Platte des Monats: Januar '26
Mon Rovîa – Bloodline
Mit seinem Debutalbum “Bloodline” verarbeitet Mon Rovîa den Schmerz, der mit seinen Lebenserfahrungen in den USA und Liberia verbunden ist.
Singer-Songwriter Mon Rovîa ist in Liberia geboren, während des langjährigen Bürgerkriegs, wurde er als Junge von einer amerikanischen Familie adoptiert und wuchs danach in den Appalachen auf. Sein Geburtsland verlies ihn aber nie komplett, so ist sein Künstlername abgeleitet von der Hauptstadt Liberias Monrovia. Anfänglich veröffentlichte er melodische Rap Musik und Bedroom Pop. Dies tat er, weil er sich als schwarzer Musiker auf diese Genres eingeschränkt fühlte. Nach der Ermutigung eines Freundes fing er an Akustik Videos auf TikTok hochzuladen. Die Videos fanden die richtigen Personen und er wagte es zu dem Genre zu wechseln, in dem er sich wohler fühlte. Seine Musik bezeichnet er als Afro-Appalachian-Folk.
Ein Leben, zwei Heimaten
Auf “Bloodline” zeigt sich sein Talent als Singer Songwriter. Durch das ganze Album zieht sich ein roter Faden, der Erfahrungen von seinem Leben in Liberia und den USA mit der Geschichte dieser Ort verbindet.
Der Anfang des Albums ist von zarten introspektiven Songs geprägt. In Songs wie “Pray the Devil back to Hell”, benannt nach einem gleichnamigen Dokumentationsfilm, ehrt er die liberischen Frauen, die zu dem Ende des Bürgerkriegs beitrugen.
Geister der Vergangenheit
Mit “Whose Face Am I” nimmt Mon Rovîa eine persönlichere Perspektive ein. Textlich handelt der Song von seinen Gefühlen gegenüber seiner biologischen Familie, mit der er nicht aufwachsen konnte. Seine Mutter die bereits verstorben ist. Seinem Vater den er nie kennenlernte. Der Song beginnt mit einer Sprachnachricht seiner Schwester, in der sie ihm von eben diesem Vater erzählt. Begleitet wird dieser Text von einem minimalistischen Instrumental und sanftem Gesang, was das Gewicht des Songes untermahlt.
Aber auch seine Lebensgeschichte in den USA wird in einigen Songs aufgegriffen. “Somewhere down in Georgia” wirft einen kritischen Blick auf die Romantisierung der Südstaaten in den USA. Der Text hebt die gewaltvolle Geschichte hervor, die bis heute noch nicht genügend aufgearbeitet wurde. Passend dazu klingt der Song heimgesucht, mit einer bemerkenswerten stimmlichen Performance.
Zuversicht trotz allem
Der Bekannteste Songs des Albums ist “Heavy Foot”. Auch in diesem Lied werden die Missstände unserer Welt angesprochen. Trotz der ernsten Probleme, die in den Versen erwähnt werden, durchzieht der Song ein optimistischer Faden, der im Refrain deutlich wird. Nächstenliebe und Zusammenhalt können uns durch harte Zeiten helfen und uns stärker machen.
Mon Rovîa spricht über schwere Themen und Gewalt, aber das Album ist von Zuversicht und einer Zaghaftigkeit getragen, die einem Erlauben sich auf einer emotionalen Ebene mit den Thematiken der Songs aus einander zu setzen. Auf seinem Debut-Album schafft es Mon Rovîa zu verbinden. Zum einen seine Erfahrungen in Liberia mit denen in den USA, sowie die Zuhörer*innen mit ihm.
Bloodline ist am 09. Januar 2026 über Nettwork Music Group erschienen.