Tipps für die kalten Monate

Weniger heizen- was jetzt?

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Die kalte Jahreszeit rückt jeden Tag ein Stückchen näher – und damit häufen sich die Horrorszenarien darüber, was da auf uns zu kommt im nächsten Winter: Weniger heizen, kürzer duschen und sparen, wo es geht. Aber was bedeutet das wirklich für uns, unsere Gesundheit und unsere Wohnungen? Sollten wir noch mehr beachten als unsere Thermostate und Heizkostenabrechnungen? Und wie können wir Schimmel vermeiden?

🏛 Die Politik: Der Hintergrund

Zum 1. September hat die Bundesregierung neue Vorschriften zum Energiesparen verabschiedet. Zentrales Thema ist das Heizen: Mieter*innen sind nicht mehr an eine gesetzliche Mindesttemperatur gebunden und öffentliche Gebäude, Schulen und Universitäten dürfen nur noch bis 19 °C beheizt werden – anstelle der vorherigen 20 °C. So könnten zwischen 4-5% Energie eingespart werden.

🔬 Die Wissenschaft: Die gesundheitlichen Folgen

Sind die angepeilten 19 °C Raumtemperatur unbedenklich für unsere Gesundheit und was bedeuten sie für unseren Wohnraum? Hannah Schillok ist dieser Frage nachgegangen.

Sehr intuitiv: Weniger heizen bedeutet kältere Räume. Laut Umweltbundesamt liegt die Wohlfühltemperatur für den Menschen zwischen 20-22 °C. Die jetzt geforderten 19 °C sieht das Bundesamt als Untergrenze an, die aus gesundheitlicher Sicht nicht unterschritten werden sollte. Die WHO sieht sogar 18 °C noch als sicher an. Abhängig davon, wie viel (oder wenig) Ihr Euch im betroffenen Raum bewegt, könntet Ihr also leichter frieren, was automatisch Euer Risiko für Erkältungskrankheiten erhöht.

Ein Eimer Wasser – so viel produziert ein 3-köpfiger Haushalt an Wasserdampf pro Tag.

Wer weniger heizt, verändert aber auch die Raumfeuchte in seinen Vier-Wänden. Denn kältere Luft kann weniger Feuchte aufnehmen als wärmere. Wenn die Raumtemperatur sinkt, steigt also die relative Luftfeuchtigkeit im Innenraum an – und das begünstigt Schimmelbefall.

Dr. Heinz-Jörn Moriske, Umweltwissenschaftler, ehemaliger Leiter der Innenraum-Lufthygiene-Kommission und Innenraumhygieneexperte am Umweltbundesamt, berät Politik und Öffentlichkeit in Sachen Innenraumlufthygiene.

Bei Schimmel können dann auch Erkrankungen bei den Bewohnern und Bewohnerinnen entstehen- Asthmatikerinnen, Allergikerinnen, die dann verstärkte Symptome bekommen.

Dr. Heinz-Jörn Moriske, früherer Leiter der Innenraum-Lufthygiene-Kommission und Innenraumhygieneexperte am Umweltbundesamt

🧫 Die Physik: Wie entsteht Schimmel?

Schimmelbefall entsteht bei zu hoher Luftfeuchte und zwar dort, wo die überschüssige Feuchtigkeit aus der Luft kondensiert – das sind vor allem kühle Oberflächen, wie z.B. Außenwände und Flächen hinter großen Möbelstücken, wie Schränken oder Betten. 

Und Feuchtigkeit wird regelmäßig produziert – als Wasserdampft durch uns selbst, jeden Tag, jede Minute, die wir in unseren Wohnungen verbringen. Dieser Wasserdampf muss abtransportiert werden. Zum einem funktioniert das über das Heizen – und vor allem über das Lüften.

“Man muss die sonstigen hygienischen Rahmenbedingungen schon beachten, d.h. z.B. dass die relative Raumluftfeucht nicht zu hoch ist. Dann ist da kein zu großes Schadenspotential zu erwarten. In einzelnen Wohnungen sicher, aber die werden dann auch beim normalen Beheizen eher problematisch sein.”

Prof. Dipl.-Ing. Matthias Zöller. Leiter des Aachener Instituts für Bauschadenforschung

Übrigens: Auch bei wärmeren Raumtemperaturen ist Lüften wichtig, bei kühlerer Raumluft aber umso mehr – denn hier sind die Wassermengen größer, die abtransportiert werden müssen. Das heißt, kurz überwinden und Fenster auf – auch wenn’s dann mal kurzfristig noch etwas kühler ist.

 In dem Moment, wo Sie aber noch weiter runtergehen, 18°C, 17°C – da werden die Leute in den Wohnungen sicher Schimmel bekommen. Da müssten sie mehrere Stunden am Tag lüften und das ist total unzweckmäßig, weil man im Winter immer lüften und heizen muss.

Dr. Heinz-Jörn Moriske, früherer Leiter der Innenraum-Lufthygiene-Kommission und Innenraumhygieneexperte am Umweltbundesamt

✔️ Tipps: Wie Ihr Schimmel vermeidet

Schimmel entsteht bei zu hoher Luftfeuchte – wir haben für euch Tipps gesammelt, wie es gar nicht dazu kommt.
  • Regelmäßig kurzzeitig Lüften: Morgens und abends kurzzeitig Stoßlüften, jeweils 3-5 Minuten mit weit geöffneten Fenstern
  • Bei Wasserdampf: Sofort nach draußen lüften (z.B. nach dem Kochen, Duschen oder nach dem Schlafen)
  • Kipplüftung vermeiden: Schafft kaum Abtransport von Feuchte und führt zu größerem Wärmeverlust als kurzes Stoßlüften.
  • Zimmer richtig einrichten: Keine großen Gegenstände unmittelbar an kalte Außenwände stellen, um die Luftzirkulation dahinter sicherzustellen (Mindestabstand: 3-5 cm), vor allem in Altbauwohnungen
  • Hygrometer besorgen und Luftfeuchtigkeit im Blick behalten: Ein Hygrometer misst die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. 50% relative Luftfeuchte gelten als Normwert und gleichzeitig Obergrenze. Im Winter sind die Werte meist niedriger. Ab 60% solltet Ihr auf jeden Fall vermehrt wenige Minuten lüften (Stoßlüften!).

❗ To Dos: Wenn ihr schon Schimmel habt

  • Bei kleinen Flächen: Einen mit Ethanol getränkten Lappen auf die betroffene Stelle legen und oberflächlich abwischen. Lappen entsorgen und dabei lüften.
  • Bei großflächigem Befall: Selbe Vorgehensweise für kurzfristigen Erfolg; trotzdem: Vermieter kontaktieren, potentielle bauliche Mängel abklären und professionell sanieren lassen!