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"Die Frauenquote ist keine gute Idee."

Autor(en): Moritz Homann am Montag, 18. Oktober 2010
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Der CSU fehlt es an weiblichen Mitgliedern. Die Parteioberen diskutieren deswegen die Frauenquote. Viele junge Frauen in der CSU wollen davon aber nichts wissen. Janina Kuhn ist 29, Mitglied der Jungen Union, und auch sie lehnt die Quote ab. Im Interview macht sie klar, warum.
Der CSU fehlt es an weiblichen Mitgliedern. Die Parteioberen diskutieren deswegen die Frauenquote. Viele junge Frauen in der CSU wollen davon aber nichts wissen. Janina Kuhn ist 29, Mitglied der Jungen Union, und auch sie lehnt die Quote ab. Im Interview macht sie klar, warum.

M94.5:
Frau Kuhn, was halten Sie denn generell von Quoten?

Kuhn: Naja, es kommt darauf an, von welchen Quoten man spricht. Es kann sicher sehr interessant sein zu sehen, welche Quote am Samstag die höchste Einschaltquote hatte. Aber es gibt ja auch andere Quoten, zum Beispiel in der Wirtschaft oder in der Politik. Grundsätzlich denke ich: Quoten sind immer Festsetzungen im Vorhinein. Dementsprechend muss man damit sehr vorsichtig umgehen. Bei der Frage "Quote ja oder nein" muss man dann sehr genau abwägen, was die beste Lösung ist. Und wenn es Alternativen zur Quote gibt, sollte man sie nicht einführen.

M94.5: Und so sieht dann wohl auch Ihre Einstellung aus, was eine Frauenquote in der CSU angeht.

Kuhn: Richtig. Ich halte die Einführung einer Frauenquote in der CSU für keine gute Idee. Ich denke, wir brauchen in der CSU zwei Dinge: Zum einen mehr weibliche Mitglieder in der Partei. Aber natürlich auch mehr Zuspruch bei jungen Wählerinnen. Ich glaube aber, dass eine Quote dem nicht zuträglich ist. Vor allem bei dem Kompromiss von 40 Prozent auf Bezirksebene und im Parteienvorstand. Dieser Kompromiss bringt nur Frauen etwas, die schon in der Partei sind. Und ich glaube, dass keine Frau in die CSU eintreten oder uns wählen wird, nur weil in bestimmten Gremien 40 Prozent Frauen sitzen. Hinzu kommt außerdem, dass Quoten einfach nicht meinem Verständnis von Demokratie entsprechen. Ich halte es nicht für richtig, dass man Delegierten im Vorhinein vorschreibt, wie sie zu wählen haben.

M94.5: Gerade die jungen Frauen in der CSU scheinen gegen eine Frauenquote zu sein. Wer ist denn dann eigentlich dafür?

Kuhn: Dafür ist unsere zweitgrößte Arbeitsgemeinschaft, die Frauenunion. Die macht sich seit Monaten für diese Quote stark. Natürlich gibt es auch einige Männer, die dafür sind. Es gibt auch in der Jungen Union einige, die dafür sind. Aber die meisten, vor allem wir junge Frauen, wehren uns dagegen.

M94.5: Ist es vielleicht auch ein Imageproblem, das die CSU hat, die ja doch eher als männliche Partei gesehen wird?

Kuhn: Das kann schon sein. Es hängt uns leider immer noch das Image einer verstaubten Hinterzimmerpartei an. Wahrscheinlich haben viele die Vorstellung, dass CSU-Veranstaltungen in irgendeinem Gasthaus am Ortsrand im letzten Hinterzimmerchen stattfinden. Und dass viele Frauen dann denken, sie fühlen sich bei uns nicht wohl, oder sind wegen des großen Männeranteils nicht willkommen. Ich glaube aber, das liegt auch noch an anderen Dingen. Wir haben es einfach nicht geschafft, inhaltlich Themen so zu besetzen und rüberzubringen, dass sie junge Frauen interessieren. Zum Beispiel in der Familienpolitik, da haben wir mit Sicherheit Nachholbedarf.

M94.5: In der CSU sind nur wenige Frauen aktiv. Ist das eher Schuld der Frauen, die nicht politisch mitmischen wollen, oder Schuld der Männer, die keine Frauen in der Politik haben wollen?

Kuhn: Da kann man weder das eine noch das andere mit Ja oder Nein beantworten. Als Frau kann man auch in der CSU Verantwortung übertragen bekommen, wenn man sich engagiert. Man muss sich natürlich durchsetzen, aber das ist in jedem Bereich so. Und wenn es nötig ist, sich auch mal Gehör verschaffen. Aber wenn man sich engagieren möchte, ist man jederzeit willkommen. Da spreche ich aus Erfahrung.

