Platte des Monats: August 2020

Eyedress – Let’s Skip To The Wedding

/ / Bild: Lex Records

Liebe, Einsamkeit, Skateboarding… mit diesen und dutzenden anderen Themen beschäftigt sich der Philippinische Künstler Eyedress auf unserer Platte des Monats Let’s Skip to the Wedding, ohne dabei ins absurde abzurutschen.

Um zu merken, dass Eyedress ein Kind des Internets ist, muss man nicht mal seine Musik gehört haben. Es reicht ein Blick auf seine Bandcamp-Seite und die dort angegebene Kurzzusammenfassung seines neuen Albums: „My next album is for everyone who wants to be in a serious relationship, real simp shit“. Sowohl die knackige Kürze dieser Nachricht, die mehr an einen Tweet als an einen Albumteaser erinnert, als auch die Verwendung des Meme-Wortes „simp“ schreien geradezu nach „digital native“. 

Von MySpace zum Plattenvertrag

Tatsächlich startete Eyedress, der eigentlich Idris Vicuña heißt und 1990 in Makati auf den Philippinen geboren wurde, seine musikalische Karriere auf MySpace. Dort lernet er 2005 die anderen Mitglieder seiner ersten Band „Bee Eyes“ kennen, bei denen er zunächst an den Drums saß und später dann Frontsänger und Songwriter wurde. Und auch den Anfang seiner Solo-Karriere verdankt Eyedress der Propaganda über das Netz: Als die Band sich nach einigen Jahren aufzulösen drohte, begann Vacuna sich auf sein Soloprojekt zu konzentrieren und brachte 2013 mit Hearing Colors seine erste eigene Platte raus. Diese wurde von unzähligen Blogs weltweit gelobt, weshalb XL Recordings auf den jungen Künstler aufmerksam wurde und ihn kurzerhand bei ihrem Sublabel Abeano unter Vertrag nahm.  

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Eyedress – „Jealous“

Mit Let’s Skip tot he Wedding bringt Eyedress sein mittlerweile fünftes Studioalbum auf den Markt. Da die Partnerschaft mit XL Recordings nicht lange anhielt, ist es bereits die dritte Veröffentlichung unter dem Londoner Indie-Label Lex Records, welches schon für den Vertrieb der beiden vorherigen Platten, Manila Ice und Sensitive G verantwortlich war. Und auch musikalisch bleibt Eyedress sich treu und bedient weiterhin eine kleine Nische zwischen Bedroom-Pop und Darkwave.

Nischig Cool

So klingt z.B. der Track „Jealous“ in etwa so, als hätte sich Robert Smith von The Cure mit Mac DeMarco zusammengetan, um im Schlafzimmer einen traurigen Indie-Banger aufzunehmen. Und der zweite Song auf dem Album, „Skateboarding Game“, kommt sehr nah an die Vorstellung der Musik von Ariel Pink heran, wenn dieser im Skatepark aufgewachsen wäre. Die größten Unterschiede zu Vicuñas‘ früheren Werken sind dabei sicherlich in den Texten zu finden: Da es sich bei  Let’s Skip to the Wedding um das erste Album seit seinem Umzug von Manila nach Los Angeles handelt, sind die Lyrics von Themen wie Einsamkeit und den Herausforderungen des Lebens in einer neuen Stadt geprägt. Im Vordergrund steht aber doch das Überthema Liebe, welches besonders in Verbindung mit der bevorstehenden Vaterschaft Vicuñas’ im Album vermittelt wird.  

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Eyedress – „Kiss Me Like It’s The First Time“

Reife Lyrics

Mit Let’s Skip to the Wedding verändert Eydress zwar nicht viel an seinem gewohnten Stil, zeigt aber doch besonders in seinen Texten, dass er in den letzten Jahren an Reife und Erfahrungen dazu gewonnen hat. Dabei gelingt es ihm mühelos, erwachsene Thematiken wir Fremdheit und die Geburt des ersten Kindes mit verspieltem Indie zu verbinden, ohne den Songs ihre Tiefe zu nehmen. Und auch wenn er dieses Leben als „Grown-Up“ zwar noch als „Simp shit“ bezeichnet, ist aus dem Jungen von MySpace ein relevanter Künstler geworden.  

Eyedress – Let’s Skip to the Wedding ist am 7. August über Lex Records erschienen