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Kunst & Wissenschaft - Interview mit dem "computational artisan" Mario Klingemann

Können Computer Kunst?

Quelle: Mario Klingemann

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Wenn Mario Klingemann dem Computer Evolution beibringt, sieht es zumindest so aus, als ob ein Rechner Kunst erzeugen könnte. Der Rechenkunsthandwerker über sein Programm "Blind Sketchmaker".

Wenn Mario Klingemann dem Computer Evolution beibringt, sieht es zumindest so aus, als ob ein Rechner Kunst erzeugen könnte. Der Rechenkunsthandwerker über sein Programm "Blind Sketchmaker" im Interview mit Maria Langlechner.

M94.5: Im Studio bei mir sitzt Mario Klingemann und der hat mit Kunst auf eine ganz besondere Art und Weise zu tun. Du hast ein Projekt, das heißt "Blind Sketchmaker" - würdest Du uns das kurz erklären?

Mario Klingemann: In einem Satz ist das ein Programm, das versucht, Bilder zu erzeugen, die aussehen wie Kunst.

Und wie definierst Du das, etwas das aussieht wie Kunst?

Also, da ist meine Theorie: Wenn Du eine Zeitung aufschlägst, weißt Du bei manchen Bildern sofort: "Ah! Sport! Politik! Wissenschaftsteil...". Und da sind dann ein paar Bilder, da würden jetzt wahrscheinlich acht von zehn Leuten sagen: "Ah! Das ist Kunst!" Meine Theorie ist, dass man möglicherweise allein durch Analyse der Bildinformation eventuell schon feststellen kann, ob ein Bild eher Kunst ist oder eher Sport.

Du bringst dem Computer jetzt bei, die Bilder irgendwie zu bewerten...

Das ganze weite Feld nennt sich Bildanalyse. Ich kann ein Bild nach verschiedenen Kriterien zerlegen und jedes Kriterium bekommt dann eine Zahl. Wenn ich jetzt hundert Kriterien analysiert habe, kriege ich einen Vektor, der hat dann hundert Dimensionen.Jedes Bild kannst Du Dir dann vorstellen wie einen Punkt in einem hundertdimensionalen Raum. Wenn Du jetzt viele Bilder analysierst, dann entstehen so eine Art Wolken, wo manche Bilder sich in einem Bereich zusammenhäufen und andere in einem anderen. Wenn Du das dann genauer anschaust, dann könnte es sein, dass Bilder, die Du interessanter findest, eher im linken oberen Eck sind...

Dann hat der Computer die Bilder also jetzt praktisch sortiert. Wie geht's weiter?

Der zweite Schritt ist ein getrenntes Programm. Das kannst Du Dir vorstellen wie einen Raum, in dem 500 Affen sitzen, die auf eine Schreibmaschine hauen. Wenn Du Glück hast, kommt Shakespeare dabei raus. Ich habe verschiedene Module, die kleine Aktionen durchführen, die also z. B. sagen: "Zeichne mir zufällig zehn Kreise." Davon gibt's ungefähr fünfzig Stück. Die Affen ziehen jetzt jeweils zufällig ein Modul raus und sagen: "So. Das mach ich jetzt und als nächstes mach ich dann das." Am Ende kommt ein Bild dabei raus. Die Evolution kommt dann im nächsten Schritt. Das Bild wird jetzt von diesem Kunstbewertungsprogramm erst mal bewertet. Dazu brauche ich einen Vergleich, deshalb erzeuge ich noch ein zweites zufälliges Bild. Wenn das besser ist, dann wird das als nächstes manipuliert. Im Idealfall entwickelt sich dieses Bild zu irgend etwas hin, was sich immer mehr in diese Kunstwolke reinbewegt.

Wie lang dauert es, bis so ein Kunstwerk entsteht? Wie lange rechnet ein normaler Computer da vor sich hin?

Das ist halt das Problem dabei, dass der Computer nicht entscheiden kann, wann fertig ist. Der macht ewig weiter, der versucht immer besser zu werden. Insofern kann man sagen, das Bild ist eventuell nach fünf Minuten fertig oder nach zwei Stunden.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Wenn ich wüsste, wie ich auf meine Ideen komme... Ich schreibe den Algorithmus, aber dann kommen Zufallsparameter ins Spiel, die das Ganze variieren. Insofern ist das eher so eine Entwicklung. Ich möchte schöne Bilder haben und ich möchte auch, dass der Computer mich überrascht.

Jetzt hast Du Deine Bilder nicht nur auf dem Rechner belassen...

Da dieses ganze Tool ja relativ schnell läuft, muss ich diese ganzen Bilder in relativ kleinen Auflösungen laufen lassen. Und wenn man das versucht auszudrucken, dann ist das meistens sehr pixelig. Ich habe in meinem Spam-Folder eine Mail aus China gefunden, wo es hieß: "Wir malen ihre Fotos in Öl!" Und dann hab ich eben ein paar von den Dingern nach China geschickt und sie da in Öl malen lassen. Das Ergebnis war ziemlich lustig, ganz ansprechend, sagen wir mal.

Bildergalerie
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