Menschenrechtsverletzungen in China

Die Unterdrückung der Uigur:innen in China

/ / Bild: Chris Redan / shutterstock

Nach Jahren der Unterdrückung von Uigur:innen in China hat die Europäische Union im März das erste Mal seit 30 Jahren Sanktionen gegen das Land veranlasst. Der Grund: China verfolgt und unterdrückt systematisch muslimische Minderheiten.

Laut Menschenrechtsorganisationen werden in China derzeit mindestens eine Millionen Menschen in Haftlagern und Hochsicherheitsgefängnissen festgehalten – ohne Gerichtsverfahren und auf Grundlage fadenscheiniger Vorwände. Ein Großteil davon sind Uigur:innen. Uiguren sind eine von vielen türkstämmigen ethnischen Minderheiten in China. Die meisten von ihnen leben in dem sogenannten Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjang, einer Region im Nordwesten Chinas.

Kasghar, Ort in Xinjiang / Bild: Hanna Burdorf

Xinjang ist ein „offenes Gefängnis“

In den letzten Jahren häufen sich albtraumhafte Betroffenenberichte aus der Region. China hat in den letzten Jahren einen digitalen Überwachungsstaat aufgezogen. Jeder Schritt der Bewohner:innen des autonomen Gebietes wird überwacht – auch im privaten Raum. Darunter leiden vor allem die muslimischen Minderheiten in der Region. Human Rights Watch legte Ende des vergangenen Jahres einen Bericht vor, der belegt, dass polizeiliche Big-Data-Programme willkürlich türkischstämmige muslimische Menschen für potenzielle Verhaftungen herausfiltern. Das wird von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisiert.

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Einen Koran zu besitzen reicht als Inhaftierungsgrund

Die Angehörigen der Internierten werden nicht über die Gründe der Verhaftung aufgeklärt. Oft wissen die Familien nicht einmal, wo ihre Verwandten sind. Jegliche Ausübung der muslimischen Religion oder kulturellen Identität der Uigur:innen ist bereits unter Strafe gestellt. 

„Es gibt Menschen, die haben sich seit Jahren das Gesicht nicht mehr gewaschen, weil sie Angst davor haben, dass man denkt, sie treffen Vorbereitungen für ein Gebet.“

Tahir Qahiri, Deutsch-Uigure

Terrorvorwürfe der chinesischen Regierung an Uigur:innen

Die chinesische Regierung versteckt die Lager unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung. Sie nennen die Lager „Berufsausbildungszentren“. Vor allem im eigenen Land werden in der Propaganda schwere Geschütze aufgefahren. 

Darstellung eines „Umerziehungslagers“ in der Propaganda der chinesischen Regierung / Bild: shutterstock / Azamat Imanaliev

Lobgesänge auf die kommunistische Partei Chinas

Die Situation in den Lagern und die direkten Anweisungen der chinesischen Regierung an das Wachpersonal gehen aus Betroffenenberichten und den sogenannten China Cables hervor. Diese wurden von Investigativjournalist:innen aus der ganzen Welt zusammengetragen. Die Inhaftierten werden in engen Zimmern ohne Fenster, ohne Nahrung und ohne Hygiene festgehalten. Sie müssen an Unterrichtseinheiten teilnehmen, Mandarin erlernen und der kommunistischen Partei China mit Lobesgesängen huldigen. Die eigene Sprache, Identität und Kultur müssen sie ablegen. Wer nicht folgt, wird schwer bestraft.

Große Konzerne lassen in den Lagern produzieren

Außerdem werden die Inhaftierten zum Arbeiten gezwungen. Teile von Lieferketten großer internationaler Konzerne können in die Lager zurückgeführt werden, darunter H&M, Zara, Nike und Volkswagen. Die Volksrepublik China ist von Xinjang wirtschaftlich abhängig, denn ein Großteil der Baumwolle wird in der Region gewonnen und verarbeitet.

„Vielleicht lädst du dein Handy gerade mit einem Aufladekabel auf, das mein Bruder im Gefängnis unter Zwang hergestellt hat.“ 

Abduxukur Abdurixit, Schweizer-Uigure
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Kontaktabbruch zu Angehörigen im Ausland

Viele Uigur:innen sind ins Ausland geflohen. Zurück in die Heimat können sie nicht mehr. Auch der Kontakt zu Freund:innen und Familie ist unfreiwillig abgebrochen. Aber auch im Ausland werden sie von der chinesischen Regierung unter Druck gesetzt.

„Ich habe mich in deutschen Medien gegen die kommunistische Partei Chinas ausgesprochen und habe erzählt, was mit meinem Volk in China gemacht wird, daher kann ich nicht mehr zurück. (…) Wenn ich nach China zurückkehren würde, müsste ich Angst um mein Leben haben.“

Tahir Qahiri, Deutsch-Uigure

In unserem neuen M94.5 TO GO Podcast könnt ihr mehr über die Unterdrückung von Uigur:innen in China erfahren. Tahir Qahiri und Abduxukur Abdurixit haben dabei M94.5 die Geschichte ihrer verschwunden Familienmitglieder erzählt und wie sie sich auf die Suche nach ihnen gemacht haben.