Ein Erfahrungsbericht

Ein Tag im Leben einer fastenden Studentin

/ / Bild: Shutterstock/ Baramyou0708

Kein Trinken oder Essen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – das machen aktuell Muslim:innen auf der ganzen Welt. Grund dafür ist der islamische Fastenmonat Ramadan, der noch bis zum 1. Mai geht. Elona Kalicanaj ist selber Muslima und fastet jedes Jahr mit – sie erzählt euch jetzt von ihren Erfahrungen im Ramadan.

04:15 Uhr. Mein Wecker klingelt. Zeit etwas in den Magen zu bekommen. Ich stehe auf, wasche mir das Gesicht und begebe mich in die Küche. Dort steht schon meine Schwester und schneidet uns etwas Obst auf. Ich mache mir dazu Porridge, weil ich weiß, dass es mich sehr lange satt halten wird – hoffentlich. Trinken darf natürlich nicht fehlen, also schenke ich uns noch zwei große Gläser Wasser ein. Danach putze ich mir die Zähne, bete und lege mich nochmal kurz hin. So sieht zurzeit jeder Morgen im Ramadan für mich aus.

Was ist eigentlich der Ramadan?

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Ihm kommt eine besondere Bedeutung zu, da in dieser Zeit Allah den Koran an den Propheten Mohammed herabgesendet haben soll. In dieser Zeit fasten Muslim:innen weltweit. Das bedeutet den Verzicht auf Essen und Trinken bis die Sonne untergeht.

Der Koran ist das heilige Buch des Islams. Bild: Shutterstock / Leila Ablyazova

Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islams. Dazu zählen auch das Spenden, die Pilgerfahrt nach Mekka, das Gebet und das Glaubensbekenntnis. Das heißt, dass das Fasten im Ramadan für alle erwachsenen, gesunden Muslim:innen Pflicht ist. Aus gesundheitlichen Gründen ausgenommen sind Kinder, alte Menschen und Kranke. Auch Muslim:innen, die lange reisen, müssen nicht fasten. Frauen sind während ihrer Menstruation auch davon befreit. Ich bin grade weder reisen, noch bin ich krank – also mache ich mit!

7 Uhr. Mein Wecker klingelt erneut. Diesmal muss ich wirklich aufstehen, denn ich muss in die Arbeit. Weil ich ja nichts essen oder trinken darf, habe ich mehr Zeit als normalerweise. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Zeit das einspart. Kaffee habe ich schon lange vor Ramadan aufgegeben und mein Körper hat sich schon daran gewöhnt von alleine wach zu werden. Trotzdem bin ich gerade sehr müde, weil mir die Stunde Schlaf vom Frühstück fehlt. Viele fragen sich da bestimmt: Wieso machst du das dann?

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Der Sinn des Ramadan

Im Fastenmonat Ramadan sollen Muslim:innen ihren Glauben zu Allah stärken. Dazu wird auf weltliche Genüsse wie Essen, Trinken, Rauchen, Sex und Drogen verzichtet. Auch schlechtes Reden, Denken und Lügen sind tabu. Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang sind Lebensmittel natürlich wieder erlaubt.

Bild: Shutterstock / BVFS

Das Fasten soll so den Körper und die Seele reinigen. Es ist auch ein Weg, sich vor Augen zu führen, dass die Genüsse dieser Welt vergänglich sind. Ziel ist es, ein besserer Mensch zu werden und gesunde Gewohnheiten zu etablieren. Das alles müssen Muslim:innen neben der Arbeit, Schule oder Uni meistern – auch ich muss das unter einen Hut bekommen, auch in meiner Arbeit hier bei M94.5.

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8 Uhr. Im Radiosender angekommen, mache ich mich an die Arbeit und bereite Beiträge für unsere Hauptsendung, die Hörbar, vor. Das Arbeiten fällt mir leicht und es ist weniger anstrengend als gedacht. Der Hunger meldet sich bei mir meistens gegen 14 Uhr. Dann bin ich erstmal richtig müde. Während die anderen in der Mittagspause essen, lege ich mich kurz auf das Sofa in der Redaktion und entspanne. Was viele vermeintlich überrascht, ist, dass es mich auch gar nicht stört, wenn andere Leute um mich herum essen oder trinken. Das ist aber bei jeder fastenden Person unterschiedlich. Abends heißt es dann: Reinhauen.

Das Fastenbrechen

Das Fasten wird erst gebrochen, wenn die Sonne komplett untergegangen ist. Das ist aktuell ungefähr um 20 Uhr. Dieses Fastenbrechen wird auch Iftar genannt und mit einer Dattel vollzogen. Die Dattel hat dabei eine besondere Bedeutung, da wir es so dem Prophet Mohammed gleich tun, der sein Fasten stets mit einer Dattel oder einem Glas Wasser brach.

19 Uhr. Heute Abend bin ich mit Freund:innen zum Fastenbrechen verabredet. Jede:r hat etwas dabei und der Tisch ist voll gedeckt. Von Falafeln und Samosas bis Zimtschnecken und Datteln ist alles dabei. Danach gibt es meistens türkischen Schwarztee – auch Çay genannt – und wir tauschen uns über unseren Tag aus.

Bild: Shutterstock / dotshock

Herausforderungen

Ich mache mittlerweile seit vier Jahren beim Ramadan mit. Für mich ist es anfangs immer eine große Umstellung, da mein ganzer Tag auf den Kopf gestellt wird. Die ersten Tage habe ich dann auch oft Kopfweh oder bin sehr müde. Mit der Zeit bekomme ich aber mehr Energie und Konzentration. Als ich für mein Abi gelernt habe, habe ich auch gefastet und es hat gut geklappt.

Außerdem ist es in einem überwiegend christlichen Land wie Deutschland für Muslim:innen schwerer zu fasten, da der soziale Aspekt fehlt und auch viele Nicht-Muslim:innen den Ramadan nicht verstehen. Mehr dazu hat auch M94.5 in vorangegangenen Beiträgen erläutert. Das Münchner Forum für Islam und Münchner Moscheen bieten auch regulär Austauschmöglichkeiten für Muslim:innen an.

Nach dem Ramadan

Wenn der Fastenmonat endet, folgt das Zuckerfest Eid al-Fitr oder auch Bajram genannt. Zusammen mit Familie und Freund:innen feiern wir das erfolgreiche Abschließen des Fastenmonats. Das kann unterschiedlich aussehen, da jede Familie ihre eigenen Traditionen hat.

Danach geht das Leben wieder normal weiter. Das bedeutet aber nicht, dass sich nichts verändert hat. Im besten Fall geht man aus dem Ramadan mit gesünderen Gewohnheiten und einem festeren Glauben.