KONZERTREVIEW
If heaven exists, it might be a Giant Rooks concert
Die Band Giant Rooks zieht die Crowd vom ersten bis zum letzten Song in den Bann. Mit einer unverwechselbaren Stimme und einer beeindruckenden Stage-Präsenz verwandelte die Band am 9. Oktober das Münchener Zenith in einen Ort voller Energie und Emotionen.
Wenn Frontmann Fred Rabe eine Bühne betritt, dauert es nicht lange, bis sich seine Energie auf den gesamten Raum überträgt. Durch eine mitreißende Präsenz und eine Energie, die mühelos bis in die letzten Reihen des Zeniths reicht, begeisterte der Frontmann die Münchener Crowd. Mal mit Gitarre, mal am Klavier, dann wieder mit Tamburin oder einfach nur mit Mikrofon: Rabe hat ein Talent, zwischen den Instrumenten keinen Moment an Intensität zu verlieren. Dabei ist es nicht nur seine Energie, die beeindruckt, sondern auch diese einzigartige Stimme, die viele spätestens durch das Cover von “Tom’s Diner” mit AnnenMayKantereit kennen dürften. Diese unverkennbare Stimme entfaltet ihre ganze Wirkung vor allem in den Songs der Band, denen Fred Rabe live eine ganz eigene Tiefe verleiht.
ZWISCHEN BEKANNTEN HITS UND NEUHEITEN
Direkt startete die Band mit der neuen Single “The Better Life”. Doch auch hier konnte die Crowd textsicher mitsingen. Giant Rooks machen bereits seit mehreren Jahren gemeinsam Musik. Entsprechend groß ist mittlerweile die Auswahl an Singles, EPs und Alben und damit auch die Herausforderung, all die Songs unter einen Hut zu bekommen – so sagte Fred Rabe dies selbst auf der Bühne. Dass dabei nicht jeder Liebling auf der Setlist landen kann, liegt auf der Hand. Ganz nach dem Prinzip von Harry Styles oder Taylor Swift gab es auch in München einen Surprise Song mit einem weiteren Surprise obendrauf. Mit “For You” vom letzten Album “How Have You Been” bescherte die Band dem Publikum einen besonderen Moment. Noch größer dürfte der Überraschungsmoment beim kurzen Cover von Oasis’ “Don’t Look Back in Anger” gewesen sein. Der Song fügte sich so selbstverständlich ein, als wäre er schon immer ein Teil des Sets gewesen. Gleichzeitig dürfte er die Vorfreude auf die Band aus Manchester, die nächstes Jahr nach München kommt, noch einmal gesteigert haben.
Doch nicht nur die Vergangenheit spielte an diesem Abend eine Rolle. Mit Blick auf das neue Album “IF HEAVEN EXISTS, THIS MIGHT BE IT”, das am 16. Oktober erscheint, gab es für Fans erste Kostproben. Neben bereits veröffentlichten Songs wie “The Waves” oder “The Big Night Out” präsentierte Giant Rooks auch unveröffentlichte Songs. Dadurch ist die Vorfreude auf das neue Album noch mehr gestiegen, um den gesamten Klang von “IF HEAVEN EXISTS, THIS MIGHT BE IT” hören zu können.
SCHLICHTE BÜHNE, GROSSE WIRKUNG IN AUSVERKAUFTE HALLE
Das Bühnenbild erinnerte teils an den letzten Auftritt im Münchener Zenith im Februar 2024. Es ist schlicht und ein Vorhang im Hintergrund wurde mithilfe von Beamern mit Videos bespielt. Gerade im Zenith, das bei Münchener Konzertfans nicht unbedingt als beliebteste Spielstätte gilt, funktioniert das Konzept hervorragend. Auch von weiter hinten ließ sich das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Noch näher kam die Band dem Publikum, als sie sich auf die Second-Stage begab und dort einen noch unveröffentlichten Song “Parachute” performte. Ein Moment, der den Abend zwischen Band und Crowd noch intimer machte.
Vor allem in der zweiten Hälfte des Konzerts nahm die visuelle Inszenierung noch einmal Fahrt auf. Laser und unterschiedliche Lichtelemente tauchten die Halle in wechselnde Atmosphären und unterstrichen die Dynamik der Songs. Auch das Publikum wurde immer dynamischer: Es wurde gesprungen, gesungen und die Musik gefühlt. Dazu kamen persönliche Einblicke: Videos aus den Kindheitstagen ließen die Band noch nahbarer werden.
SLOW DANCE (FOR A MINUTE)
Auch wenn “Slow Dance (For A Minute)” der Titel eines neuen Songs der Band ist, entspricht dieser Titel kaum der Zustand der Crowd. Die Verbindung zwischen Giant Rooks und dem Publikum passte einfach und das zeigte sich nicht nur in ruhigeren Momenten. Besonders bei “Wild Stare”, “New Estate” und dem abschließenden “Watershed” wurde deutlich, wie textsicher die Fans waren. Fred Rabe nahm diese Energie der Crowd und kostete sie nochmals aus. Bei den letzten beiden Songs suchte er nochmal die Nähe und diese magische Verbindung, die auf Konzerten zwischen Artist und Fans entsteht: Rabe sprang mitten in die Crowd und machte die Grenze zwischen Artist und Fans endgültig nebensächlich. Als zusätzlich das Konfetti durch die Luft wirbelte, bekam der Abend genau das große Finale, das er verdient hatte.
EIN GELUNGENER AUFTAKT
Bevor Giant Rooks an diesem Abend die Bühne betraten, sorgten Dreamboys – The Band als Voract für den passenden musikalischen Einstieg. Die vierköpfige Band begleitet die Tour bei insgesamt fünf Shows als Opener und nutzte auch in München die Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen. Mit ihrem Indie-Rock-Sound gelang es ihnen, die Münchener Crowd auf den Konzertabend einzustimmen und definitiv zu überzeugen.
Am Ende bleibt ein Konzert, das nicht allein von seiner Setlist lebt, sondern von Momenten zwischen Band und Fans, Überraschungen, persönlichen Einblicken und einem Frontmann, der weiß, wie man eine ganze Halle zum Tanzen und Springen bekommt. Mit ersten Einblicken in “IF HEAVEN EXISTS, THIS MIGHT BE IT” steigt zudem die Freude und Spannung auf das kommende Album am 16. Oktober 2026. München bekam an diesem Abend nicht nur Rückblicke auf die bisherige Bandgeschichte, sondern auch einen Vorgeschmack auf das nächste Kapitel.