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Genussmittel oder Mogelpackung?

Autor(en): Maria Stöhr am Sonntag, 22. September 2013
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Quelle: © Lukas(orarewedancer)
Lebensmittelskandale erschüttern das Vertrauen der Verbraucher. Das Veterinäramt kontrolliert deshalb die Hersteller.
 
Lebensmittelskandale à la Gammel-Döner oder Pferdefleisch-Lasagne geschehen beinahe in regelmäßigen Abständen. Da kann dem Verbraucher ordentlich der Appetit vergehen und das Vertrauen in die Qualität der Nahrungsmittel schwinden. Wer weiß schon, was als nächstes auf den Teller kommt? Aktuell ist kein neuer Skandal bekannt. Zeit also, um einmal nach dem Zustand der Lebensmittel-Qualität zu schauen. 
 
Überwachung durch die Amtliche Lebensmittelkontrolle
 
Verantwortlich für die Hygiene-Kontrollen in der Nahrungsmittelindustrie ist die „Amtliche Lebensmittelüberwachung“ der bayerischen Landkreise. Dabei sind die Veterinärämter für die vier großen Bereiche Futtermittelüberwachung, Tierschutz, Seuchenbekämpfung und Lebensmittelüberwachung zuständig. Dr. Ludwig Singer ist leitender Amtstierarzt in Memmingen und überprüft in regelmäßigen Kontrollbesuchen die Hygiene der Betriebe. Die Kontrollen sind umfassend:
 
"Wir kontrollieren anhand der baulichen Gegebenheiten und der Produktionshygiene. Wie geht das Personal mit den Lebensmitteln um? Wie werden diese verarbeitet, wie werden sie behandelt? Dann schauen wir nach der Personalhygiene. Außerdem interessiert uns, wie der Betrieb selbst aussieht: wird regelmäßig gereinigt? Gibt es irgendwelche Schmutzecken? Anschließend schauen wir dann die Dokumentation des Betriebes an. Wir machen quasi die „Kontrolle der Eigenkontrolle“ der Betriebe."
 
Im Gewerbe der Lebensmittelproduktion und –Verarbeitung muss genau dokumentiert werden. Das betrifft die Temperaturen in Kühl- und Gefrierlagern, die regelmäßige Reinigung der Räumlichkeiten, sowie die Buchführung über Lieferungen und Kühlketten. Die Kontrollen sind immer unangemeldet. So können die Kontrolleure ein realistisches Bild der Produktionsabläufe erhalten. 
 
Untersuchungen hinsichtlich Keim-Infizierung
 
Besonderes Augenmerk wird auf die Produkte selbst und ihre einwandfreie Hygiene geworfen. Mögliche Infizierungen durch Keime wie EHEC, Botulinus oder Salmonellen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen für den Endverbraucher haben. Liegt der Verdacht nahe, dass ein Lebensmittel nicht einwandfrei ist, werden Produktproben an das „Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit“ geschickt. Dr. Ludwig Singer:
 
„Dort wird das Lebensmittel mikrobiologisch und nach Rückständen untersucht. Wenn etwas zu beanstanden ist, bekommen wir Rückmeldung und eine Kostenrechnung, die dann dem Betrieb auferlegt wird. Das kann sehr teuer werden. Von 100 Euro  bis zu mehreren tausend Euro bei schwerwiegenden Fällen wie z.B. Schwermetallnachweise im Produkt.“
 
Konsequenzen für unzulässige Zustände im Betrieb
 
Bestrafung und Konsequenzen für den Betrieb bemessen sich an der Art der Beanstandung. Bei kleineren Verstößen wird dem Betrieb ein Bußgeld auferlegt. Große Beanstandungen sind einer St­raftat gleichzusetzen. In diesem Fall wird Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft übernimmt den Fall. Das kann die Schließung des Betriebs zur Folge haben, da die Verantwortlichkeit des Lebensmittelunterne­hmers nicht mehr sichergestellt ist. Unter anderem kann dem Produzenten die Konzession entzogen werden, Lebensmittel herzustellen und in den Verkehr zu bringen. 
 
Wie viel Vertrauen können die Verbraucher in die Qualitätsstandards der Lebensmittel haben? 
 
Dr. Ludwig Singer meint, dass in den letzten 20 bis 30 Jahren das Lebensmittelniveau stark gestiegen sei und die Verstöße sind weniger geworden sein. „Das schützt natürlich nicht vor schwarzen Schafen, die immer wieder versuchen, billiges Geld zu machen, indem sie veraltete oder schon abgelaufene Lebensmittel in den Verkehr bringen. Aber das Gros aller Lebensmittelhersteller arbeitet doch recht ordentlich, sodass man sagen kann, dass wir hier in Deutschland ein sehr hohes Niveau an Lebensmittelqualität haben.“ so Singer.
 
Es ist verständlich, dass die Verbraucher verunsichert sind. Dennoch: Die Skandale der Nahrungsmittelbranche sind auch ein Spiegelbild des Kaufverhaltens. Wenn nur das Argument des kleinsten Preises den Kauf eines Produktes entscheidet, dann muss der Endverbraucher mit neuen Skandalen rechnen. 
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