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Die müllende Gesellschaft

Autor(en): Nadescha Vornehm am Dienstag, 15. Februar 2011
Was nicht passt, wird gar nicht erst passend gemacht, sondern gleich dem Abfall übergeben. Aus unserer Konsumgesellschaft ist eine Wegwerfgesellschaft geworden. Jeder Münchner produziert pro Jahr über 500 Kilogramm Müll. Dabei wäre ein Großteil davon leicht vermeidbar. Trotzdem wächst der Müllberg täglich. Kaum ausgesucht, schon aussortiert. Der typische Weg eines Gutes in unserer Gesellschaft? „Der bewusste Umgang mit den Lebensmitteln fehlt den meisten Leuten“, konstatiert Dr. Rudolf Nützel vom Bund Naturschutz.

Schmeckt der gewählte Käse nicht wie beim Kauf erwartet, landet er im Abfalleimer. Gibt ein Elektrogerät bereits nach kurzer Zeit den Geist auf, wird es kurzerhand durch ein Neues ersetzt, ein Rettungsversuch bei der Reparatur wird gar nicht erst unternommen.

Auf der anderen Seite ließe sich viel Müll leicht vermeiden. Beispiel: Pappbecher. Etwa sechs Milliarden von ihnen werden allein in Deutschland jedes Jahr produziert. Der „Coffe-to-go“ Trend- ein nicht gerade umweltfreundliches Phänomen. Wenn die Leute sich dabei Zeit nähmen, stehen blieben und den Kaffee aus der Tasse trinken würden, hätten wir sicher deutlich weniger Müll, glaubt Nützel.

Doch das „im-Vorbeigehen-konsumieren“ ist aus soziologischer Sicht auch ein Beleg für unsere insgesamt immer schneller werdende Gesellschaft. Die Haltbarkeit unserer Vorstellungen wird immer kürzer. „Man achtet dann nicht darauf, dass etwas nachhaltig genutzt werden kann, sondern dass es nur für einen bestimmten Moment genutzt wird und dass es dann seinen Gebrauch oder seinen Wert verloren hat“, stellt auch Soziologe Harald Hofer von der Universität Augsburg fest. Denn schließlich werden nicht nur die Klamotten oder die Wurst im Kühlschrank immer häufiger gewechselt, sondern auch die Lebenspartner. Hofer spricht in dem Zusammenhang von instrumenteller Rationalität. „Das bedeutet, alles und jeder wird als Instrument, als Werkzeug für bestimmte Zwecke betrachtet, weil man auch immer in seiner Kalkulation sich danach ausrichtet, dass man etwas für einen bestimmten Zweck, möglichst schnell dann wiederrum, gebrauchen kann.“

Ist der Zweck erfüllt, wird nach neuer Bedürfnisbefriedigung gesucht. Das sehe man heute schon bei jedem Parkspaziergang, „die Mülleimer quellen über“, ärgert sich Rudolf Nützel.  Um daran etwas zu ändern, sei Aufklärung das A und O. „Deshalb wäre es sicher sinnvoll, das Thema Konsum in der Schule verstärkt zu unterrichten.“ Der Weg, weg von der Wegwerfgesellschaft, sei ein langwieriger Prozess.
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„Einmal alles bitte!“ So ungefähr könnte man sich das Album von Oneohtrix Point Never im Plattenladen des Vertrauens bestellen. Stilbrüche sind das eine, aber einen einzigen Song aus verschiedensten Genres zusammenzustückeln, das andere. Und genau das macht sich Oneohtrix Point Never zu nutze, um Musikliebhaber für sich zu gewinnen oder zu verwirren. Unsere Redaktion ist zwar verwirrt, aber das im ganz positiven Sinn. 

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