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Die Elektrokrampftherapie kann bei Depressionen und Schizophrenie helfen

Heilung durch Krampf

Quelle: fortinbras (www.flickr.com/photos/fortinbras)

Nineteenth Century photograph of electrostimulus experiment

In Hollywood-Filmen wirkt die Elektrokrampftherapie meistens gruselig. Dabei kann sie bei psychischen Erkrankungen durchaus hilfreich sein. In Hollywood-Filmen wirkt die Elektrokrampftherapie meistens gruselig. Dabei kann sie bei psychischen Erkrankungen durchaus hilfreich sein. Ein Interview mit dem Psychiater Dr. Felix Segmiller.

M94.5: Was ist die Elektrokrampftherapie?


Dr. Felix Segmiller: Die Elektrokrampftherapie ist ein gut erforschtes und seit Jahren eingesetztes Therapieverfahren - überwiegend zur Behandlung der therapieresistenten Depression und Schizophrenie -, das entgegen der Darstellung aus Hollywoodfilmen für den Patienten sehr angenehm abläuft. Die Psychiater kooperieren hier eng mit den Anästhesisten, damit der Patient während der Elektrokamptherapie in eine Narkose versetzt wird und von der Prozedur nichts mitbekommt und spürt.

Was passiert da genau, wenn die Patienten mit Strom am Kopf stimuliert werden und warum werden die Leute dabei verkabelt?

Durch die Therapie wird ein Krampfanfall ausgelöst. Die Verkabelung ist dazu da, mit dem Elektrokardiogramm (EKG) und Elektroenzephalogramm (EEG) diesen Krampfanfall zu überwachen.

Wie kann das funktionieren, dass Leute durch die Elektrokrampftherapie von ihrer Depression geheilt werden und was passiert im Gehirn?

Man muss sagen, dass man nicht sofort nach einer Sitzung geheilt ist, sondern man braucht mehrere Sitzungen. Was im Gehirn genau passiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass über dieses %u201EWachrütteln%u201C der ganzen Nervenzellen im Gehirn die Botenstoffe neu reguliert werden und sich alles neu aufbauen muss. So wird eine neue hormonelle Balance geschaffen. Bei der Depression ist diese Balance ja bekanntlich gestört.

Was sind die Nebenwirkungen der Elektrokrampftherapie?

Eine Nebenwirkung der EKT ist die Gedächtnisstörung, die aber in den meisten Fällen reversibel ist. Im Zuge des Krampfanfalls kann es auch zu einem Blutdruckanstieg kommen. Dies ist aber nicht dramatisch, weil die Anästhesisten auch dabei sind und das Ganze überwachen. In seltenen Fällen kann es auch passieren, dass man einen längeren Krampfanfall erleidet, aber auch das kann durch die Narkoseärzte angegangen werden.

Wie oft wird das Verfahren in Deutschland angewendet?

Leider ist es wirklich noch etwas Besonderes und es wird nur in sehr wenigen Kliniken angewendet %u2013 meistens nur in den Universitätskliniken. Das Verfahren ist nach wie vor sehr teuer und es gibt mehr Nachfrage als Plätze zur Verfügung stehen.

Bildquelle: fortinbras unter CC BY-NC-SA 2.0
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