Platte des Monats: November 2018

Klaus Johann Grobe – Du bist so symmetrisch

/ / Bild: Klaus Johann Grobe

Kann es ein schöneres Kompliment geben? Inmitten von glitzernden Disco-Lichtern, den sich rhythmisch bewegenden Körpern junger Menschen und dem Sound metronomisch wummernder Beats würde man wohl nichts lieber hören als „Du bist so symmetrisch“. Dass dies auch den perfekten Titel für das neue Album von Klaus Johann Grobe abgibt, liegt an der ebenso schillernden Glamourwelt, in die man von den beiden Schweizern entführt wird. Gleich der erste Track, „Discogedanken“, löst nicht nur akuten Bewegungsdrang in den Beinen aus, sondern lässt einen auch textlich in so manche vergangene Feiernacht abdriften, in der man mitten auf dem Dancefloor in die tiefsten Gedankengänge abtauchte.

Klaus Johann Grobe – Discogedanken (2018)

Eine Eigenschaft zeichnet ausnahmslos alle Titel auf dem Album aus: ihre Tanzbarkeit. Der extrem präsente, treibende Bass, die fließenden Synthesizer, die wunderbar eingängigen Melodien und der verstrahlte Gesang sorgen in jedem der zwölf Tracks für eine fantastische rhythmische Grundlage, die, unterstützt von den hedonistisch angehauchten Texten, echte Tanzwut auslösen kann. Wunderbar stimmig ist auch der leichte Psychedelic-Touch, der einigen Songs eine tranceartige Verträumtheit verpasst, die einen noch mehr in die Musik abdriften lässt. Dabei ist sowieso das ganze Werk von großer rhythmischer Vielfalt geprägt, die mal schnell und exzessiv (Der Koenig“), mal sanft und schwebend („Zu spaet“) oder locker-jazzig und cool („Watte in meinem Kopf“) daherkommt, ohne jemals den wunderbar flüssigen Funk zu verlieren, von dem alle Tracks geprägt sind. Jedes noch so dezente Gitarrenlick ist von so süffiger Lässigkeit, dass selbst ein Nile Rodgers dagegen fast hölzern wirkt.

Daneben gibt es natürlich auch die schon erwähnt genialen Texte, die sich wie das Poesiealbum eines postmodernen Falco lesen. Egal ob sie sich schnell mal zu Königen mit Lakaien ausrufen („Der Koenig“) oder die „sweeten Treter“ besingen („Out of Reach“), Klaus Johann Grobe sind sich für keinen Größenwahn zu schade. Doch trotz aller Dekadenz und irrem Dadaismus begehen die beiden nie Weltflucht, sondern öffnen immer wieder ein wenig die Tür des strahlenden Clubs und lassen kurze Blicke in die trostlose wirkliche Welt zu. So blitzt in verzweifelt-traurigen Aussagen wie „Da ist die Einsamkeit im Vormarsch“ oder in der schüchternen Bemerkung „Ich wollte nur mal wissen, ob du dich hier überhaupt noch wohlfühlst“, die sich in der Disco wohl schon jedem irgendwann aufgedrängt haben, eine erstaunlich einfühlsame Weltsicht auf, die den scheinbar perfekten Rausch aus Tanz und Musik Stück für Stück dekonstruiert.

Klaus Johann Grobe – Out Of Reach (2018)

Die letzten Zeilen im zwölften Track lauten „Das war nicht nur, was es war“, und wenn der Beat langsam abebbt, wird klar: Nein, das war noch viel mehr als nur eine Nacht in der Disco, das war ein Strom aus Gedanken und Stimmen, ein traumartiger Schwall Emotionen und allem voran ein verdammt gutes Album. Nach dem ersten Hören setzt nicht wie nach jeder guten Nacht im Club der Kater ein, sondern die Lust, sofort wieder in die symmetrische Welt von Klaus Johann Grobe einzutauchen. Was für ein Kompliment von einem Album!

„Du bist so symmetrisch“ von Klaus Johann Grobe ist am 26.10.2018 bei Trouble In Mind erschienen.