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Die Heuchelei der Bayern-Fans

Autor(en): am Freitag, 4. März 2011
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Manuel Neuer rettete Schalke den Sieg beim FC Bayern im Pokal-Halbfinale. Seine Klasse hat er bewiesen – trotzdem beschimpfen ihn die Bayern-Fans und wollen ihn nicht in München sehen.

Manuel Neuer rettete Schalke den Sieg beim FC Bayern im Pokal-Halbfinale. Seine Klasse hat er bewiesen – trotzdem beschimpfen ihn die Bayern-Fans und wollen ihn nicht in München sehen.

Am Ende warfen die Bayern alles nach vorn. Dabei scheiterten sie ein ums andere Mal an Manuel Neuer. Der Schalker parierte alles und trotzte damit vor allem auch den Fans der Bayern, die ihm einen ungemütlichen Empfang bereitet hatten: Es wurden Transparente hochgehalten mit der Aufschrift „Koan Neuer!“. Neuer nahm es gelassen: „Die Beschimpfungen der Bayern-Fans sind mir egal. Ich wollte ein gutes Spiel machen - und das ist mir gelungen. Ich habe nie gesagt, dass ich zum FC Bayern will. Aber alles ist möglich.“

Seine Leistung war die beste Bewerbung für einen künftigen Arbeitgeber, ob der nun Bayern München oder Manchester United heißen mag. Die Schalker standen in der zweiten Hälfte tief in der eigenen Hälfte und beschränkten sich auf den ein oder anderen Konter. Mehrfach konnten sich die Schalker Spieler bei ihrem Torhüter bedanken, der die knappe Führung über die Zeit rettete.

Fans verschmähen Neuer

Nicht nur die Bayern-Bosse empfanden den Empfang von Manuel Neuer als beschämend. Sowohl Karl-Heinz Rummenigge als auch Uli Hoeneß entschuldigten sich beim Schalker Torwart. Auch in der Südkurve gab es Stimmen, die die Plakat-Aktion und die Schmährufe ablehnten. Einmal mehr muss sich die Bayernkurve fragen, welche Ansprüche sie eigentlich hat und wie hoch der Fußballsachverstand der Initiatoren der Aktion eigentlich ist - besonders, was das Torwartspiel angeht.

Denn Manuel Neuer überzeugt nicht nur durch eine überragende Strafraumbeherrschung und Übersicht als Spieleröffner. Vor allem ist er in der Lage, durch seine ruhige Art eine durchschnittliche Schalker Abwehr so zu sortieren, dass die Abwehrspieler die Ordnung halten.

Thomas Kraft kann sich auch in diese Richtung entwickeln, aber das wird mehrere Jahre dauern. Die Vereinsführung der Bayern würde vielleicht dieses Risiko eingehen, aber die Fans werden die ersten sein, die auf die Barrikaden gehen, wenn das Experiment Kraft fehlschlägt.

Gladiolen oder Tod

Dabei haben die Bayern ein anderes Problem: In den "Wochen der Wahrheit" der vergangenen Saison gewannen sie noch die wichtigen Spiele – jetzt verabschiedete man sich schon zu Beginn der Rückrunde vom Bundesliga-Titel. Das neue Ziel der Bayern ist Platz zwei.

Das Scheitern im DFB-Pokal ist schmerzlich, aber langfristig eher verkraftbar. Schlimm wird es erst, sollte der FC Bayern die Champions League verpassen – dann gehen eine Menge Geld und Ansehen verloren.

Nur über die Champions League ist die Saison zu retten

Das Ziel sich in der Champions League gut zu präsentieren, kann noch gerettet werden. Zumindest hier sieht es nach dem 1:0 gegen Inter Mailand im Hinspiel des Achtelfinals gut aus. Da in der Königsklasse die Gegner der Bayern auch selbst den Anspruch haben, das Spiel zu gestalten, ergeben sich für die Münchner die nötigen Lücken.

Noch hält der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge still. Zu Beginn der Saison fielen Robben und Ribéry lange aus, auch Ivica Olic fehlt seit Monaten; dieser Umstand entlastet van Gaal noch etwas. Bei einem Aus gegen Inter Mailand wäre allerdings auch dieser Bonus aufgebraucht. Vor allem die  Konzentrationsmängel der vergangenen Spiele machen den Bayern Sorgen.

Schalke knackt Bayern

So auch gegen Schalke: Bereits in der 15. Minute erzielte Raùl das entscheidende Tor per Kopf. Anatoli Timoschtschuk hatte den Spanier aus den Augen verloren. Vereinzelt tauchten die Schalker noch vor dem Tor der Münchner auf ohne wirklich zwingend zu sein. Die Bayern versuchten währenddessen, ihr Positionsspiel aufzubauen.

Dabei kam aber genauso wenig heraus wie beim 1:3 gegen Dortmund am vergangenen Samstag. Meist schob Philipp Lahm den Ball zu Arjen Robben und umgekehrt – überraschend war das nicht. Die linke Seite um den Franzosen Frank Ribéry nahm phasenweise nicht am Spiel nach vorne teil.

Damit das Spielsystem van Gaals funktioniert, ist ein hohes Maß an Laufbereitschaft und Präzision nötig. Jeder Spieler hielt zwar seine Position, das ging aber auf Kosten der Kreativität. Sowohl Thomas Müller als auch der später eingewechselte Miroslav Klose waren in der Mitte meist von sämtlichen Schalker Defensivkräften unbeachtet. Alles beschränkte sich auf die Flügelzange der Bayern, weil diese keine anderen Anspielstationen suchten und weil die Schalker „Robbery“ konsequent aus dem Spiel nahmen.

So oder so – der Pott geht in den Pott

Im DFB-Pokal-Finale stehen sich nun der MSV Duisburg und Schalke 04 gegenüber - ein echtes Ruhrderby. Die Duisburger konnten sich mit einem 2:1 Sieg über den Zweitliga-Konkurrenten Cottbus ihr Ticket nach Berlin sichern.

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