Blind Sketchmaker: Untitled

Künstliche Intelligenz

Können Computer Kunst?

/ / Resultat des Blind Sketchmaker, mit freundlicher Genehmigung von Mario Klingemann

Wenn Mario Klingemann dem Computer Evolution beibringt, sieht es so aus, als ob ein Rechner das Zeug zum Künstler hätte – nicht nur künstlich intelligent, sondern auch künstlich kreativ. Im Interview erklärt der „Computational Artisan“ bzw. Rechenkunsthandwerker sein Pogramm Blind Sketchmaker.

Mario, du hast auf eine ganz besondere Art mit Kunst zu tun. Kannst du dein Projekt Blind Sketchmaker kurz erklären?

In einem Satz ist das ein Programm, das versucht, Bilder zu erzeugen, die aussehen wie Kunst.

Und wie definierst du das – „etwas, das aussieht wie Kunst“?

Wenn du eine Zeitung aufschlägst, weißt du bei manchen Bildern sofort: „Ah! Sport! Politik! Wissenschaftsteil…“. Und bei ein paar Bildern würden wahrscheinlich acht von zehn Leuten sagen: „Ah! Das ist Kunst!“
Meine Theorie ist, dass man möglicherweise allein durch Analyse der Bildinformationen eventuell schon feststellen kann, ob ein Bild eher Kunst oder eher Sport ist.

Und du bringst dem Computer bei, die Bilder irgendwie zu bewerten…?

Das ganze weite Feld nennt sich Bildanalyse. Ich kann ein Bild nach verschiedenen Kriterien zerlegen und jedes Kriterium bekommt dann eine Zahl. Wenn ich hundert Kriterien analysiert habe, kriege ich einen Vektor, der hat dann hundert Dimensionen. Jedes Bild kannst du dir dann vorstellen wie einen Punkt in einem hundertdimensionalen Raum. Wenn du viele Bilder analysierst, dann entsteht so eine Art Wolken, wo sich manche Bilder in einem Bereich zusammenhäufen und andere in einem anderen. Wenn du das dann genauer anschaust, dann könnte es sein, dass Bilder, die du interessanter findest, eher im linken oberen Eck sind.

Der zweite Schritt ist ein getrenntes Programm. Das kannst du dir vorstellen wie einen Raum, in dem 500 Affen sitzen, die auf eine Schreibmaschine hauen. Wenn du Glück hast, kommt Shakespeare dabei raus. Ich habe verschiedene Module, die kleine Aktionen durchführen, die also z. B. sagen: „Zeichne mir zufällig zehn Kreise.“ Davon gibt’s ungefähr fünfzig Stück. Die Affen ziehen jetzt jeweils zufällig ein Modul raus und sagen: „So. Das mach ich jetzt und als nächstes mach ich dann das.“ Am Ende kommt ein Bild dabei raus.

Die Evolution kommt dann im nächsten Schritt. Das Bild wird vom Kunstbewertungsprogramm bewertet. Dazu brauche ich einen Vergleich, deshalb erzeuge ich noch ein zweites zufälliges Bild. Wenn das besser ist, dann wird das als nächstes manipuliert. Im Idealfall entwickelt sich dieses Bild zu irgend etwas hin, was sich immer mehr in diese Kunstwolke reinbewegt.

Blind Sketchmaker: Praise the Whatever it is!

Wie lang dauert es, bis so ein Kunstwerk entsteht? Wie lange rechnet ein normaler Computer da vor sich hin?

Das ist das Problem: Der Computer kann nicht entscheiden, wann fertig ist. Der macht ewig weiter, der versucht immer besser zu werden. Insofern kann man sagen, das Bild ist eventuell nach fünf Minuten fertig oder nach zwei Stunden.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Wenn ich wüsste, wie ich auf meine Ideen komme! Ich schreibe den Algorithmus, aber dann kommen Zufallsparameter ins Spiel, die das Ganze variieren. Insofern ist das eher so eine Entwicklung. Ich möchte schöne Bilder haben und ich möchte auch, dass der Computer mich überrascht.

Du hast Deine Bilder aber nicht nur auf dem Rechner belassen…

Da dieses ganze Tool ja relativ schnell läuft, muss ich diese ganzen Bilder in relativ kleinen Auflösungen laufen lassen. Und wenn man das versucht auszudrucken, dann ist das meistens sehr pixelig. Ich habe in meinem Spam-Folder eine Mail aus China gefunden, wo es hieß: „Wir malen ihre Fotos in Öl!“ Und dann hab ich eben ein paar von den Dingern nach China geschickt und sie da in Öl malen lassen. Das Ergebnis war ziemlich lustig, ganz ansprechend.