Männerhormone

Wunderwerk Hormonküche

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Wechseljahre, Periode, Schwangerschaft. Der weibliche Hormonzyklus bestimmt in vielerlei Hinsicht den Zustand und das Befinden des Körpers. Doch auch Männer stehen unter starkem Einfluss ihres Hormonhaushalts.

Insgesamt sind bislang über 150 Hormone bekannt, die sowohl im männlichen als auch im weiblichen Körper produziert werden. Sie agieren im menschlichen Körper als Botenstoffe zwischen Zellen und steuern letztendlich jede Funktion unseres Körpers. „Es ist schon so, dass Hormone beeinflussen, wie wir denken und dann handeln.“, erkärt der Münchner Endokrinologe Prof. Dr. Harald Schneider. Eines dieser Hormone ist das Testosteron. Es kommt zwar auch in geringen Mengen bei Frauen vor, ist aber vor allem für den männlichen Hormonhaushalt bedeutsam.

Prof. Dr. Harald Schneider ist Endokrinologe im Zentrum für Endokrinologie und Stoffwechsel (Bild: Prof. Dr. Harald Schneider)

Der Spiegel schwankt

Auch wenn der Hormonhaushalt bei Männern nicht so großen, zyklischen Schwankungen unterliegt wie bei Frauen, ist er nicht  dauerhaft konstant. Laut Prof. Dr. Harald Schneider kann ein hoher Spiegel an Testosteron verstärkte Aggression und Konkurrenzverhalten zur Folge haben. Doch auch ein Mangel an Testosteron hat deutliche Auswirkungen auf den männlichen Körper. Beeinflussbare Faktoren wie ein ungesunder Lebensstil und wenig Bewegung können nach Schneider dafür sorgen, dass weniger Testosteron produziert wird. Auch chronische Erkrankungen können zu einem gesunkenen Spiegel führen. Dazu zählen Diabetes, Herz- und Nierenerkrankungen und auch Depressionen. In Folge eines Mangels kann das sexuelle Verlangen zurückgehen und Müdigkeit zunehmen. Prof. Dr. Schneider betont in diesem Kontext das sogenannte „Henne-Ei-Problem“ – es kann nicht immer klar ermittelt werden, welcher Zustand zuerst war. „Man weiß, dass ein niedriger Testosteronspiegel auch dazu beitragen kann, dass man weniger Energie hat und weniger leistungsfähig ist.“ Mit weniger Energie kann auch geringere körperliche Aktivität einhergehen, die auch auf der anderen Seite der Ursprung für die Entstehung eines Testosteronmangels sein kann.

Mit dem Alter der Mangel?

Männer fortgeschrittenen Alters haben häufig niedrigere Testosteronwerte als jüngere. Der Grund liegt in diesen Fällen  aber nicht am Alter direkt, sondern an einem höheren Risiko eben genannter Erkrankungen und damit einhergehender Medikamenteneinnahmen. Trotzdem ist der männliche Testosteronspiegel vor allem eins: Individuell. Das beobachtet auch Prof. Dr. Schneider. „In meiner Praxis sehe ich es auch bei 80-jährigen Männern, dass die höhere Spiegel an Testosteron haben können wie ein 30-jähriger. Das hängt auch immer davon ab, wie fit man ist. Das heißt, das ist vom Lebensstil abhängig und beeinflussbar.“

Love is in the Hormonhaushalt

Ein Gefühl, das sich besonders auf den Testosteronspiegel auswirkt, sind die berühmten Schmetterlinge im Bauch. „Wenn Männer frisch verliebt sind, dann sinkt der Testosteronspiegel interessanterweise. Man geht davon aus, dass der Mann in dieser Zeit weniger Aggressivität ‚braucht‘, da er nicht mehr ’nach anderen Partner*innen gucken‘ muss.“, erklärt Prof. Dr. Harald Schneider. Zu diesem Ergebnis kamen auch Forscher*innen der Universität Pisa, die verschiedene Schlüsselhormone im Blut von zwölf Männern und zwölf Frauen bestimmen konnten; die Proband*innen hatten sich alle innerhalb der vorherigen sechs Monate verliebt. Zum Vergleich wurden die Hormonspiegel einer zweiten Gruppe von 24 Freiwilligen gemessen, die entweder Singles waren oder in langjährigen Beziehungen lebten. Ein oder zwei Jahre nach der ersten Messung hatte sich der Hormonspiegel auch bei den frisch verliebten Proband*innen aber wieder normalisiert. Das heißt: Auch die Hormone setzen die rosarote Brille irgendwann wieder ab.