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... Death Grips spielen virtuos mit gezinkten Karten...

Ein Kartenspiel mit Gevatter Tod

Autor(en): Julian Zahn am Donnerstag, 15. März 2012
Im Video der Woche blicken wir durch ein mysteriöses Loch in die seltsame Welt der Underground Hip Hop-Gruppe Death Grips. Death Grips aus Kalifornien ist die wohl radikalste wie auch abstrakteste Kombo, die momentan irgendwie dem Genre Hip Hop zuzurechnen ist. Mit den Rapgören von Odd Future hat man aber gottlob nichts zu tun. Man denke eher an den Ansatz von Shabazz Palaces minus Jazz, aber mit der gleichen stilistischen Offenheit. Industrial und Noise Einflüsse treffen hier auf Vocals, die sich eher nach flachem Gebrüll oder Hardcoreshouts als nach ordentlichem Rapflow anhören. Drogenreferenzen, Agressionslevel und die Schwarz-in-Schwarz-Uniform des Frontmanns der Truppe lassen gar eine Art modernen Crust-Punk denken. Nicht gerade ein einfach zugänglicher Stilmix, soviel ist klar. Man mag das Ganze als übertrieben eklektisches Kunstprojekt abtun, und mit Nichtbeachtung strafen. Hat man sich jedoch erstmal ein oder zwei Mal durch einen Death Grips Song gehört, ist man ebenso fasziniert wie angefixt. Bis jetzt gab es von Death Grips eine einzige Veröffentlichung als Kasette bzw Gratisdownload (Ex-Military). Umso verblüffender ist die Eigenständigkeit des Projekts.

Das einzige Bandmitglied, das bis jetzt einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte, ist Drummer Zach Hill. Hill ist spielt in einer ganzen Reihe von experiemtentellen Westküsten (Noise-)Bands, eine der bekannteren ist wahrscheinlich die Mathrockformation Hella. Darüber hinaus ist er auch noch als visueller Künstler aktiv. Hier könnte sich eine Erklärung für die wandelnde Genreverweigerung namens "Death Grips" finden. Und vielleicht auch für die zwar trashigen, aber nichts desto trotz hypnotischen Videos (z.B. zu Beware)?

Im neuen Video zu "Black Jack" schaut man durch ein rotierendes Etwas (einen Pistolenlauf? Ein Bullauge?), und sieht erst mal gar nicht viel. Ein Büroraum, Elektronik, Hubschrauber und schließlich eine Straßenszene gibt es zu sehen, untermalt von dröhnenden Beats und dem schwer verständlichen Gebrüll. Aus den einzelnen Sequenzen muss man sich wohl seinen eigenen Sinn basteln. Wenn man sich mit Death Grips schon ein bisschen beschäftigt hat, ist man das dann allerdings sowieso schon gewohnt.

2012 soll es übrigens tatsächlich ein reguläres Debütalbum ("The Money Shop") von Death Grips geben. Für Fans von experimentellem Hip-Hop ist das eine gute Nachricht.
Platte des Monats

Versucht man das Debüt-Album „Happy Freedom“ des Kölner Trios WOMAN zu beschreiben, kommt man nicht an Metaphern und bildlicher Sprache vorbei. Die zehn raffiniert produzierten Songs liegen irgendwo zwischen Synthie-Sound-Tsunamis und Aufzugmusik. Dazu Disco-Drums, grelle Gitarrenriffs und Kapitalismuskritik. Musik, so vielschichtig wie das Albumcover: Das Innere der Welt, eine Diskokugel.

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