M94.5 Kulturkritik

Malen wie Monet

/ / Bild: Amelie Starke

Ein längst vergessen geglaubter Gutschein für einen Malkurs führt unsere Autorin auf die Website von ArtNight. „Malen wie Monet“ verspricht die Überschrift ihres ausgewählten Kursprogramms. Ob das klappt und wie die Erfahrung im Online-Kunstkurs war, berichtet sie hier.

Ein längst vergessener und schon eingestaubter Gutschein für einen Kunstabend in München, den ich irgendwann einmal zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, führt mich auf die Website von ArtNight.„Malen wie Monet“ steht dort groß in einer der Überschriften. Würde ich gerne können, denke ich mir. Drei Klicks weiter und schon ist der Gutschein eingelöst. Ich habe eine Live ArtNight gebucht, über Zoom, in einer Woche soll es schon los gehen. Mein nächster Gedanke: Ich brauche Acrylfarbe, Pinsel und eine Leinwand.

Immer noch live, nur online

Während sich draußen das Leben langsam wieder an neu gewonnene Freiheiten anpasst und sich ein neues Normal immer mehr in unserem Alltag verfestigt, so müssen wir leider immer noch auf viele unserer gewohnte Kultur- und Freizeitmöglichkeiten in München verzichten. Währen ArtNight vor Corona vorwiegend Kunstabende in Cafés und Bars in München abgehalten hat, so haben sie, wie viele andere Unternehmen und Institutionen auch, ihr Angebot online ausgeweitet.

Anstatt mit bis zu 25 Teilnehmer vor Ort ein Kunstwerk nachzumalen, malt jeder bei ArtNight Live jetzt von zu Hause aus und folgt den Anweisungen der Künstlerin oder des Künstlers Schritt für Schritt via Zoom. Auf der Website kann man sich das gewünschte Motiv und den passenden Termin dazu auswählen und buchen. Das Ziel dabei: Den interaktiven Spaß am Malen wie bei einer live ArtNight vor Ort beizubehalten. Man kann über Zoom also nicht nur mit den Künstler*innen in Austausch treten, sondern sich auch jederzeit mit den weiteren Teilnehmenden unterhalten. Alles findet wie gewohnt live statt, nur eben online.

Die Vorbereitungen

Bei einer regulären ArtNight stehen bereits Leinwand und Farben bereit, während ich für meine Online ArtNight erst einmal das nötige Material noch besorgen muss. Bei meinem gewählten Bild von Monet wird Acrylfarbe empfohlen, jedoch muss man diese nicht extra besorgen und kann auch das Bild mit anderen Farben, welche man bereits zu Hause hat, nachmalen. Aus dem letzten Eck meines Kleiderschranks ziehe ich noch meine alten Farben aus dem Kunstunterricht aus Schulzeiten hervor, eine Leinwand habe ich sogar noch im Keller, das wäre also erledigt.

Das Kunstatelier im eigenen Wohnzimmer. (Bild:Amelie Starke)

Mit einer Staffelei kann ich leider nicht dienen, also baue ich die Ecke meines Wohnzimmers mit der großen Kommode kurzerhand zu einem kleinen Kunstatelier um, irgendwie gemütlich. Ein bisschen Eigeninitiative und Kreativität ist also schon vor dem eigentlichen Malen gefragt. Es ist 18:00 Uhr an einem Dienstagabend und ich wähle mich über den Zoom-Link in meine ArtNight ein. Ein bisschen aufregend ist es schon, denn ich habe schon lange nicht mehr zum Pinsel gegriffen, das letzte Mal im Kunstunterricht der Oberstufe. 

„Einfach drauf los malen“

Im Zoom begrüßt mich direkt das freundliche Gesicht von Tamara, die Künstlerin für den heutigen Abend. Sie führt uns in den nächsten zwei Stunden Schritt für Schritt an das Malen von Seerosen heran, nach Vorlage des Impressionisten Claude Monet. Wir sind insgesamt 10 Frauen, alle zwischen 20 und 60 Jahre alt. Ein bunter Haufen von München über Leipzig bis nach Berlin. Viele malen regelmäßig online zusammen und begrüßen herzlich die Neulinge in der Gruppe. Die anfängliche Skepsis, ob so ein Kunstabend mit fremden Personen über Zoom wirklich so interaktiv und persönlich sein kann, wie auf der Website versprochen, ist verflogen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht es auch schon los. Pinsel und Farbe stehen bereit und Tamara beginnt auf ihrer Leinwand mit dem Hintergrund und der Grundierung des Bilds. Dabei erklärt sie ihre Technik und führt ihr Bild immer wieder nah an die Kamera heran, damit man ihre Ausführungen genau beobachten kann. Während der folgenden Schritte spricht Tamara auch über den Impressionismus, Monet als Künstler selbst und gibt uns eine Einführung in die Grundlagen der Farblehre. Während viele der Teilnehmerinnen, wie auch ich, anfangs zögerlich mit den Farben hantieren, so motiviert uns Tamara: „Einfach drauf los malen, dann bekommt ihr schon ein Gefühl für die Farben“. 

Der erste Versuch das besagte „Gefühl für die Farben“ zu entwickeln. (Bild: Amelie Starke)

Kein Monet, aber Seerosen

Zwischendurch halten wir unsere Leinwände in die Kamera und Tamara hilft bei Fragen und Problemen. Ab und zu lachen wir auch über das, was wir da malen. Vor allem als wir beginnen zu bemerken, dass das, was dort auf unserer Leinwand allmählich entsteht, doch weniger Ähnlichkeit mit Monet hat, als zuerst erhofft. Egal, wir loben uns trotzdem gegenseitig wie toll unsere Bilder doch aussehen und malen motiviert weiter. Es geht mehr um die Technik, eine Einführung in die Art des Malens wie Monet. Trotzdem, Seerosen sind es, auch wenn nicht exakt wie die von Monet. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und auch wenn am Ende nicht jede mit ihrem Werk so zufrieden ist wie erhofft, Spaß hat es uns trotzdem gemacht.

Kein Monet, aber so etwas wie Seerosen lassen sich allmählich erkennen. (Bild:Amelie Starke)

Das Chaos danach

Zum Ende machen wir noch ein Gruppenfoto, danach verabschieden sich alle. Was übrig bleibt? Ein Seerosen ähnliches Bild und das Chaos in meinem Wohnzimmer. Ich habe es geschafft die Farbe von der Kommode bis an meine Wand zu bringen. Trotzdem, es war ein schöner Abend. Obgleich ich mir Tamara für ihre Tipps zeitweise persönlich neben mich gewünscht hätte, das Gesamterlebnis war überraschenderweise persönlicher und interaktiver als zuvor erwartet. Zwischen 19€-29€ kostet eine vergleichbare ArtNight online, abhängig von dem gewählten Motiv. Eine Empfehlung für Anfänger: Je abstrakter das gewählte Motiv desto einfach die Umsetzung. So kann wirklich jeder zu einem/ einer kleinen Künstler*in werden.