K-Pop in den deutschen Medien

Deutschland hinkt mal wieder hinterher

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Wer regelmäßig auf Twitter oder in den YouTube-Trends unterwegs ist, wurde sehr wahrscheinlich schon mal mit dem Musik-Genre K-Pop – kurz für Korean Popular Music – konfrontiert. Scheinbar die ganze Welt lässt sich mit großer Begeisterung von der bunten koreanischen Welle mitreißen – nur Deutschland tut sich noch schwer.

In K-Pop-Musikvideos werden Rap, Gesang und beeindruckende Choreografien mit aufregenden Visuals kombiniert. Das südkoreanische Musik-Konzept geht auf und erfreut sich weltweit großer Beliebtheit. Doch dem riesen Hype steht auch viel Hate gegenüber.

NERVIGE K-POP-FANS IN 3…2…1

„Seelenlose Geldmaschinen“ oder „I am too old for this crap“ – lauter negative Vibes fluten die Kommentarspalte unter dem Instagram-Beitrag von @zdfheute. Der Grund: Das ZDF berichtet in einem neutralen Beitrag über den neuen YouTube-Rekord der südkoreanischen Boygroup BTS. Innerhalb von 24 Stunden hat ihr neuestes Musikvideo zu „Dynamite“ über 101,1 Millionen Aufrufe erzielt. Das scheint aber die Wenigsten zu interessieren, die auch sofort die Möglichkeit ergreifen, ihren Unmut zu äußern.

Woher kommt dieser ganze Hass? Hatespeech und Shitstorms sind trauriger Alltag im Netz – das ist keine Neuigkeit. Aber ein Blick auf die deutsche Berichterstattung über K-Pop verrät vielleicht, warum es so viele Vorurteile gegenüber der koreanischen Musikindustrie gibt.

KNEBELVERTRÄGE, SUIZIDE & TOXISCHE FANS

Die Darstellung von K-Pop in den deutschen Medien neigt dazu, sich auf die Schattenseiten der Industrie zu fokussieren. So auch beispielsweise der Beitrag von Simplicissimus, einem Info-Format des funk-Netzwerks. In einem zehn-minütigen YouTube-Video taucht der/die Zuschauer*in in die „düstere Welt von K-Pop” ein. Hier wird die “beängstigende, grausame Seite” der K-Pop-Industrie gezeigt. Es ist die Rede von “Knebelverträgen”, “toxischer Fankultur” und “Selbstmorden”. 

Ein eher positiv angehauchter Beitrag wie der Post von ZDFheute geht inmitten solcher negativ aufgeladener und dramatisierter Berichterstattung ziemlich unter. Auch wenn es Aspekte gibt, die an der K-Pop-Industrie anzuprangern sind, wird der ausschließliche Fokus auf die “dunklen Seiten” von K-Pop der Realität nicht gerecht. Natürlich gibt es auch toxische Fans – die machen aber nur einen winzigen Anteil des gesamten Fandoms aus. Suizidfälle kommen zwar auch vor, aber nicht nur in der K-Pop-Welt, sondern auch in westlichen Musikindustrien.

VIELSEITIG UND ABWECHLUNGSREICH

Was häufig zu kurz kommt: K-Pop-Fandoms sind divers, sie repräsentieren unterschiedliche Altersstufen, Kulturen und sexuelle Orientierungen und setzen sich gegen Unterdrückung und Rassismus ein. Bevor man Aussagen über weichgespülten Pop, seelenlose Tanzmaschinen und fanatische Fans für bare Münze nimmt, sollte man sich erstmal gründlich informieren. Dazu kann man Musikvideos schauen, sich näher mit den Songtexten auseinandersetzen und anhören, was Künstler*innen und Fans antreibt und verbindet. Wer weiß, ein unvoreingenommener Schritt könnte einen vielleicht in eine neue, aufregende Welt hineinführen.  

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