Betrug im Netz

Trügerisches Angebot

/ / Bild: M94.5 / Simon Fischer

Überall im Netz entstehen gerade neue Online Shops, die angeblich beispielsweise Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel noch auf Vorrat haben und schnell liefern können. Wer dort bestellt, merkt häufig schnell, dass sein Geld zwar vom Konto abgezogen wurde, die Produkte jedoch nie ankommen. Diese Nutzer sind Opfer eines Abzocke-Online Shops geworden. Doch wie können Verbraucher solche Shops erkennen und sich vor ihnen schützen? 

Wer einen neuen Online Shop entdeckt und überlegt, dort zu kaufen, sollte die Seite erst einmal einem Background-Check unterziehen. Die Informatikerin Inga Sertel hat viele Abzocke-Online Shops im Netz gesehen. Sie warnt: „Man sollte grundsätzlich immer vorsichtig sein, wenn einem eine Seite dubios vorkommt oder man in diesem Online Shop davor noch nie etwas bestellt hat“

Auf Fehlersuche gehen

Wenn einem Kunden ein Shop von Anfang an komisch vorkommt, dann sollte dieser am besten auf sein Bauchgefühl vertrauen und sich vor dem Kauf genau informieren. Häufig sind Abzocke-Shops schon daran zu erkennen, dass sie viele Rechtschreib- und Grammatikfehler aufweisen. Auch kopierte Bilder sind Anzeichen, die auf einen unechten Online Shop hinweisen können. Das zeigt sich zum Beispiel an der schlechten und verpixelten Qualität der Bilder. Auch wenn die Waren angeblich verfügbar und anders als auf allen anderen Seiten ausverkauft sind, ist dies ein möglicher Hinweis auf eine betrügerische Seite. Dies gilt derzeit vor allem für Hygieneartikel wie Desinfektionsmittel. 

Außerdem ist es ratsam, sich vor allem das Impressum ganz genau anzusehen. Wenn dieses vollkommen fehlt oder teilweise lückenhaft ist, weist das zusätzlich auf mögliche Abzocke hin. Ein korrektes Impressum muss den Namen eines Verantwortlichen und eine Adresse enthalten. Auch die Rechtsform der Firma muss angegeben sein, also zum Beispiel GmbH oder GbR. Zudem beinhaltet das Impressum mindestens eine Art der Kontaktmöglichkeit, also entweder eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Auch die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und (wenn vorhanden) die Handelsregisternummer werden im Impressum angegeben. Wenn wie beim folgenden Bild zum Beispiel nur ein Kontaktformular erscheint, wenn man auf „Impressum“ klickt, ist der Shop mit großer Wahrscheinlichkeit nicht echt.

Screenshot: Eccobiom Website / M94.5

Zudem sollten beim Kaufabschluss Bankdaten nur eingegeben werden, wenn die Seite https verschlüsselt ist – statt nur http. Dies ist in der URL der jeweiligen Seite zu erkennen. 

Screenshot: Vansauthentic Website / M94.5

Die Betrüger lernen dazu

Doch nicht alle der Abzocke-Shops sind so einfach zu entlarven. Die Betrüger werden immer erfindungsreicher und passen ihre Seiten dementsprechend an. Viele der Seiten weisen ansprechende Produktbilder, fehlerfreie Texte und ein vollständiges Impressum auf. Auch eine https zertifizierte verschlüsselte Datenübertragung wiegt den potentiellen Käufer in vermeintlicher Sicherheit.

Screenshot: Evenlife Website / M94.5
Dieser Shop scheint auf den ersten Blick „sauber“ zu sein. Allerdings finden sich in Internetforen viele Kund*innen, die angeben, ihre Ware nie erhalten zu haben.

Daher kann es nie schaden, sich als Verbraucher außerhalb des Shops über diesen zu informieren.

„Es ist immer gut, den Shop davor zu googeln. Ich schaue auch sehr gerne vor allem Bewertungen auf anderen Seiten an. Die Bewertungen auf der Shop-Seite könnten eventuell gekauft sein.“ 

Inga Sertel, Informatikerin 

Neben Google hilft auch die offizielle Handelsregister-Seite weiter. Die Handelsregisternummer kann einfach aus dem Impressum herauskopiert und im Handelsregister überprüft werden. Wenn die Nummer nicht gefunden werden kann, stimmt etwas nicht. Auch die im Impressum angegebene Umsatzsteuer-Identifikationsnummer kann auf ihre Echtheit überprüft werden, indem sie auf https://ust-id-pruefen.de/ eingeben wird. Zudem kann es helfen, die angegebene Telefonnummer anzurufen. Die Nummern sind bei Abzocke-Shops oft gar nicht vergeben. 

Achtung Datenfalle  

Den Betrügern, die hinter den Shops stecken, geht es hauptsächlich um Geld. Daher ist es möglich, dass nach dem Bezahlvorgang keine Ware ankommt und der Käufer das Geld nicht zurückbekommt. „Oft sind die Seiten so programmiert, dass man beim Bezahlen denkt, man sei auf seiner Bankseite oder auf der PayPal Seite – aber tatsächlich sieht die Seite nur so aus und ist nicht echt. Wenn man dann seine Bankdaten, Log-In Daten oder auch Amazon Daten eingibt, werden sie gespeichert und die Betrüger können vom Konto dann Geld abbuchen oder Sachen bestellen“, erklärt Inga Sertel. Wenn das passiert, hilft es nur noch, die Seite bei einer Polizeidienststelle anzuzeigen und die Karten oder Accounts sperren zu lassen.  

„Wenn möglich sollte man die aller erste Bestellung immer versuchen auf Rechnung zu bestellen. Das geht natürlich nicht immer, aber wenn es angeboten wird, sollte man es in Anspruch nehmen“ 

Inga Sertel, Informatikerin 

Bei einem Kauf auf Rechnung muss erst bezahlt werden, wenn die bestellte Ware auch angekommen ist. Das ist wohl die sicherste Möglichkeit der Bezahlung. Grundsätzlich ist es ein gutes Zeichen, wenn verschiedene Bezahlmöglichkeiten angegeben werden und nicht nur die Vorkasse. 

Was tun? Eine Zusammenfassung 

Als Käufer im Internet ist es generell ratsam, vorsichtig zu sein und lieber nichts zu bestellen, wenn der Online Shop einem merkwürdig vorkommt.  

Falls ein Kunde trotzdem auf einen unechten Shop hereingefallen ist, hilft die Seite des Landeskriminalamts Niedersachsen. Dort gibt es weitere Informationen dazu, wie am besten mit der jeweiligen Situation umgegangen werden sollte.