Nordfriedhof-Sheriffs

Friedhof ohne Frieden

/ / Foto: Annika Wiedemann

Der alte Nordfriedhof in Maxvorstadt, auf dem seit über 70 Jahren keine Beerdigung stattgefunden hat, wird von Kindern seit längerem als Park zum Spielen genutzt. Jetzt hat die Stadt nach mehreren Beschwerden einen Security-Dienst eingestellt, der die Totenruhe sichern und den Lärm durch die Kinder eindämmen soll. Die Diskussion, ob man spielenden Kindern den Zugang zum Friedhof verwehren sollte, erhitzt gerade die Gemüter.

Spielen zwischen Grabsteinen

Wenn man in einer Großstadt wie München aufwächst, ist genug Zeit im Grünen umso wichtiger. Deswegen ist der alte Nordfriedhof ein beliebter Ort bei Joggern, Spaziergängern und vor allem spielenden Kindern. Auf der Friedhofsanlage gab es seit 1944 keine Bestattung mehr, weshalb sie seit vielen Jahren als Park fungiert. Die große Anzahl an Kinder aus den umliegenden Schulen und Tagesstätten ist aber nicht bei allen Besuchern des Friedhofs gerne gesehen. Einige Nachfahren der am Friedhof Beigesetzten, haben sich über die laut und wild herum rennenden Kinder beschwert und sehen darin eine Störung der Totenruhe. Deshalb hat die Stadt nun eine Security-Firma angestellt, die mehrere Stunden am Tag auf dem Gelände patrouilliert und für Ruhe und Ordnung sorgen soll. Dabei scheinen die Sicherheitsleute nach der Meinung der Kindergärtner und vieler Eltern besonders den Kindern gegenüber zu streng vorzugehen, sodass sich diese nicht mehr auf den Friedhof trauen.

Safe and the City

Ob diese neuen Sicherheitsmaßnahmen wirklich notwendig sind, ist tatsächlich fragwürdig. Dabei hat übertriebener Kontrollwahn in München leider eine lange Geschichte. Schon vor über 50 Jahren kam es beispielsweise zu den „Schwabinger Krawallen“, als eine Gruppe junger Leute im Juni 1968 noch nach halb elf auf der Straße musizierten und die Polizei den Jam mit Gewalt auflöste. Außerdem ist seit Sommer letzen Jahres der sogenannte „Kommunale Außendienst“, kurz KAD, in München im Einsatz. Die Beamten sollen auf den Straßen der Stadt gegen Ruhestörung und andere kleine Vergehen vorgehen und dafür sorgen, dass München die sicherste Millionenstadt Deutschlands bleibt.

dreht sich der Wind?

Aber auch diese Aktion stieß damals auf Gegenwehr: Viele Bürger fühlten sich durch die gestiegene Beamten-Präsenz eher verunsichert als beruhigt und waren auch finanziell skeptisch. Das Sicherheitsaufgebot auf dem alten Nordfriedhof und die negativen Reaktionen dazu sind also keine Ausnahme in der Geschichte Münchens. Sollten sich aber tatsächlich die Befürworter der spielenden Kinder in der Diskussion durchsetzten, wäre das eine Art Zäsur im langen Streit zwischen Bürger und Stadt.