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Gemüse aus dem Weltraum

Autor(en): Elsbeth Föger am Sonntag, 11. Mai 2014
Quelle: © hermanturnip

Vielleicht kommen Tomaten bald aus dem All. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt plant einen galaktischen Gemüsegarten – mit Urin.

Es klingt wie etwas aus einem Science-Fiction-Film: Tomatenzucht im All. Statt auf der Wiese oder im Glashaus wächst Gemüse in Zukunft vielleicht schon bald im Weltraum – in 600 Kilometern Höhe. Zumindest, wenn es nach dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt geht. Eu: CROPIS heißt das neue Millionenprojekt. Wenn in zwei Jahren ein Satellit abhebt, werden auch zwei Gewächshäuser mit an Bord sein. In dem abgeschlossenen Ökosystem bekommen die Tomatenpflanzen alle Nährstoffe, die sie benötigen. Einen Gärtner braucht es keinen.

Trotzdem wird es in den ein Meter hohen Zylindern ganz schön rund gehen: Der Satellit, in dem sie sich befinden, soll sich nämlich wie ein Karussell ganz schnell drehen. So wird die Gravitation von Mond oder Mars künstlich erzeugt. Mit an Bord ist neben Wasser auch Harn. Bakterien betreiben in einem Biofilter ein praktisches Recycling: Das für Pflanzen giftige Ammoniak verwandeln sie in Nitrat – und produzieren so  Dünger. Klappt das nicht, ist die Alge Euglena zur Stelle: Sie produziert Sauerstoff und hilft  beim Abbau von Ammoniak. „Im Prinzip funktioniert das Ganze wie ein Aquarienfilter“, erklärt Experimentleiter Dr. Jens Hauslage. 32 Kameras sollen dabei stets ein Auge auf die keimenden Samen haben. Damit können Wissenschaftler auf der Erde überprüfen, ob und wie die Vitaminlieferanten wachsen.

Doch warum eigentlich Tomaten? Die Antwort ist banaler als erwartet: Die Sorte, die man eigens fürs Experiment gezüchtet hat, „ist klein und wächst schnell“, sagt Dr. Hauslage. Und: „Sie schmeckt gut.“ Prinzipiell ist also auch jede andere Gemüsesorte all-tauglich, sogar Algen. Ob sich der galaktische Gemüsegarten aber irgendwann durchsetzen wird, steht in den Sternen. Die Kombination von Urin und Tomaten schreckt viele anfangs wohl ab, vermutet Dr. Hauslage. Nur mit einem Umdenken im Kopf kann das klappen. „Schließlich schüttet der Bauer auch tonnenweise Gülle aufs Feld, was auch nicht besser ist. Und trotzdem kommt leckeres Gemüse dabei raus.“ Gesundheitsschädlich ist die Kost aus dem Weltraum sicher nicht, beruhigt Dr. Hauslage. Trotz der kosmischen Strahlung würden die Tomaten nicht selbst anfangen zu strahlen. „Im schlimmsten Fall hat man weniger Vitamine oder Nährstoffe“, so der Experte.

Eine verführerische Vorstellung – gerade, wenn man an Ernährungsprobleme auf der Erde denkt. Eignet sich der Weltraum etwa als ausgelagerte Anbaufläche? Dr. Hauslage ist skeptisch. Die eierlegende Wollmilchsau, die nebenbei die Welt rettet, kann das Projekt nicht sein. Erst sind noch weitere Forschungen vonnöten. Bei Erfolg wird man das Projekt wohl auf Weltraumhabitate wie Mond und Mars ausweiten. Aber auch auf der Erde bietet die Umwandlung von Urin in Dünger Anwendungsmöglichkeiten. Die Technik könnte etwa bei der Abwasserreinigung oder der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. In Bonn wandelt der Filter etwa schon Abfälle in Dünger um. Und die ISS-Weltraumfahrer freuen sich bestimmt jetzt schon. Sollte der Gemüseanbau klappen, steht statt fader Astronautenkost viel Tomatensalat auf dem Menüplan.

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