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Utopien der 50er zur Kernenergie

Autor(en): Jasmin Körber am Mittwoch, 23. März 2011

Atombetriebene Autos und Schiffe, unendliche Energiekapazitäten: Science-Fiction-Schriftsteller und -Regisseure in den 50er Jahren hatten eine blühende Phantasie, was die zukünftige Nutzung der Kernenergie angeht.

Unbegrenzte Energie für alle und das auch noch zu Spottpreisen! Das war nicht nur ein Traum der Sozialisten sondern die allgemeine Zukunftsvorstellung vieler Politiker und Schriftsteller in den 50er Jahren. Im Zeitalter des deutschen Wirtschaftswunders war den Verantwortlichen schnell bewusst, dass die Energieversorgung mit fossilen Brennelementen bald nicht mehr ausreichen würde. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ruhte deswegen die Hoffnung der Menschheit auf einer neuen Technologie: die Kernenergie. Damals steckte sie noch in den Kinderschuhen. Doch sie erschien als Heilsbringer für alle Probleme der Welt.

Zukunftsutopien der 50er

Wie immer, wenn der Mensch eine neue Technik erfindet, entstehen die ausgefallensten Zukunftsszenarien. So gab es auch in den 50ern die skurrilsten Vorstellungen, wo die atomare Kraft im Alltag Anwendung finden könnte. Zum Beispiel bei Autos, Schiffen und Flugzeugen, die mit kleinen Kernreaktoren angetrieben werden und dadurch große Strecken zurücklegen sollten. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. So malten sich Science-Fiction-Autoren zum Beispiel aus, dass man in der Antarktis riesige künstliche Städte bauen könnte und diese dann mit Hilfe der Kernenergie klimatisieren könnte. Es herrschte eine wahre Atom-Euphorie!

Promotiontour der Kernenergie

Die allgemeine Gesellschaft kannte die scheinbaren Möglichkeiten der Kernenergie noch nicht. Das wollten die Visionäre ändern und veranstalteten eine riesige Promotiontour der Atomspaltung. So wurde in den USA zum Beispiel die Ausstellung „Atome für den Frieden“ ins Leben gerufen, die die Kernenergie, die man bis dahin nur durch die Atombombe kannte, salonfähig machen sollte. In dieser Ausstellung, die später um die ganze Welt zog und auch im Deutschen Museum in München residierte, wurde den Menschen anhand eines Reaktormodells erklärt, wie man aus der Kernspaltung Strom gewinnen kann.

Der Traum von der unbegrenzten Energie zerplatzt

Doch schon bald wurden die Visionäre zurück auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Schon in den 60ern war klar, dass man für die Energieerzeugung große Anlagen und ein nachhaltiges Sicherheitskonzept braucht. Von den Zukunftsutopien der 50er Jahre ist heute leider nicht mehr viel übrig. Atomkatastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima sind der Grund für immer mehr Skepsis in der Gesellschaft bezüglich der Kernenergie. Die ersten Siedlungen in der Antarktis müssen erst einmal verschoben werden.

Platte des Monats

Auf den Ehrenplätzen der Rubrik „Wörter, die es nur im Deutschen gibt“ sitzt seit jeher die feucht-fröhliche „Schnapsidee“. Sie beschreibt treffend wie kein anderes Wort das, was entsteht, wenn drei befreundete Musiker*innen auf einer Geburtstagsparty einen über den Durst trinken und dann beschließen eine Band zu gründen. Aus einer solchen Schnapsidee wurde auch das Bandprojekt Phantastic Ferniture um Sängerin Julia Jacklin, das auf seinem gleichnamigen Debüt den Emotionsreichtum der Adoleszenz in leichtfüßig schwankender und wunderbar wärmender Gitarrenmusik feiert.

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