Filmklassiker der Woche

Citizen Kane

/ / Bild: Screenshot/M94.5

Von Kritikern, Filmemachern und Cineasten wird dieser Film heute wie damals als vielleicht bester Film aller Zeiten gesehen und ist aus entsprechenden Toplisten nicht wegzudenken – Citizen Kane. In diesem cineastischen Meisterwerk von 1941 fungierte Orson Welles als Regiesseur, Co-Autor, Produzent und Hauptdarsteller in Einem. Aber was ist es, dass Citizen Kane damals so revolutionär und heute immer noch so herausragend macht?

Rosebud ist das letzte Wort, welches der Medienmogul Charles Foster Kane von sich gibt. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Kane zählt am Ende seines Lebens zu den reichsten Menschen der Welt, ist Inhaber des größten Medienmonopols der USA, ehemaliger US-Präsidentschaftskandidat, Kunstsammler und Bauherr eines gigantischen Privatschlosses namens Xanadu. Dieser Mann scheint der Inbegriff des American Dreams zu sein und einfach alles erreicht zu haben.

Das berühmte letzte Wort – in Citizen Kane ein wichtiges Detail. (Bild: Screenshot/M94.5)

Das alles erfährt der Zuschauer direkt am Anfang des Filmes in Form einer Nachrichtensendung, welche sich jedoch schon bald als Film im Film entpuppt. Der Projektor stoppt und der Zuschauer merkt, dass es sich um einen unfertigen Nachruf einiger Reporter auf Charles Foster Kane handelt. Unfertig deshalb, weil etwas entscheidendes fehlt – wer oder was ist Rosebud?

Ungewöhnliche Erzähltechnik

Der Film begleitet einen der Journalisten beim Versuch, das Rätsel um Rosebud zu lösen. Dieser besucht nach und nach die wichtigsten Weggefährten Kanes und befragt sie. Kanes komplettes Leben wird dadurch Abschnittsweise in Form von Rückblenden erzählt. Diese unchronologische Erzähltechnik war seiner Zeit vorraus und macht den Film unglaublich kurzweilig. Durch sein konsequentes Spiel mit der Zeit ist Citizen Kane auch heute noch modern, vor allem dann wenn Orson Welles Zeitsprünge dramaturgisch einsetzt. So endet etwa eine Szene, indem Kanes Ziehvater diesem „Frohe Weihnachten..“ wünscht und nach einem Schnitt seinen Satz 15 Jahre später mit: „…und ein frohes Neues Jahr“ beendet.

Eine andere besonders herausragende Szene ist die Marriage Montage, in der eine komplette Ehe in 3 Minuten, anhand von Zeitsprüngen am Frühstückstisch erzählt wird, scheinbar so einfach wie genial.

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Die bekannte und geniale Marriage Montage-Szene aus Citizen Kane.

Der Beginn des modernen Films

Neben der ungewöhnlichen Erzählstruktur wurden bei Citizen Kane zum ersten Mal viele filmische Innovationen genutzt die wir heute als komplett selbstverständlich empfinden. So reden beispielsweise Personen durch- und übereinander, anstatt wie vorher nur abwechselnd. Das Set des Films besteht nicht, wie früher üblich, nur aus drei Wänden ohne Decke. Dadurch werden neuartige Kameraeinstellungen möglich. So zeigt die Kamera Kane auch mal von unten, um ihn besonders mächtig erscheinen zu lassen, in Phasen der Verzweiflung dann aber in der Draufsicht. Die Arbeit mit der neuartigen deep focus technology ermöglichte es Personen und Gegenstände in unterschiedlicher Enfernung gleich scharf darzustellen, wodurch Gespräche im Film natürlich und ohne ständige Gegenschüsse funktionierten.

Den Einfluss den Citizen Kane damit auf die Filmwelt hatte lässt sich nicht stark genug betonen. Nach Citizen Kane wurden Filme schlichtweg anders gemacht.

Licht, Schatten und Spiegelungen. Auch visuell war Citizen Kane ein Meilenstein. (Bild: Screenshot/M94.5)

All das muss man nicht wissen um den Film zu genießen, denn Citizen Kane besticht durch großartige Bilder und eine spannende Story. Daneben behandelt der Film auch das zeitlose Thema der Macht der Medien, besitzt einen Hauptcharakter der wirkllich larger than life ist und den vermutlich auch nur Orson Welles so großartig spielen konnte. Als Zuschauer will man einfach wissen, wer dieser Charles Foster Kane wirklich ist und was ihn antreibt. Ob dabei Rosebud der Schlüssel ist oder ob es sich nur um ein fehlendes Stück eines größeren Puzzles handelt – das muss jeder selbst heraus finden.

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