Eurovision Song Contest 2020

Douze points daheim

/ / Bild: EBU/NPO

Am heutigen Samstag sollte eigentlich das Finale des Eurovision Song Contest 2020 stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie musste aber auch dieser Wettbewerb abgesagt werden. Die besten Songs des Jahrgangs im Kurzportrait.

Unter dem Motto Open Up sollte in diesem Jahr im niederländischen Rotterdam der 65. Eurovision Song Contest stattfinden. Daraus wurde nichts – zum ersten Mal in der Geschichte des ESC wurde das Event abgesagt. Kurz darauf beschloss der Veranstalter des Wettbewerbs, die European Broadcasting Union (EBU), dass die ausgewählten Songs auch nächstes Jahr nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen. Der ESC-Jahrgang 2020 bekommt also keinen Sieger. Besonders schade ist das für die folgenden fünf Lieder, die zu den diesjährigen Favoriten gehört haben.

Der Fanliebling: Island

Im zweiten Anlauf hat es Sänger Daði Freyr zum ESC geschafft. 2017 scheiterte er noch mit dem Song „Is This Love?“ im isländischen Vorentscheid Söngvakeppnin. Mit einem ähnlichen Bühnenkonzept sollte es dann drei Jahre später doch für das Ticket zum ESC reichen. In „Think About Things“ besingt Daði Freyr und seine Band Gagnamagnið (zu deutsch Datenvolumen), dass er es kaum erwarten kann zu erfahren, was seine neugeborene Tochter über Dinge denkt. Besonders süß: Auch Daðis Frau, Árný Fjóla, ist Teil der Band.

Das Rundum-Wohlfühlpaket mit der Hammerstimme kam nicht nur in der isländischen Heimat gut an: „Think About Things“ gewann die Ersatzwettbewerbe Der kleine Song Contest des österreichischen Senders ORF und Sveriges 12:a des schwedischen Senders SVT. In Rotterdam wäre Island also definitiv ein Kandidat für den Sieg gewesen.

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Daði Freyr begeisterte mit diesem Auftritt europaweit die ESC-Fans.

Die Wettfavoritin: Bulgarien

Nach einem vierten Platz 2016 und einem zweiten Platz 2017 sollte Bulgarien in diesem Jahr der ganz große Coup gelingen. In diesem Jahr wäre Victoria die Vertreterin des Landes gewesen. Wer aber die Augen schließt, könnte glatt denken, „Tears Getting Sober“ würde von Billie Eilish stammen.

Songwriter Borislav Milanov, der auch die oben genannten bulgarischen Top-Platzierungen zu verantworten hatte, orientierte sich bei dem diesjährigen Song ganz klar am Sound und Stil des US-Superstars. Doch gemäß dem Motto ‚Besser gut inspiriert als schlecht selber gemacht‘ ist „Tears Getting Sober“ ein brillant produziertes, hochmodernes Lied, das auch von den Wettanbietern gewürdigt wurde. Bis zur Absage des Contests war der Song auf Platz 1 der Wettquoten und wäre sicherlich einer der Topfavoriten beim Wettbewerb.

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Victoria wird auch im nächsten Jahr die bulgarische Vertreterin beim ESC sein.

Der Ohrwurm: Litauen

Wo zwei sich streiten, freut sich ja bekanntlich der Dritte. Das hätte in diesem Jahr durchaus Litauen sein können. Mit „On Fire“ gelang der Band The Roop ein Song, der nahezu alle Erfolgskriterien des Eurovision Song Contest erfüllt: Einfach zum mitsingen, eine catchy Instrumental-Hook und eine absolut ausgefallene Choreographie.

Vor allem die Energie von Lead-Sänger Vaidotas Valiukevičius ist nicht zu übersehen und wäre beim Zuschauervoting sicher gut angekommen. Für den baltischen Staat hätte das unter Umständen sogar zum Sieg reichen können, wäre aber mit ziemlicher Sicherheit das beste litauische ESC-Resultat aller Zeiten geworden. Zuvor war dies der sechste Platz im Jahr 2006.

