Amusie

Wenn nicht einmal Bobby McFerrin die Stimmung heben kann
Autor(en): Daniel Simon am Sonntag, 16. Juni 2013
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Quelle: © Ben Husmann

Farbenblindheit für die Ohren - das gibt es tatsächlich. Und die Betroffenen hören uns wahrscheinlich gar nicht erst zu.

Musik ist Leben. Es gibt Hymnen für das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Oder jedes Jahr aufs Neue einen Sommerhit. Den meisten von uns steckt noch das Lied, das die Eltern früher immer gespielt haben in den Knochen. Es gibt aber Menschen, für die klingt alle Musik genau gleich. Für sie gibt es keinen Sommerhit. Und kein Lieblingslied. Diese Menschen leiden unter Amusie - was das ist, erklärt Eckart Altenmüller, Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin in Hannover:

"Die Amusie ist eine Teilleistungsschwäche, bei der die Betroffenen die Musik nicht als schön und nicht als interessant wahrnehmen. Oft können sie sogar einfache Melodien oder einfache Rythmen überhaupt nicht unterscheiden. Sie sind sonst im Gehör vollkommen gesund, hören alles wie ein Gesunder - nur diese Musikwahrnehmung ist eben gestört."

Emotionale Gleichgültigkeit

Man kann Amusie mit Farbenblindheit vergleichen: Auch hier sind die Augen ja in Ordnung. Aber farbenblinde Menschen können trotzdem Freude an Bildern oder sogar am Malen haben. Dies ist bei Menschen mit Amusie anders: Ihnen ist Musik schlichtweg egal. Sie würden nie auf die Idee kommen, freiwillig auf ein Konzert zu gehen. Diese emotionale Gleichgültigkeit ist jedoch nicht nur auf die Musik beschränkt. Eckart Altenmüller:

"Es gibt Hinweise darauf, dass Amusie-Betroffene auch im gesamten sozialen/emotionalen Kontakt etwas eingeschränkt sind, und Schwierigkeiten haben zum Beispiel die Gefühle anderer Menschen zu lesen, Schwierigkeiten haben, die Mimik zu interpretieren und so im Sozialverhalten gelegentlich an Grenzen kommen. Ähnlich wie das bei einem Syndrom bekannt ist, das man als Asperger Syndrom bezeichnet."

Das Musikhören lernen

Das Asperger Syndrom ist eine Form von Autismus. Und so wird auch ein älterer Name für die Amusie verständlich: Seelentaubheit. Amusie kann angeboren sein: In diesem Fall ist sie auch genetisch vererbbar. Oder sie wird verursacht durch eine Schädigung des Gehirns.Ob Amusie überhaupt heilbar ist, weiß man bisher nicht:

"Bislang sind die Interventionsstudien, wo man versucht, durch vermehrten Musikunterricht, durch Hörtraining, durch spezifische auch musikalische Anregungen - da gibt es schon Versuche hier, die Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Was ich so gehört habe von den Kollegen, die sich damit befassen ist schon, dass es eigentlich schwer zu trainieren ist. Ähnlich wie eben Farbenblindheit, die auch nicht wirklich zu trainieren ist."

Schätzungen zufolge sind bis zu fünf Prozent der Bevölkerung von einer Amusie betroffen. Trotzdem ist Amusie als Krankheit wenig bekannt, denn die Betroffenen leiden selten darunter. Sie sind gesund und ihnen tut auch nichts weh: Amusie ist also keine Krankheit im klassischen Sinn. Natürlich ist für jeden, der bei seinen Lieblingsliedern lauthals mitsingt, die bloße Vorstellung unterträglich %u2013 denn stell dir vor, alle Musik klingt gleich.
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