etwa historische Genauigkeit im Vordergrund, sondern die komplexen Beziehungsgeflechte und Intrigen zwischen den Schönen und Mächtigen am Kaiserhof. So liegt zwar viel Realismus darin, wenn Katharina pausenlos mit Sexismus und den stark beschnittenen Rechten einer Frau zu kämpfen hat; gleichzeitig schlagen sowohl die feministische Agenda als auch das dreckige Mundwerk der Serie als anachronistisch zu Buche (erfreulich ist aber beides).

Für ein bisschen Coming-of-Age-Flair ist Katharina zarte 19 statt 32 Jahre alt, als sie vor der Machtübernahme steht, und eine Prise Verfremdungs-Comedy bringen die größtenteils modern klingenden (sehr schimpfwortlastigen) Dialoge, mit Gusto vorgetragen von durchweg britischen Darsteller:innen in feinstem Queen’s English. Das alles klingt nach einer gehörigen Farce, und das ist gewollt: The Great ist bewusst übertrieben, grausam und opulent, so wie seine adeligen Protagonist:innen selbst. Nathalie Claus

The Mandalorian, Staffel 2 (Disney+)

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Trailer zur zweiten Staffel The Mandalorian

Der Knaller zuerst: Meiner Meinung nach wird The Mandalorian auch in der zweiten Staffel von Folge zu Folge besser. Das liegt dabei nicht nur an “dem Kind” (gemeinhin als Baby Yoda bekannt), sondern einfach an einem unfassbaren Gefühl, welches die im Star Wars-Universum angesetzte Serie ausstrahlt. Außerdem kommen ebenfalls Nicht-Star Wars-Fans auf ihre Kosten – das ist alles andere als verständlich. Als Fan der Reihe packt mich der vibe dennoch umso mehr und lässt mich jede Woche aufs Neue über eastereggs, Fantheorien und die gesamte Handlung, Machart, Soundtrack & Co. schwärmen. Eine Serie, die für Jung und Alt gleichermaßen geeignet ist und dabei außerdem noch verdammt gut aussieht. Jan Rothe

Killing Eve, Staffel 3 (Amazon Prime Video)

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Trailer zur dritten Staffel Killing Eve

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der extravaganten Auftragskillerin Villanelle und der ehemaligen MI6 Agentin Eve geht in die dritte Runde. Nach ihrer Auseinandersetzung am Ende der zweiten Staffel ist Eve für Villanelle tot – wortwörtlich. Auch in den besten Beziehungen ist es eben manchmal kompliziert. Eve ist natürlich nicht wirklich tot, aber die beiden könnten kaum weiter voneinander entfernt sein: Eve ist Köchin in einem Vorort, während Villanelle irgendwo in Spanien eine reiche Frau heiratet. Doch ziemlich schnell fallen sie wieder in ihre alte Muster zwischen Abhängigkeit und Obsession zurück.

Killing Eve wurde Phoebe Waller-Bridge (Fleabag) konzipiert, mit wechselnden Showrunnerinnen in jeder Staffel. Dieses Mal ist Susan Heathcote am Steuer. Sie zeigt die Protagonist:innen in einem anderen Licht, weniger aufregend, dafür nachdenklicher. Besonders Jodie Comer als Villanelle, die hier etwas verletzlicher wird, ist überragend. Nicht ganz so fesselnd wie die vorherigen Staffeln, kann Killing Eve Staffel 3 aber mit der üblich genialen Kombination von Style, Absurdität und schwarzem Humor dienen. Lange kann es mit der gleichen Formel aber nicht weiter gehen – es bleibt zu hoffen, dass die bereits bestellte 4. Staffel etwas Neues mit sich bringt. Jaya Mirani