Veganismus und Profisport

Grüne Power

/ / Bild: M94.5 / Sophia Linnenbrink

Vom Salat schrumpft der Bizeps“ rappte Kollegah 2014 erstmals, der Text dieses Songs lässt annehmen, dass Gemüse nicht zu sportlichen erfolgen führen könne. Im Veganismus stellt genau das einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung dar und trotzdem folgen immer mehr Leistungssportler*innen diesem Lebensstil.

Die Realität in der leistungssportlichen Ernährung zeigt eine klare Tendenz: immer mehr sprechen sich für die rein pflanzliche Ernährung aus. Der 16-malige Grand-Slam-Champion Novak Djokovic, Topkicker Lionel Messi und Formel-1-Profi Lewis Hamilton gehören dazu.

Vorzug Pflanze

„Die Gewichtsschwankungen hatte ich gar nicht mehr. (…) Das ist auf jeden Fall ein sehr schöner Nebeneffekt.“

– Radsportprofi Simon Geschke

Pflanzliche Ernährung lässt sich im Gegensatz zum tierischen Pendant wesentlich schneller und leichter verdauen. Das liegt an den vorhandenen Faserstoffen, die zusammen mit Flüssigkeit Füllstoffe darstellen und unter anderem für eine Dehnung im Darm sorgen. Aleksandra Keleman ist Beraterin für vegane Ernährung und arbeitet seit 2014 mit Profisportler*innen wie den Eishockeyspieler Thomas Pielmeier und die Handballerin Luisa Schulze zusammen.

Ernährungsberaterin Aleksandra Keleman lebt selbst seit 2011 vegan
Bild: Aleksandra Keleman

„Die Verdauung von Fleisch dauert über acht Stunden, das ist wahnsinnig lang. Wenn wir viel und lange Verdauungsarbeit leisten müssen, fehlen wichtige Enzyme und vor allem Energie für andere natürliche Vorgänge im Körper, wie zum Beispiel Regeneration“, erklärt Keleman. Eine schnellere Regeneration führt laut dem DFB zu einer höheren Leistungsfähigkeit bei Sportler*innen und ermöglicht schnellere Erfolge. Für die Sporternährungsberatung steht Aleksandra Keleman in ständigem Austausch mit Ärzten, Physiotherapeuten und Heilpraktikern. „Viele berichten, dass Patient*innen auf Milchprodukte reagieren. Es fällt auf, dass einige Wehwehchen, wie Blähungen und Allergien, mit dem Absetzen von Milchprodukten deutlich besser werden.“
2016 hat auch der deutsche Radrennprofi Simon Geschke seine Ernährung auf vegan umgestellt. „Die Gewichtsschwankungen hatte ich jetzt gar nicht mehr, auch nicht in der Saisonpause. Eine extreme Umstellung gab es bei mir nicht, deswegen ist da alles ziemlich stabil geblieben und auf das Gewicht hat es sich super positiv ausgewirkt; das ist auf jeden Fall ein sehr schöner Nebeneffekt“, beschreibt Geschke die Ernährungsumstellung.

Sorgenkinder im Spiel

Geht es um die Schattenseiten der veganen Ernährung, fällt schnell das Stichwort Nährstoffmangel. Dabei wird laut des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Mikro- und Makronährstoffe unterteilt. Zu Makronährstoffen gehören Proteine, Kohlenhydrate und Fette die sich in einer veganen Ernährung in Linsen, Kartoffeln, Nüssen und Samen wiederfinden und den Nährstoffbedarf damit problemlos decken. Zu den Mikronährstoffen zählen Mineralstoffe und Vitamine, das RKI warnt bei letzterem zu besonderer Vorsicht. Vitamin B12 ist ein sogenanntes „Coenzym“, das ist jener Teil eines Enzyms, das Reaktionen im menschlichen Körper steuert. Das besondere an dieser Aminosäure: wir können sie nicht selbst herstellen. Vitamin B12 wird laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausschließlich von Mikroorganismen produziert und kommt in einer für den Menschen verfügbaren Form fast nur in tierischen Lebensmitteln vor. Die Bundesregierung warnt im Fall eines Mangels durch vegane Ernährung unter anderem vor neurologischen Störungen. Dass ein Vitamin B12 Mangel dann auch im Sektor Profisport zu einer geringeren Leistungsfähigkeit führt, ist beispielsweise auch in der Bundesliga schon lange Thema, weiß Aleksandra Keleman. Um dem Mangel vorzubeugen, wird auch in dieser Leistungsklasse auf B12-Supplemente gesetzt. Keleman empfiehlt den Sportler*innen, die Supplemente eher in Form von Tropfen einzunehmen, da diese im Gegensatz zu Tabletten meist reiner sind und weniger Füllstoffe aufweisen.

Ein Vitamin B12-Mangel lässt sich durch verschiedene Supplemente verhindern
Bild: shutterstock

Vegan = gesund?

Egal ob eine Vollkosternährung oder eine pflanzenbasierte: in jedem Fall sollte ein Bewusstsein geschaffen und auf Ausgewogenheit geachtet werden. „Es gibt Leute, die sich vegan ernähren und trotzdem kein Obst und Gemüse essen. Das ist auf jeden Fall nicht ratsam, man sollte nicht nur auf Ersatzprodukte setzen. Zwar sind die besser als tierische, aber wichtiger ist die Ernährung mit natürlichen Produkten, dazu viel Obst und Gemüse“, rät Aleksandra Keleman.

Dass vom Salat der Bizeps schrumpft, ist also gerade im Profisport ein Glaubenssatz, an den immer weniger Sportler*innen glauben. Wer sich vegan ernährt, sollte auf einen ausgewogenen und den Nährstoffbedarf abdeckenden Speiseplan achten. Es empfiehlt sich außerdem, einmal jährlich die Blutwerte abchecken zu lassen.