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Wenn die Regeneration zu kurz kommt

Ein Burnout reicht

Autor(en): Florian Schmidt-Sommerfeld am Montag, 13. Februar 2012
Das Trainerkarussell dreht sich wie jeden Winter. Michael Skibbe wird nach 52 Tagen in Berlin wieder entlassen. Sein Vorgänger Markus Babbel unterschreibt nach nur zwei Monaten Pause bei der TSG Hoffenheim. Das Trainerkarussell dreht sich wie jeden Winter. Michael Skibbe wird nach 52 Tagen in Berlin wieder entlassen. Sein Vorgänger Markus Babbel unterschreibt nach nur zwei Monaten Pause bei der TSG Hoffenheim. Die Hektik auf dem Markt erinnert an die Situation vor einem Jahr. Ralf Rangnick kehrte damals zu schnell an die Seitenlinie zurück.

Seit Ralf Rangnick herrscht im Stadtteil von Sinsheim reges Kommen und Gehen. Marco Pezzaiuoli und Holger Stanislawski genossen das Vertrauen der Vereinsführung jeweils nur circa ein halbes Jahr, zuvor musste Rangnick gehen. Jener Ralf Rangnick, der den Verein in viereinhalb Jahren - mit kräftiger finanzieller Unterstützung von Mäzen Dietmar Hopp - von der Regionalliga bis zur Herbstmeisterschaft geführt hatte. "Hoffenheim hat viel Kraft gekostet", sagte sein Berater Oliver Minzlaff im Rückblick. "Es war klar, dass er eine eine Pause braucht, die bis zum Beginn der Saison 2011/12 dauert." Ein halbes Jahr Regeneration hätte das bedeutet, die Zeit nahm sich Rangnick aber nicht. 

 Nach nicht einmal drei Monaten unterschrieb er auf Schalke - offenbar ein folgenschwerer Fehler, wie sich ein halbes Jahr später herausstellte. Vor der Öffentlichkeit hatte Rangnick seinen Zustand verbergen können, die Belastung war jedoch zu hoch. Er erkrankte am Pfeifferschen Drüsenfieber, zur körperlichen kam bald die mentale Erschöpfung hinzu. Diagnose: Burnout. Rangnick ist der erste Bundesligatrainer, der deswegen zurücktreten musste. Es gibt jedoch auch andere Trainer, die fast ohne Pause am Limit arbeiten.

Zwei Trainer im Dauerstress

 Einer davon: Markus Babbel, rasant vom Co- zum Cheftrainer beim VfB Stuttgart aufgestiegen. Anschließend machte Babbel seinen A-Trainerschein nach. An der Doppelbelastung scheiterte er in der zweiten Saison. Er nahm sich ein halbes Jahr Pause, bis er bei Hertha BSC Berlin unterschrieb. Nach eineinhalb Jahren wurde Babbel entlassen, weil er seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern wollte. Diesmal gönnte er sich weniger als zwei Monate Pause und trat am Freitag den Trainerposten bei der TSG Hoffenheim an.

Der wohl größten Belastung setzt sich Felix Magath aus: Er arbeitet oft 16 Stunden am Tag, in den letzten Tagen der Transferperiode war er so eingebunden, dass er das Training von seinen Co-Trainern leiten ließ. Seit 2007 besetzt er eine Dreifachposition als Trainer, Manager und Geschäftsführer/Vorstandsmitglied, erst in Wolfsburg, danach in Gelsenkirchen. Zum VfL Wolfsburg kehrte er nur zwei Tage nach seinem Aus auf Schalke zurück.

Regeneration von den Altlasten

Ralf Rangnick hat sein Erschöpfungssyndrom inzwischen offenbar überwunden. Trotzdem bleibt sein Fall ein mahnendes Beispiel. Der öffentliche Druck auf Trainer ist im Fußball enorm. Besonders in solch turbulenten Zeiten wie zuletzt sollten Trainer sich genau überlegen, wie lange sie zur Regeneration brauchen und wann sie bereit für eine neue Aufgabe sind. Nach seiner Zeit auf Schalke ist Felix Magaths Image beschädigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies spricht von Unregelmäßigkeiten bei der Wirtschaftsprüfung, die ein juristisches Nachspiel haben könnten.

Auch Babbels Kündigung in Berlin endete im Streit mit Manager Michael Preetz. Beide Trainer hatte ihre Probleme im alten Verein noch nicht gelöst und heuerten trotzdem bei einem Neuen an. Trainer wie Magath und Babbel arbeiten unter Dauerdruck, sie sind nur zwei Beispiele. Läuft es bei einem Verein nicht, steht der Trainer meist zuerst in der Kritik. Damit sich ein Extremfall wie Rangnick nicht wiederholt, müssen Trainer die Stärke aufbringen, nein zu sagen.

Bildquelle: xtranews.de (Flickr) unter CC BY 2.0
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