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Spvgg Unterhaching

Captain Schrommbeard

Autor(en): Sebastian Ulrich am Donnerstag, 6. August 2015
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Quelle: Spielvereinigung Unterhaching

Sie sind die Hoffnungsträger: Jonas Hummels (links) und Josef Welzmüller

Die Hachinger stechen in die unruhigen Gewässer des DFB-Pokals. Und wirken dabei, als ob sie im Schlauchboot sitzen würden.

"Wir wollen die ersten englischen Wochen bis Ende Juli abwarten. Dann werden wir sehen wohin uns der Weg führt." Als Claus Schromm diese Devise vor Saisonbeginn ausgab, hätte er wohl kaum gedacht, dass das Boot, in dem er Steuermann ist und das Spielvereinigung Unterhaching heißt, sich seine Route eher die Isar runter als rauf bahnen würde.

Hier zum Nachhören: Unser Interview mit Trainer Claus Schromm vor Saisonbeginn

Enttäuschender Zwischenstand

Im Klartext lautet das Zwischenfazit: Der Coach musste seine Hachinger in 3 der ersten 5 Saisonspielen verlieren sehen, unter anderem auch gegen den Abstiegskandidaten Nummer 1 aus Rain am Lech. Ein Unentschieden gab's zum Auftakt gegen Ingolstadt II. Immerhin: Der Heimsieg gegen Schweinfurt macht Mut. "Im fünften Anlauf haben wir's geschafft", sagte Claus Schromm nach dem Spiel. Das Resultat: Nach 5 Spieltagen rangiert die SpVgg Unterhaching nur auf Platz 14.

Die Tabelle: Nach Spieltag 5 kann Haching nicht zufrieden sein

Ingolstadt: Kein Kuschelaufsteiger

Man kann also sagen, dass die Haching-Fregatte in den neuen Regionalliga-Gewässern wenn nicht einen Schiffbruch, dann doch zumindest einige Dellen am Bug erlitten hat. Doch gegen das, was Captain Claus Schromm und seinen Mannen am Sonntag in den Alpenbauer Sportpark geströmt wird, ist die 4. Liga wohl eher ein malerischer Weiher im oberbayerischen Hinterland.

Mit dem FC Ingolstadt, der am 1. Spieltag in der Regionalliga Bayern schon mal seine Zweitvertretung in die Münchner Vorstadt vorgeschickt hatte (Ergebnis 2:2), kommt ein Aufsteiger. Ein Bundesliga-Aufsteiger. Keiner dieser kuscheligen "Wir schauen mal ein Jahr nach oben" Aufsteiger, sondern einer, der sich etablieren will, dank seines Sponsors, einer großen deutschen Automarke, vielleicht sogar muss. Wenn in Bundesliga-Expertenrunden von Clubs gesprochen wird, die in 4 bis 5 Jahren dem FC Bayern gefährlich werden können, fällt neben den Namen der üblichen Verdächtigen aus Dortmund, Wolfsburg oder Leipzig immer öfter auch der des FCI.

Teuerste Startelf: Ingolstadt                           Unterhaching

 

Gesamtwert: 17,85 Millionen Euro              950 Tausend Euro

Legende: M= Millionen T=Tausend; Alle Angaben in Euro (Daten:transfermarkt.de)

Ruderboot vs. Flugzeugträger

Allein beim Blick auf die Marktwerte der beiden Teams stellt man fest: Das kleine Hachinger Ruderboot läuft Gefahr, vom Ingolstädter Flugzeugträger überfahren zu werden. Die beiden theoretisch teuersten Aufstellungen der Clubs (Verletzungen/Sperren sind nicht miteinbezogen) weisen einen um das 18-fache unterschiedlichen Wert auf. Wenn man das selbe Spiel mit Einsätzen der einzelnen Akteure auf Profiniveau betreiben würde, wäre die Differenz noch größer.

