Kabarettist Martin Frank im Interview

Humor oder Diskriminierung

/ / Bild: Agentur Zweigold

Das Thema Diskriminierung ist hochaktuell und in aller Munde. Doch wie soll man als Künstler in Zeiten der immer stärker geforderten „political correctness“ mit diesem Thema umgehen? Der Kabarettist Martin Frank war bei M94.5 zu Gast. Er erzählt, welche Formen der Diskriminierung er selbst schon erlebt hat.

Hast du in letzter Zeit auf der Bühne mit irgendeiner Form von Diskriminierung zu tun gehabt, die dich richtig bewegt hat?

Das Thema Diskriminierung ist momentan überall. Jeder fühlt sich diskriminiert. Man kann nichts mehr sagen und über nichts Witze machen, weil sich sofort jeder angegriffen fühlt. Ich habe zum Beispiel eine Nummer gespielt, in der es um Schwule ging, die nur dann Blut spenden dürfen, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten. Das finde ich sehr absurd und auch diskriminierend. Wenn also eine bestimmte Gruppe meiner Meinung nach diskriminiert wird, dann schreibe ich dazu gerne eine Nummer.

Hast du dich in der Rolle des Kabarettisten schon einmal selbst diskriminiert gefühlt?

Diskriminiert nicht, nur ein bisschen benachteiligt. Wenn bei einer Mixed-Show mit mehreren Künstlern auch Größen darunter sind, dann wirst du oft als Unbekannter belächelt. Aber diskriminiert wurde ich noch nie.

Hast du schon einmal nach einer Show negatives Feedback für einen Witz bekommen?

Ja, zu einer Nummer über das neue Organspendegesetz, das Jens Spahn auf den Weg bringen will. Demnach soll jeder grundsätzlich Organspender sein. Nach der Nummer kam ein älteres Paar auf mich zu und hat sich riesig über das Thema echauffiert. Aber in dem Witz ist eben meine Meinung enthalten. Die trifft dann eben mit den Meinungen der Zuschauer aufeinander. Damit muss man umgehen können. Es wäre ja langweilig, wenn jeder die gleich Meinung hätte. Mein Programm ist allgemein noch etwas zu weichgespült. Das möchte ich ändern. Ich kann nicht durch die Blume sprechen. Auf der Bühne sollte man direkt sein.

Wie schwer ist es gute Witze zu schreiben, ohne jemandem auf dem Schlips zu treten?

Ich will keine Witze über die äußere Erscheinung von Personen machen. Bei dem Aussehen oder bei menschenverachtenden Inhalten ist meine Grenze. Trotzdem ist meine persönliche Meinung in einem Gag enthalten. Bei 300 Zuschauer kannst du nicht jede einzelne Meinung vertreten. Jedem kannst du nie alles recht machen!

Hat sich das Verhalten des Publikums durch die mediale Aufmerksamkeit auf Bewegungen wie #metoo verändert?

Das Publikum ist auf jeden Fall empfindlicher geworden. Früher – ach, ich bin erst 26 Jahre alt, ich will eigentlich nicht von früher reden – aber da waren die Lacher herzlicher und lauter. Wenn ich heute einen politisch nicht ganz so korrekten Witz mache, kommen verhaltene Lacher. Themen wie #metoo, Emanzipation, Frauenparkplätze müssen angesprochen werden, aber man kann es auch übertreiben!