Das Cannabis-Jahr 2019

Hanf – Das umstrittene Grün

/ / Hanf in etwas anderer Form. (Bild: M94.5)

„Das ist keine Droge, das ist ein Blatt!“, meinte schon einst Arnold Schwarzenegger über die wohl umstrittenste Pflanze unserer Generation: Hanf. Damit hatte Arni Recht. Dass Hanf aber nicht gleich Joints sind und nicht aller Hanf illegal ist, zeigt unsere Gesetzeslage.

Beim Blick in unsere Supermärkte und Bioläden des Vertrauens entdeckt man immer mehr Produkte, die mit der Pflanze in Verbindung stehen: Hanfsamen-Öl, Hanf-Nudeln und Hanf-Blüten stehen mittlerweile in vielen Regalen. Doch was ist nun eigentlich illegal und wann dürfen Hanf-Produkte im Regal stehen?

Die 0,2%-Hürde

Das Stichwort, um das sich aller Ärger zwischen Illegalität und Erlaubtem dreht, ist das Stichwort Tetrahydrocannbinol – kurz: THC. Das ist der Stoff in der Hanf-Pflanze, dessen Gehalt im jeweiligen Produkt 0,2% nicht übersteigen darf. Ist der Anteil höher als 0,2%, droht laut Gesetzgeber ein Missbrauch zu Rauschzwecken; deswegen das Verbot ab diesem Gehaltswert.

Das Problem an diesem Gesetz ist, dass die Staatsanwaltschaft bei der Überprüfung andere Messmethoden nutzt und Werte daher leicht abweichen können. „Die Regelung ist viel zu schwammig, um eine Rechtssicherheit erlangen zu können. Bundeslandabhängig wollen manche Behörden in diesem Gebiet nicht eingreifen.“, sagt der Münchner Rechtsanwalt David-Joshua Grziwa.

Razzien in München

Vor eineinhalb Jahren erstmals in Passau und dieses Jahr schließlich auch in München: Razzien in ausgewählte Bio-Hanfläden mit Beschlagnahmung einzelner Produkte. Und das, obwohl die zum Verkauf stehenden Produkte die 0,2%-Grenze nicht überschreiten. Gefunden wurde nichts Verbotenes, die beschlagnahmten Produkte wurden bis heute (Stand: 11. Dezember 2019) nicht zurückerstattet. Dass von Zeit zu Zeit Kontrollen in Läden, die Hanfprodukte verkaufen, durchgeführt werden, ist gesetzlich geregelt. Razzien hingegen, die eine große Menge von Produkten beschlagnahmen und die Ladenbesitzer daraufhin im Unwissen über den weiteren Verlauf lassen, ist neu – besonders die Tatsache, dass große Supermarktketten von Razzien, im Gegensatz zu privaten Bioläden, verschont wurden.

Ungewohnt! So sieht Hanf als Rohstoff aus. (Bild: M94.5)

Hanf als nachhaltiger Baustoff

Hanf kann nicht nur als Lebensmittelprodukt genutzt werden, sondern findet auch Verwendung in der Bauindustrie, speziell für den Einsatz als Dämmmaterial. Eine weitere Verwendung findet sich an der Uni in Eindhoven. Dort steht eine besondere Brücke. Was es mit der Brücke auf sich hat, erklärt Jens Geibel.

Zum Bauen eignet sich Hanf nämlich erstaunlich gut. Hanf als Rohstoff ist extrem reißfest und leicht, kann sehr gut mit Wasser umgehen und bindet sehr viel CO2. Es gibt somit auch einen positiven Nebeneffekt: Die Pflanze wirkt gegen weitere Ausstöße von Treibhausgasen. 97 Prozent der Pflanze können verwendet werden. Neben den Fasern können auch die Samen, Blätter, Blüten oder auch die Schäben für die Verarbeitung genutzt werden. Die restlichen 3 Prozent sind biologisch abbaubar. Außerdem ist Hanf als Rohstoff wesentlich langlebiger als vergleichsweise Kunststoff.

„Ja! Zu Hanf als Rohstoff“

Das Volksbegehren des Cannabis Verband Bayern startet am 11. Dezember 2019 und soll aufklären, dass Hanf mehr ist als nur ein Betäubungsmittel. Bis März 2020 muss der Verband mit Unterstützung der FDP Bayern und der Jungen Liberalen Bayern mehr als 25 000 Unterschriften gesammelt haben. Erst dann kann eine Auslegung für das Betäubungsmittelgesetz geschaffen werden.