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Patent auf das Perpetuum Mobile

Autor(en): Helena Eberl am Sonntag, 20. Oktober 2013
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Quelle: M94.5

Perpetuum Mobile

Ausgeschenktes Bier beweist im Vereinsheim, dass wissenschaftliche Vorträge nicht trocken sein müssen.

Ausgeschenktes Bier beweist im Vereinsheim, dass wissenschaftliche Vorträge nicht trocken sein müssen.


Dicht stehende Menschen, Geruch nach Currywurst und Alkohol und in der Mitte des großen Raums eine Theke, an der fleißig Bier ausgeschenkt wird. Das Vereinsheim an der Münchner Freiheit ist nicht gerade der erste Ort, der einem einfällt, wenn man an Orte für wissenschaftliche Vorträge denkt. Aber streng genommen war Die Physik des Scheiterns, die hier am Freitagabend stattgefunden hat, auch gar keine besonders wissenschaftliche Veranstaltung. Nichtsdestotrotz, lernen konnte ich hier schon etwas.

Die Physik des Scheiterns

Der Physiker und Kabarettist Georg Eggers zieht mit seiner Vorlesungsreihe in unregelmäßigen Abständen mit unterschiedlichen Themen durch München. Das Werbeplakat verspricht „riskante Live-Experimente“. Die vage Hoffnung, dass also irgendwann an diesem Abend etwas in die Luft fliegen könnte, war zumindest für mich einer der Hauptgründe, dabei zu sein. Thema am Freitag war: „Monopol auf Merkwürdiges: Das Patent und die Patentierer“. Georg Eggers hatte sich hierfür den Patentprüfer Hans-Jürgen Ziegler als Gast eingeladen und versprach gleich am Anfang: „Mit dem was Sie heute Abend lernen werden, können Sie reich und berühmt werden. Oder nur reich und nicht berühmt. Oder auch nicht reich und nicht berühmt, das hängt dann von Ihnen ab.“

Das Patent und die Patentierer

Das Patent ist ja eine durchaus nützliche Idee. Wenn man eine großartige Idee für etwas hat, das die Welt revolutionieren kann (das Rad zum Beispiel) und dann tritt man am nächsten Morgen aus dem Haus und überall Autos auf Rädern herumfahren sieht, wird man sich wohl erstmal tüchtig ärgern. Das wäre vielleicht nicht passiert, wenn man sich rechtzeitig beim Patentamt gemeldet hätte, wo man für einen niedrigen dreistelligen Betrag sicher sein kann, dass einem niemand die Idee klaut. Das Patentamt muss allerdings nicht alle Patente annehmen, manche werden (aus verschiedenen Gründen) auch abgelehnt. Wie Patentprüfer Hans-Jürgen Ziegler anmerkt sind die Regeln in den USA etwas laxer, weshalb man in den Staaten so manche etwas absurderen Patente findet.

Arschtritte und Falltüren

Das beginnt bei einer Erfindung, deren wunderschöner Name „User-operated amusement apparatus for kicking the user's buttocks“ am besten unübersetzt bleibt und geht weiter mit Maulwurfminen (deren Explosionskraft zur Freude des Zuschauers tatsächlich auf der Bühne unter Beweis gestellt wird) und verschiedenen Abwehrvorrichtungen gegen Flugzeugentführer. Dazu gehören: Eine Falltür vor der Cockpit-Tür, durch die der Pilot den Terroristen schicken kann, falls er sich Zutritt zum Cockpit zu verschaffen versucht (ein Fallschirm ist optional) und ein Mechanismus, bei dem sich nach Kontakt mit einem bestimmten Sender die Flügel des Flugzeugs automatisch abtrennen. Letzteres Patent wurde übrigens von einer Elektronikfirma nahe München angemeldet und nicht anerkannt. Grund: Die Idee hatte schon jemand vorher gehabt. Tja.

Naturgesetzesbrecher

Ein besonderer Höhepunkt für Physiker ist aber doch noch dabei: Das Perpetuum Mobile, die sich ewig selbst antreibende Maschine. Es gab tatsächlich bereits mehrere Erfinder, die versucht haben, sich ihre eigenen Versionen davon patentieren zu lassen, aber abgewiesen wurden, da ihre Erfindungen, so das Bundespatentgericht „gegen naturwissenschaftliche Gesetze verstoßen“. Wir werden also wohl nie wissen, ob das wirklich geklappt hätte mit der endlosen Energie. Aber immerhin ein klassisches Modell des Perpetuum Mobile hatte Georg Eggers für uns nachgebaut (siehe Bild). Man muss es nur einmal anstoßen und schon sorgt der Schwung der auf das Rad schlagenden Hämmer für eine unaufhaltsame Drehung. In der Theorie zumindest. In der Praxis wird die Quelle endloser Energie schon nach ein paar Sekunden sehr langsam und steht schließlich ganz still. Herr Eggers bekommt das Rad aber doch noch zum Drehen, wenn auch erst nach Anschluss einer Batterie. Diese soll durch die durch das sich drehende Rad wiederum aufgeladen werden und das Perpetuum Mobile läuft für immer... oder bis die Batterie voll ist. Das Experiment scheint zu gelingen. Praxisnah und faszinierend, so muss Wissenschaft sein! Und am besten immer in Reichweite des nächsten Bieres.

Platte des Monats

Keine Aussicht auf ein Happy End. Auf ihrem zweiten Album setzt sich die 22-jährige Songwriterin aus Memphis offen und direkt mit ihren Depressionen auseinander. Das Ergebnis ist eine nahezu trostlose, aber unheimlich stimmungsvolle Platte, der man sich als Hörer kaum entziehen kann.

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