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Leben ohne Sex

Das Phänomen Asexualität ist noch weitgehend unerforscht
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Für die meisten Menschen gehört zu einer Liebesbeziehung auch sexuelle Anziehung. Warum Asexuelle anders empfinden, ist bislang nicht geklärt.

Kati ist 36 und lebt mit ihrem Freund in einer glücklichen Beziehung. Anders an Kati ist, dass ihr ein Verlangen nach Sex fehlt. Sie käme niemals von selbst auf die Idee, irgendwie Sex zu haben, wenn sie mit jemandem zusammen ist, meint Kati: „Von meinem Gefühl her, von meiner Identität, ist es ein Konzept, dass ich nicht verstehe“. Bis zu einem gewissen Alter sei es ja vollkommen natürlich, keine sexuelle Anziehung zu verspüren. Doch auch in der Pubertät blieb bei ihr das Interesse an Sex aus. Sie hielt sich für eine Spätzünderin.

Asexualität ist ein schwer definierbares Phänomen


Acht Jahre lang fragte sich Kati, was mit ihr los sei, bis sie im Internet auf Menschen traf, die sehr ähnlich empfanden. 2005 gründete sie dann die deutsche Internetplattform AVENde. Das Forum bietet die Möglichkeit, sich mit anderen Asexuellen auszutauschen. Schaut man sich dort um, fällt auf, dass Asexualität schwer abzugrenzen ist. „Wir auf AVENde würden sagen, dass Asexualität bedeutet, dass man eben keine sexuelle Anziehung empfindet“, erklärt Kati. Allerdings gibt es auch andere mögliche Definitionen: Dass man beispielsweise keinerlei sexuelle Erregung empfindet oder dass man schlicht keinen Sex hat. Kati aber würde Asexualität nicht als Verhalten definieren, denn - auch wenn sie Sex hätte - würde sie ihre asexuelle Identität nicht in Frage stellen. Einige Asexuelle masturbieren auch, sie empfinden nur keine sexuelle Anziehung zu einem Partner.

Asexualität als Herausforderung für die Wissenschaft

Für die Betroffenen ist Asexualität eine sexuelle Orientierung wie Homo- oder Heterosexualität. Jakob Pastötter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung schränkt ein, dass die Wissenschaft eher vorsichtig mit dem Begriff der sexuellen Orientierung umgeht, denn eine solche Definition bedeute eine sehr starke Ausschließlichkeit. Im Wesentlichen werde der Begriff nur für Hetero- und Homosexualität gebraucht. Weniger dominante sexuelle Ausrichtungen werden dann auch oft als stark ausgeprägte Neigungen eingeordnet. Eine genaue Abgrenzung von Asexualität scheint aufgrund der vielen Ausprägungen genauso schwierig zu sein, wie die Frage nach möglichen Ursachen. Für die Wissenschaft ist das Phänomen noch ein Rätsel. Jakob Pastötter erklärt, dass Asexualität noch zu neu sei. Insofern habe die Wissenschaft noch keine klare Vorstellung davon, woher Asexualität kommen könne.

Asexualität soll nicht bloß ein Begriff für Insider bleiben

Die Lustlosigkeit ist für Asexuelle nicht das Problem. Auch Kati ist als Asexuelle in ihrer Beziehung glücklich. Sie wünscht sich lediglich, dass der Begriff bekannter wird. Damit würde Asexuellen einerseits der Coming-out Prozess erleichtert und andererseits auch die Gestaltung einer Beziehung. Nachdem das Phänomen so wenig bekannt ist, fällt es nämlich nicht immer leicht, mit einem Partner über Asexualität zu sprechen. Eine gute erste Anlaufstelle, um sich Rat und Hilfe zu holen, ist mit AVENde jedenfalls geschaffen.
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