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Annika Kemmeter im Interview

/ / Foto: Isabel Brühl

Bei einem Spaziergang am Rhein findet Autorin Annika Kemmeter eine Flaschenpost, die sie auf eine Romanidee bringt. Im Interview mit M94.5-Reporterin Janina Rohleder hat sie über das Leben als Autorin in Zeiten von Corona, die männliche Ich-Perspektive und die Romantik von Flaschenposten gesprochen.

Annika, du hast am 23. März deinen Debütroman Die letzte Flaschenpost veröffentlicht. Da gab es ja schon die Ausgangsbeschränkungen etc. Konntest du trotzdem ein bisschen feiern? Wie war das, in so einer Zeit einen Roman herauszubringen?

Ja, feiern konnte ich mit der Familie. Wir sind insgesamt zu siebt, da kam schon ein bisschen Feierstimmung auf. Wir haben Kuchen gebacken, Sekt getrunken und getanzt. Aber es waren auch viele Lesungen geplant, hier in der Umgebung, die wurden alle erstmal auf ungewisse Zeit verschoben. Das ist total traurig, finde ich. Die Bücher liegen jetzt zwar in den Schaufenstern aus, aber finden nicht das Publikum. Viele Freunde, Verwandte und Bekannte haben das Buch schon bestellt, aber ich erreiche nicht die Leute, die mich noch nicht kennen.

Das Publikum, das dann bei Lesungen gekommen wäre und so auf die aufmerksam geworden wäre fällt damit weg, oder?

Ja genau, aber auch Leute, die in der Buchhandlung einfach ein bisschen stöbern oder die sich beraten lassen. Ich glaube die Leute lesen jetzt sehr viel in der Krise – ich auch – aber man bestellt, glaube ich, eher Bücher, die man schon immer mal lesen wollte oder Bücher von Autoren, die man schon kennt und wo man weiß, die taugen mir. Aber als Debütautorin ist es momentan sehr schwierig. Es war wirklich genau am Anfang der Krise, als das Buch rausgekommen ist.

Du kommst ja von der Autor*innengruppe Prosathek, die du mitbegründet hast und wo du auch schon sehr viel geschrieben hast, aber vor allem Kurzgeschichten. Seit wann schlummert denn die Idee in dir, einen Roman zu schreiben?

Eigentlich schon seit ich ein Kind bin. Ich wollte als Kind unbedingt Romane beziehungsweise Kinderbücher schreiben. Die letzte Flaschenpost ist auch gar nicht mein erster Roman, den ich geschrieben habe, sondern nur der erste, den ich veröffentlicht habe. Die anderen schlummern noch in der Schublade und haben das Licht der Öffentlichkeit noch nicht erblickt.

Für die Recherche ihres Romans hat Annika Kemmeter einen Roadtrip unternommen, unter anderem nach Straßburg. Foto: Annika Kemmeter

Dein Roman spielt am Rhein und erzählt die Geschichte eines Dichters, der sein letztes Werk in Flaschenposten in den Fluss wirft bevor er stirbt. Seine Enkelin Angelina und der Kunstgeschichtestudent Janis machen sich dann auf die Reise, um seine Gedichte zu retten. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Wir sind aus München nach Mainz direkt an den Rhein gezogen und ich bin mit meinem zweiten Kind im Kinderwagen jeden Tag den Rhein hoch und runter gelaufen und da habe ich eine Flaschenpost gefunden. Das fand ich total toll, weil ich wirklich immer geguckt habe, ob ich da was sehe (lacht) und dann habe ich tatsächlich mal eine gefunden. Die ist nur 500 Meter weit geschwommen, aber das hat mich einfach gepackt und da hatte ich richtig Lust darüber zu schreiben.

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Janis geschrieben. Findest du es schwierig als Frau aus der Sicht eines Mannes zu schreiben? Oder spielt das keine Rolle?

Oh doch, das war schwierig. Was ich nämlich hasse, sind Bücher aus einer männlichen Perspektive, die von einer Frau geschrieben sind und bei denen man sich beim Lesen denkt: Das klingt aber nach einer Frau. Ich habe jedes Mal, wenn ich nochmal drübergelesen habe, darüber nachgedacht, ob man jetzt merkt, dass ich eine weibliche Autorin bin. Ich habe dann alle Stellen mit „er fühlte, dass“, mit „er dachte, dass“ ersetzt und dann klang es für mich männlicher. Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist, dass Männer rationaler sind als Frauen, aber ich fand, dass es beim Lesen dann authentischer und männlicher klang.

Neugierig geworden? Eine ausführliche Kritik zu Die letzte Flaschenpost von Annika Kemmeter gibt es hier.