Zyklusapps

Drip’n’Drop

/ / Bild: Drip by Bloody Health Collective

Millionen von Frauen nutzen Apps, um ihren Zyklus zu tracken. Diese persönlichen Daten leiten die Anwendungen aber oft an Facebook weiter. Coderinnen aus Berlin wollen das mit ihrer App „Drip“ ändern.

„Für mich ist das ein digitales Ehrenamt“ , erzählt Coderin Marie Kochsiek über ihr Projekt. Was Marie Kochsiek mit digitalem Ehrenamt meint, ist die App „Drip“, die Marie mit vier anderen Coderinnen selbst entwickelt hat.

Bild: Marie Dietze

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Die fünf Berlinerinnen haben sich zum Bloody Health Collective zusammengeschlossen, um gemeinsam eine Zyklustracking Anwendung auf den Markt zu bringen, die die Daten ihrer User nicht weitergibt.

„Drip“ ist ein Open-Source Projekt und komplett kostenlos. Die App arbeitet offline.

Bild: Drip by Bloody Health Collective

Zyklus-Tracking-Apps senden Daten an Facebook

Die Zyklus-Apps, die bisher auf dem Markt sind, gehen das Thema Datensicherheit anders an. Privacy International, eine international tätige Menschenrechtsorganisation aus England, hat 36 Zyklustracking-Apps getestet. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 61 Prozent der getesteten Applikationen übertragen die Daten automatisch an Facebook, allein das Öffnen der App genügt dafür. Dabei ist es komplett egal, ob der User gerade bei Facebook eingeloggt ist oder überhaupt einen Account bei der Plattform hat. Das funktioniert über sogenannte Facebook Business-Tools, die etwa als Like-Button in der App integriert sind und die Daten automatisch weiterleiten.

Bild: M94.5 / Vroni Kallinger

Eine Goldgrube für die Werbeindustrie

Daten aus Zyklustracking-Apps sind in der Werbebranche besonders begehrt: Werdende Eltern etwa sind plötzlich an ganz anderen Produkten interessiert als vorher. Genau deshalb sind Daten von schwangeren Frauen in der Werbebranche besonders begehrt. Zyklustracking-Apps etwa fragen ihre User auch, ob sie gerade die Pille neben, ob sie unter Kopfweh, Schwindel oder Fieber leiden, in welcher Stimmung sie sind. Denn zu wissen, wie sich Menschen fühlen, bedeutet auch, zu wissen, wie sie sich manipulieren lassen. Dieses Wissen ist essentiell, um Werbung perfekt auf User zu zuschneiden.

Auch Krankenkassen interessieren sich für die Daten

Auch für Krankenkassen sind die privaten Daten aus Zyklus-Apps spannend: „In den USA ist Gesundheitsförderung nicht öffentlich. Das könnte dazu führen, wenn ich oft ungeschützten Sex habe, dass ich dann von meiner Krankenversicherung schlechter eingestuft werde und höhere Beiträge zahlen muss.“, sieht Marie Kochsiek mögliche Folgen.

Auch Martin Eulitz von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern betont, die Sicherheit von Gesundheitsapps generell kritisch zu hinterfragen: „Wer finanziert diese App? Was steckt dahinter? Was passiert mit den Patientendaten? Der Patient muss die Hoheit haben.“, argumentiert Eulitz. User sollten bei solchen Anwendungen vorsichtig sein, welche Daten sie genau angeben.