TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND 2020

München – Tanzhauptstadt?

/ / Foto: Jubel Battisti

Nach einem anderthalbjährigem Auswahlprozess aus insgesamt 444 Performances hat eine fünfköpfige Jury nun ein fantastisch buntes Programm für die TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND 2020 erstellt. Die besten 15 Performances treten nächstes Jahr in ganz München vom 4. bis zum 8. März auf. Zum 25-jährigen Jubiläum des Tanzfestivals sind vielfältige Stücke geboten, die von ausgefallen bis minimalistisch reichen.

Die ausgewählten Produktionen für die TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND 2020 strahlen eine internationale und diverse Qualität aus. An den eingeladenen Stücken lässt sich ablesen, dass der zeitgenössische Tanz in Deutschland eine Kunstform ist, die sich mit sozialen und politischen Themen auseinandersetzt. Sie möchten einen klaren Gegenpol zu aktuellen (rechts-)populistischen Tendenzen bilden, indem sie einen anderen, offenen Gesellschaftsentwurf implizieren.

Das Rahmenprogramm bietet auch direkten Kontakt mit den Künstlern bei Latenight-Treffen und Frühstücksgesprächen mit viel Raum zur Diskussion. Außerdem stellen verschiedene Künstler sich selbst und ihre Projekte vor, die es nicht in die endgültige Auswahl geschafft haben.

Die Aufführungen finden in ganz München statt. Gastgeber sind zum Beispiel das Mucca, Utopia (Reithalle München) und die Münchner Kammerspiele. Den Mittelpunkt bildet der Gasteig von wo aus andere Spielorte wie das Residenztheater, der Schwere Reiter und auch das HochX leicht erreichbar sind.

Hier eine kleine Vorstellung der geplanten Performances:

Pink Unicorn

Foto: LaMacana

In Pink Unicorns zeigen LaMacana (Caterina Varela & Alexis Fernández) in Zusammenarbeit mit dem Choreografen Samir Akika, was entstehen kann, wenn Vater und Sohn sich die Bühne teilen (müssen). Zwei Generationen prallen aufeinander, Erfahrung trifft auf jugendliches Ungestüm – ein wildes und zugleich berührendes Tanztheater für alle.

DIS_SYLPHIDE

Foto: Anja Beutler

Der aus Serbien stammende Choreograf Saša Asentić und sein herausragendes Team aus Menschen mit und ohne Lernschwäche stellen sich in DIS_SYLPHIDE der deutschen Tanzgeschichte – und schreiben sich selbstbewusst darin ein.

Compass

Foto: Renato Mangolin

Simone Aughterlony, Berliner Choreographin und Tänzerin, zeigt mit Compass eine tänzerische und theatrale Antwort auf das klassische griechische Epos Odyssee und eine ungarische Roman-Trilogie der. Obwohl beide Werke naiv zu sein scheinen, fahren sie Narrativen durch ein fiktionales Labyrinth, das sich als eine persönliche Reise durch die innere Welt, aber auch als das neue Europa lesen lässt.

VIS MOTRIX

Foto: Klaus Fröhlich

Cocoon Dance zeigt 2020 den zweite Teil der Reihe „Zum unbedachten Körper“. VIS MOTRIX eine starke weibliche Besetzung, deren virtuose Strenge in der Bewegung den Anschein macht, die Tänzerinnen seien aus einer anderen Welt. 

Rasp Your Soul

Foto: Dorothea Tuch

Die Berlinerin Kat Válastur bewegt sich in Rasp Your Soul choreografisch zwischen dem Künstlichen und dem Organischen. Die Soloarbeit wirkt durch die Mischung von Animalischem und Menschlichem fast außerirdisch.

Harleking

Foto: Dieter Hartwig

Ginevra Panzetti und Enrico Ticconi, teilen die aktuelle Begeisterung an dem Harleking. Hybride Figuren erzeugen zwar Vergnügen, aber keine Freude. Aus der Commedia Dell ‘Arte inspiriert durchlaufen diese Figuren einen gestischen Parcours, der im Spaß beginnt und dann doch unangenehme Realitäten offenbart.

PLAYBLACK

Foto: Daniel Michael Shaw

PLAYBLACK, die außergewöhnlich aktuelle künstlerische Position von Joana Tischkau, entblößt das weiße und deutsche Begehren nach schwarzer Verkörperung. Das Publikum kann Auswürfe, Erinnerungen und Projektionen afroamerikanischer und afrodeutscher Kulturproduktion erwarten. München bildet mit seiner Vergangenheit als Zentrum des Discosounds in den 60er und 70er Jahren einen hervorragenden Resonanzraum für dieses Stück.

COEXIST

Foto: Jörg Landsberg

Kompromisslos halten die Tänzer*innen von Unusual Symptoms in COEXIST von Adrienn Hód der Gegenwart den Spiegel vor. Als Zuschauer*in kommt man nicht umhin, die eigenen Klischees und Positionen in Frage zu stellen.

Störlaut

Foto: Caroline Böttcher

Eine formal außergewöhnlich starke Position kommt von Jule Flierl. Flierl interpretiert in Störlaut die Ton-Tänze von Valeska Gerts neu. Die Künstlerin nimmt die emotionale Direktheit der Bühne in den Fokus.

FIGURED

Foto: Dieter Hartwig

Sheena McGrandles FIGURED untersucht detailreich die komplexe Komposition und Ausführung des Physischen und deckt dabei die Absurdität und Künstlichkeit der Alltagsgeste auf.

ATARA

Foto: Gueltekin

In ATARA vergleicht Reut Shemesh die Weltbilder von Frauen, die nach den Maßgaben des jüdisch orthodoxen Glaubens leben und jener, die sich an säkularen Werten orientieren. Dabei schöpft die Choreografin unter anderem aus Begebenheiten ihres privaten Umfelds.

Kabuki Noir

Foto: Knut Klaßen

Gintersdorfer/Klaßen bedienen sich der japanischen Theater-Tanz-Musik-Form des Kabuki. Hier konfrontieren sie diese mit Codes des ivorischen  und postmodernen Tanzes. Kabuki Noir atmet Interkulturalität und belebt das neu entstandene Bühnenritual.

Unstern

Foto: Jubel Battisti

Der Münchner Choreograf Moritz Ostruschnjak findet in Unstern einen bemerkenswerten Weg, auf die immer mehr aus den Fugen geratene gesellschaftspolitische Gegenwart zu reagieren. Euphorie, Ektase und Zusammenbruch stehen dabei unmittelbar nebeneinander.

Soul Chain

Foto: Andreas Etter

Inspiriert von den starken Emotionen rund um die Liebe verbindet Soul Chain Elemente von Ballett und Elektro zu packendem zeitgenössischem Tanz. Spektakulär begibt sich das tanzmainz Ensemble in dem Stück von Sharon Eyal an die Grenzen des Möglichen.

Das Programm der TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND 2020 lässt vom 04. bis 08. März sowohl das Münchner Publikum als auch das Fachpublikum Unerwartetes entdecken und spannenden Tanz genießen. Der Vorverkauf startet im Januar.