Kulturkommentar

Klicks statt Klecksen

/ / Quelle: M94.5/Sarah Fischbacher

Wenn das erste Suchmaschinen-Ergebnis eines “Künstler-Kollektivs” die Seite von Trip Advisor ist, ist das selten ein gutes Zeichen. Noch nie was von teamLab gehört? Keine Sorge, irgendwann werden die aus Japan herüberschwappenden Multimedia Ausstellungen auch im letzten Social Media Feed auftauchen. Oder werden sie bald von selbsternannten Instagram-Museen eingeholt?

Farbenfroh, fantasievoll, übernatürlich – die riesigen Licht-Erlebniswelten von teamLab machen aber auch einiges her. Da gibt es, zum Beispiel, “The Infinite Chrystal Universe”, ein riesiger Raum, der aus grell leuchtenden, blau oder rosa LED Lichtern besteht. Durch Spiegel-Wände werden sie ins Unendliche gezogen. Sieht flashy aus und macht sich noch flashier als neueste Ergänzung des Instagram Profils. #artsy 

Nicht Drängeln!

Nebenan bewegt sich dann alles. Besucher können sich durch bunte, überall hin projizierte Blumenmuster posen. Alles mit sphärischer Musik hinterlegt und beim Fotos machen nicht trödeln! Der Nächste will schließlich auch noch an seine Likes. 

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Trailer zur Ausstellung von teamLab in Tokio

Während die Begeisterung und das beeindruckende Staunen bei solch überdimensionalen Licht- und Projektionsspielereien noch einigermaßen verständlich und nachvollziehbar bleibt, wird es bei der Betitelung des ganzen grenzwertiger. Ist das Kunst? Ist das vielleicht sogar die Kunst der Zukunft? Multimedial, optisch beeindruckend…inhaltlich leer?

Höchst-Philosophische Farbspiele

Halt, Stop! Beim Scrollen durch die teamLab-Website stößt der aufmerksame Leser doch tatsächlich auf allerhand Inhalte: Ihre Ziele sind schließlich “Collaborative Creation”, “Transcending Boundaries” “Relationships amongst people”, sowie mindestens zehn weitere Kalendersprüche. Also wer da nicht ins philosophische Nachdenken kommt, ist selbst schuld.

Nein, natürlich kann Kunst auch einfach nur schön sein. Kunst darf auch Genussmittel sein und Kunst muss nicht immer die Welt verändern. Das bunte Wunderland der teamLab-Ausstellungen ist schön! Es hat etwas Übernatürliches und Hübsches. Trotzdem ist es traurig und bezeichnend, wenn eine “Kunst”-Ausstellung nichts weiter als eine Instagram-Kulisse wird, wenn Kunst sich danach richtet wie post-bar sie ist. Dass wir uns hier ganz schnell von Kunst entfernen, zeigt das erste Instagram-„Museum“, das gerade unter dem Namen nofilter_museum in Wien eröffnet wurde.

Das neue Instagram Museum in Wien
Quelle: Instagram/nofilter_museum

Kunst oder nicht Kunst…

Der permanente Ausstellungsraum von teamLab in Japan ist in diesem Jahr das weltweit meistbesuchte Museum einer einzelnen Künstlergruppe. Mit insgesamt 3,5 Millionen Besuchern ist das beispielsweise mehr als das Van Gogh Museum in Amsterdam. Ein Trend, der sich scheinbar nicht aufhalten lässt. Aber muss er das denn überhaupt? Eigentlich nicht. Ausreichend wäre es schon, vor dem Begriff ‚Kunst‘ zurückzuschrecken. Kunst muss ja nicht gleich im brechtschen Sinne als Hammer gesehen werden, “der die Wirklichkeit gestaltet”. Ein bisschen Inspiration, ein bisschen Anstoß können schon genügen.

…ist das hier die Frage?

Am Ende lässt sich vermutlich dennoch keine Kritik an teamlab selbst äußern. Ihre Ausstellungen sind nicht mehr oder minder viel „wert“ als andere schöne aber konzeptuell schwache Kunst. Ob sie gefällt oder nicht, ja selbst ob sie Kunst ist oder nicht, sollte jeder Besucher an seinem eigenen Kunstbegriff messen. Nur einlassen sollten wir uns auf die von uns besuchte Kunst; in welcher Form auch immer. Dass das dann wiederum problematisch ist, wenn wir unser gesamtes Leben auf Smartphone und Social Media verlegen, ist eine andere und viel größere Debatte…

Ausstellungen der Gruppe TeamLAB sind permanent im Digital Art Museum Tokyo zu sehen, sowie in wechselnden Ausstellungen in Europa, Asien und Amerika.