M94.5: Nehmen wir mal an, es gäbe eine Frauenquote in der CSU. Wie groß wäre denn dann die Gefahr, als „Quotenfrau“ behandelt zu werden?

Kuhn: Die Gefahr sehe ich als sehr groß an. Denn diese Zahl „40 Prozent“ schwebt dann als Damoklesschwert über jeder Frau. Wenn man in ein Gremium gewählt wurde, weiß man einfach nicht: Habe ich jetzt überzeugt oder bin ich aufgrund der 40 Prozent hier? Diese Unsicherheit ist grundsätzlich auch sehr demotivierend für Frauen. Vielen – auch mir – geht es so, dass man nicht auf das Geschlecht reduziert werden möchte. Man möchte aufgrund von Leistung und Engagement anerkannt werden. Und da unterscheiden sich Mann und Frau auch überhaupt nicht.

M94.5: Gehen wir mal von der CSU hin zu Politik im Generellen: Wieso trifft man da Frauen seltener an als Männer? Ist Politik Männersache?

Kuhn: Das würde ich nicht sagen. Ich glaube nicht, dass es weniger Frauen gibt, die Lust auf Politik haben. Es ist sicherlich so, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt einfach eine andere Biografie haben. Frauen bekommen die Kinder. Entscheidend ist, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Realität wird. Da müssen wir noch viel tun.

M94.5: In der Politik geht es ja auch um Macht. Männer gelten von Natur aus schon eher als machtorientiert, Frauen eher als konsensorientiert. Fehlt es Frauen am nötigen Streben an Macht?

Kuhn: Frauen haben vielleicht ein anderes Verständnis von Macht. Sie handeln in der Politik anders als Männer. Es ist weniger die Haudrauf-Mentalität, die Frauen auszeichnet, sondern ein anderes Herangehen an Probleme und ein anderes Finden von Lösungen. Aber jede Frau, die sich in der Politik engagieren und auch etwas erreichen möchte, die möchte auch Macht. Denn Macht per se ist ja nichts Negatives.

M94.5: Werden Sie in der CSU auch manchmal von Einstellungen seitens der Männer konfrontiert, die sagen „Frauen können das nicht so gut“?

Kuhn: Mir persönlich ist das noch nicht begegnet. Mir sind bisher alle, die ich kennengelernt habe, mit Respekt und Achtung gegenübergetreten. Das muss man sich sicherlich erarbeiten. Aber wenn man engagiert ist und Leistung bringt, dann wird das auch anerkannt.

M94.5: Was wäre anders, wenn ein Großteil der politischen Ämter von Frauen besetzt wäre?

Kuhn: Ich weiß gar nicht, ob da so viel anders wäre. Das Prozedere und das Ergebnis würde ja dasselbe bleiben. Wir haben zum Beispiel eine weibliche Bundeskanzlerin.Ihr Aufgabe ist die Führung der Regierungsgeschäfte. Das bleibt gleich, egal ob Mann oder Frau. Was sich ändert, ist das Erscheinungsbild. Vielleicht ist auch der Umgangston etwas anders. Aber grundsätzlich glaube ich nicht, dass das einen großen Unterschied macht.

M94.5: Heißt das, dass es dann etwas harmonischer zugeht?

Kuhn: Nicht unbedingt harmonischer. Die Art, Gespräche zu führen, ist unter Frauen vielleicht etwas anders. Man geht anders an Probleme heran. Aber sonst ändert sich da nicht so viel.

M94.5: Wann ist ohne Frauenquote in der Politik das 50:50-Verhältnis von Männern und Frauen erreicht?

Kuhn: 50:50 wäre ja wieder eine Quote. Ich weiß auch nicht, ob das wirklich sein muss. Wichtig ist, dass man in der Politik die Verhältnisse mehr an die gesellschaftlichen Verhältnisse angleicht. Wir brauchen mehr Frauen in der Politik. Aber die Aufgabe der Parteien ist es, ihre Hausaufgaben in der Frauenförderung zu machen. Das gilt momentan natürlich vor allem für uns in der CSU. Wenn das passiert ist, werden automatisch mehr Frauen in der Politik in Führungspositionen sein. Ob das wirklich 50:50 sein muss, weiß ich nicht. Wichtig ist, dass wir tatkräftige Menschen mit Ideen in der Politik haben, die das tun, wofür wir da sind – nämlich uns für die Bürger einsetzen.

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