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Einprägsame Hook trifft auf verrückte Choreographie – das Erfolgsrezept für Litauen?

Der Hingucker: Russland

Russland gehört nahezu jedes Jahr zu den ESC-Favoriten, und auch in diesem Jahr fährt das Land große musikalische Geschütze auf. Die Band Little Big feierte 2018 mit „Skibidi“ einen Riesenhit. Über 400 Millionen Aufrufe auf YouTube sprechen da eine klare Sprache. Auch der Wettbewerbsbeitrag „Uno“ steht bereits bei 93 Millionen Aufrufen und ist somit zumindest online der beliebteste Song des Jahrgangs.

Das liegt vor allem an der Einzigartigkeit des Lieds: Little Big mischen Pop-Rave mit einer 70er-Jahre-Disco-Ästhetik. Eine Mischung, die auf dem Papier eigentlich absolut nicht zusammenpassen sollte, aber letztlich doch lange im Ohr bleibt. Ein Gesamtsieg würde stark von der Einschätzung der Jury abhängen, dank des großen Zuschauerzuspruchs hätte Little Big aber zumindest Außenseiterchancen im Endklassement auf Platz Numero Uno zu stehen.

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Disco

Der Sommerhit: Deutschland

Deutschland nicht am Ende des ESC-Tableaus? Dieses normalerweise kaum denkbare Szenario hätte in diesem Jahr Realität werden können. Dafür hat der NDR den Vorentscheid gestrichen und den Sänger und Song intern ausgewählt. Heraus kam nach eigener Aussage ‚der beste deutsche ESC-Song aller Zeiten‘. Auch wenn „Violent Thing“ von Ben Dolic diese Vorschusslorbeeren definitiv nicht erfüllt, ein gutes Resultat wäre allemal möglich gewesen.

Der in Slowenien geborene Ben Dolic war 2018 bereits Zweiter bei The Voice, Songwriter Borislav Milanov hat, wie bereits erwähnt, schon mit Bulgarien ESC-Topplatzierungen geholt – ein potenzielles Erfolgsduo also. „Violent Thing“ ist ein gut tanzbarer Mainstream-Pop-Song, der beim Live-Auftritt im Rotterdam Ahoy für ordentlich Stimmung gesorgt hätte. Mit der Kombination aus einem angenehmen Song, Ben Dolic‘ starker Stimme und positiven Vibes wäre für Deutschland mindestens ein Platz unter den Top 10 sicher drin.

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„Germany, nul points“ – Mit Violent Thing wäre das Horrorszenario in diesem Jahr sicher nicht eingetreten.

Die weiteren Kandidaten

Neben diesen fünf Songs hätten sich auch Italien mit der Ballade „Fai rumore„, von Sanremo-Gewinner Diodato, und die Schweiz mit dem melancholischen „Répondez-moi“, von Gjon’s Tears, Hoffnungen auf den Sieg ausrechnen können. Auch Malta mit der Pop-Soul-Nummer „All of My Love“ der ehemaligen Junior-Eurovision-Song-Contest-Siegerin Destiny wäre eine Rolle im Kampf um die Top-Platzierungen zuzutrauen.

Der diesjährige Wettbewerb hatte das Potenzial einer der spannendsten ESC-Ausgaben der letzten Jahre zu werden, zuletzt hatten 2011 so viele verschiedene Länder eine realistische Chance auf den Sieg. Der Veranstalter des Eurovision Song Contest hat eine Playlist mit allen Songs zusammengestellt. So kann jeder Fan seinen ganz persönlichen Sieger für sich entdecken.

Das Erste kürt am heutigen Samstag um 20:15 Uhr in einer Abstimmung den Sieger der Herzen des deutschen Publikums. Im Anschluss zeigt der Sender ab 21:55 Uhr die offizielle Ersatzsendung des Veranstalters EBU Europe Shine A Light.