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Auslandsjournalismus 2.0

Für unsere Crowd with Love

Quelle: (c) Lisa Altmeier, Steffi Fetz

Crowdspondent

Auf „crowdspondent.de“ sind die User die Chefs über ihre persönlichen Auslandskorrespondentinnen.
 

Wir revolutionieren den Auslandsjournalismus!“ So lautet das Motto der beiden Jungjournalistinnen Lisa und Steffi. Klingt etwas hoch gegriffen? Nicht für sie! Der Blog „Crowdspondent“ ist ihre unkonventionelle Antwort auf den etablierten Auslandsjournalismus in den Mainstream-Medien.


Sich gleich nach dem Studium ins Arbeitsleben stürzen? Das klang nicht gerade verlockend für die Freundinnen Lisa Altmeier und Steffi Fetz. Die beiden kennen sich von der Journalistenschule und haben gemeinsam den Entschluss gefasst: Nach der Schule erst mal raus aus Deutschland und etwas ganz Neues ausprobieren. Als persönliche Reporter im Ausland unterwegs sein – das ist unser Ding, erzählt Lisa: „Wir haben gesagt, okay, wir haben zwar kein Geld, wir wissen auch noch nicht genau wie wir's machen, aber wir probieren es jetzt einfach mal aus und gehen drei Monate nach Brasilien als Korrespondentinnen unserer User.“

Der Auftrag: jung, frisch und weg vom Mainstream, bitte!

Ein Jahr vor der WM als Korrespondentinnen ihrer „Crowd“ ins fußballverrückte Brasilien reisen – soweit jedenfalls der Plan. Die Crowd, das sind ihre Leser und User. Sie folgt ihren beiden Reporterinnen über ihren Blog crowdspondent.de und erteilt ihnen über Facebook und Twitter persönliche Aufträge. Neue frische Sichtweisen auf das Land und seine Leute sollen her - abseits vom Mainstream, das wünscht sich auch dieser junge User: „Ich hab immer das Gefühl, dass jede Zeitung das gleiche schreibt, immer Probleme: Bildungssystem, aber mich würde eine genaue Geschichte interessieren, am liebsten jemand in meinem Alter, damit ich weiß, wie der lebt oder wie die Probleme sich bei ihm gerade äußern.“

Von der krassen Favela ins fesche Dirndl
 

Auf der Suche nach spannenden und bisher ungehörten Geschichten, reisen Steffi und Lisa quer durchs Land und produzieren Artikel, Podcasts und Videos. Angeleitet durch Tipps und Kontakte ihrer Leser, lernen sie Einheimische kennen, die ihnen einen Einblick in ihren Alltag gewähren. Steffi betont: Ihre Leser sind größtenteils jung und medienaffin „die können damit umgehen, wenn sie zwischendrin mal so ein buntes Bild von Lisa und Steffi im Dirndl sehen und danach dann eine krasse Favela-Reportage hören oder lesen oder sehen. Und du gleichzeitig Spaß haben kannst, aber dich auch für ernste Themen interessieren kannst“.

Einladungen zu offiziellen Terminen oder Pressekonferenzen gab es zwar nicht, um die Politik sollen sich aber auch lieber die professionellen Korrespondenten kümmern, meint Steffi: „Unsere Leser haben die Geschichten interessiert und was das für Auswirkungen für die Leute vor Ort hat. Und nicht was oben diskutiert wird, sondern was unten eben auch ankommt.“


Mehr Impro statt Profi
 

Fehler machen und Fehler transparent machen - dieser Grundsatz unterscheidet die Crowdspondents von gewöhnlichen Auslandskorrespondenten: Kein Platz für glatte Perfektion. Sondern viel mehr: Improvisation. Da wird der Kleiderschrank auch mal schnell zum Studio umfunktioniert. Aber wo liegt die Grenze zwischen Arbeit und Persönlichem, wenn die Leser einen so großzügigen Einblick in das Leben der Reporterinnen haben?
„Wir waren immer persönlich, aber nicht privat würde ich sagen, wir haben auch viele Bilder mit uns gepostet auf Facebook und haben eine kleine Anekdote aus unserem Alltag dazu geschrieben, aber nie was Privates veröffentlicht, da gibt’s noch mal eine Grenze auf jeden Fall.“ Und Lisa ergänzt noch: „Liebeskummer, Krankheiten und alles, was niemanden was angeht, darüber schreiben und sagen wir nichts.“

Die nächste Tour soll durch Crowdfunding finanziert werden
 

Von solchen Reisen irgendwann leben zu können, das ist ihr großer Traum. Das wird er wohl erst mal bleiben. Denn ohne ein Stipendium wäre die Reise gar nicht möglich gewesen. Die nächste Tour soll deshalb durch Crowdfunding finanziert werden. Der Zuspruch ihrer User hat die beiden Jungjournalistinnen selbstbewusst gemacht. Lisa: „Das hier war ein kleiner Feldversuch, der gezeigt hat, dass es auf eine Weise möglich ist, und der große Traum ist schon, dass es das irgendwann überall gibt, und mit ganz vielen Lisas und Steffis, die auf der ganzen Welt unterwegs sind.“

 

Platte des Monats

„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

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