Das bloße Zahlenwerk mal beiseite: Was ist das für eine Mannschaft, dieser FC Ingolstadt? Ihr Trainer, Ralph Hasenhüttl, ist ein bekennender Fan der Mannschaft von Borussia Dortmund in den Meisterjahren 2011 und 2012. Das sieht man auch auf dem Platz. Hohes Pressing, schnelles Umschaltspiel, extreme Überlagerung der Flügel. Mit Pascal Groß haben die Ingolstädter sogar ihre eigene Version der Dortmunder Shinji Kagawa oder Mario Götze. Einen intelligenten Vorbereiter, der von der Mitte aus den entscheidenden Pass spielen kann. Unglaubliche 23 Torvorlagen brachten dem 24-Jährigen in der letzten Saison die Auszeichnung zum besten Spieler der 2. Bundesliga.

Hasenhüttls Haching-Zeiten

Für jemanden, der in der Zeit zwischen 2007 und 2010 öfter mal in der Münchner Vorstadt vorbeigeschaut hat, ist der Spielstil des österreichischen Trainers selbstverständlich keine Überraschung. In dieser Zeit war Hasenhüttl Trainer der ersten Mannschaft und führte die Hachinger unter anderem durch die erste Saison der neugegründeten dritten Liga. Im Interview mit spox.com zieht er eine zwiespältige Bilanz zu seinem Rauswurf nach Platz 10 in der Saison 2009/2010: "Der Sponsor hat damals ständig vom Aufstieg geredet, nebenbei sollten wir aber noch ein mit jungen Spielern arbeitender Jugendverein sein. Ich bin sogar dankbar gewesen, dass es vorbei war."

Ralph Hasenhüttl in seiner Anfangszeit als Trainer der Spvgg Unterhaching

Gleichzeitig betont der Österreicher auch, dass die Zeit bei der Spielvereinigung sehr wichtig für ihn war: "Mit Vorstand, Aufsichtsrat und Sponsoren musste man ziemliche Gefechte austragen und Woche für Woche erklären, weshalb Spieler X in der letzten Partie einen Fehlpass fabriziert hat. Das war letztlich eine super Schule, die mich diplomatisch und vorsichtig werden ließ." Diese Eigenschaften machen ihn in Ingolstadt unter anderem so beliebt. Hat das Unterhachinger Ausbildungskonzept mal wieder funktioniert.

Der Jugend ist Haching treu geblieben

An dieser Ausrichtung hat sich seit 2010 nicht viel verändert. Das Prinzip, junge, teilweise sogar extrem junge Spieler bereit zu machen für das Profigeschäft ist noch immer eine der Hachinger Tugenden. Alleine nachhaltig ist das zumindest in den letzten Jahren nicht gewesen. Während die Gesichter vergangener Zeiten wie Andreas Voglsammer, Dominik Widemann und Co. längst in der zweiten Liga kicken, muss Claus Schromm mit Matrosen in hohe See stechen, die erst seit wenigen Wochen zusammen die Segel setzen.

Eine der wenigen Konstanten ist, um im Bild zu bleiben, Claus Schromms erster Maat Jonas Hummels. Auf dem Platz ist er Kapitän der Spielvereinigung. Und beschwört den Geist der Saison 2011/2012, als die Hachinger den damaligen Bundesliga-Neunten SC Freiburg im DFB-Pokal über die Planke laufen ließen: "Das war ein unglaubliches Erlebnis. Vielleicht gelingt uns so eine Sensation ja wieder."

2011: Ein blutjunger Jonas Hummels (rechts) bejubelt mit seinen Teamkollegen den Sieg über den SC Freiburg

Kentern oder kassieren

Träume, die für die in der Liga strauchelnden Unterhachinger im Moment so weit entfernt liegen, wie ein versteckter Piratenschatz im Bermudadreieck. Doch sollten Captain Schromm und seine tollkühne Crew am Sonntag um kurz nach 16 Uhr doch die Perle "zweite Runde DFB-Pokal" in Händen halten, dürfte der Trainer sich schon jetzt Herr der sieben Isarwasser nennen.

M94.5 begleitet die Partie Spielvereinigung Unterhaching gegen FC Ingolstadt am Sonntag, den 09. August ab 15:00 mit Audiokommentar und Liveticker.

P.S.: Falls irgendwer statt dem Seefahrer-Vergleich irgendwas mit Autos erwartet hat: Ätsch-bätsch, Piraten sind wesentlich cooler als Rennfahrer.

 

 

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