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CNN Journalist Award Nominee

Quelle: public insight
Der CNN Journalist Award wurde dieses Jahr wieder in München verliehen. Nominiert waren Auslandsreporter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die während der Produktion ihrer Beiträge unter 34 Jahren waren.
Einer davon ist Marcel Mettelsiefen. Er ist nominiert für den CNN Journalist Award in der Kategorie TV. Sechs mal reiste er als Undercover Journalist nach Syrien und dokumentierte die dortigen Verhältnisse.

Sie sind für den CNN Journalist Award in der Kategorie TV nominiert. Angefangen haben Sie aber mit Fotojournalismus. Wie kamen Sie zur Fotografie?

Marcel Mettelsiefen: Zum Fotojournalismus bin ich genau vor 14 Jahren gekommen. Ich hatte mein Abitur gerade fertig gemacht und wartete auf einen Platz für ein Medizinstudium in Berlin an der Charité. Ich wollte die Zeit sinnvoll nutzen und habe mit meinen Freunden die Zeitschrift Zenith gegründet. Ich wollte nicht schreiben sondern habe mir eine Kamera geschnappt und habe meine ersten Bilder gemacht. So fing das damals alles an.

Sie haben auch viel in Krisengebieten wie Syrien fotografiert. Oft in sehr intimen Situationen, wie zum Beispiel während einer Waschung eines Verstorbenen. Wie fühlt man sich als Journalist in so einer Situation?

Marcel Mettelsiefen: Wenn man anfängt Geschichten zu erzählen, dann sind natürlich die intimen Momente, die starken Momente. Eine Geschichte wird zwar nicht nur dadurch stark, dass man Menschen beim leiden zusieht, aber man kommt nicht darum herum zu zeigen was momentan in den Krisengebieten der Welt an Leid passiert. Insofern war ich in vielen Situationen, in denen ich selber gemerkt habe, es bedarf ein hohes Maß an Zurückhaltung und Sensibilität, um mit solchen Momenten umgehen zu können.  Damit man auch nicht aufdringlich wirkt und die Menschen einem den Zugang überhaupt gewähren. Da ist glaube ich die arabische Welt eine gute Schule, um so etwas zu lernen.

Einen Journalisten an solchen Momenten teilnehmen zu lassen ist sicher schwer für die Angehörigen. Wie haben Sie das trotzdem erreicht?

Marcel Mettelsiefen: Ja so wie man sich überhaupt Zugang zu solchen Geschichten verschafft, indem man sich vorsichtig voran tastet und vertrauen schafft. In der arabischen Welt ist es obwohl man die Sprache nicht spricht oft sehr einfach trotzdem respektvoll aufzutreten, in dem man sich zurücknimmt, um dann wiederum sehr viele Türen zu öffnen. Diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht, deshalb arbeite ich sehr gerne dort.

Ihr Beruf ist mit einem extrem hohen Risiko verbunden. Als Sie für Spiegel Online in Libyen waren, sind sogar zwei ihrer Kollegen umgekommen. Was treibt Sie an, diesen Beruf trotzdem weiter auszuüben?


Marcel Mettelsiefen: In den letzten zwei Jahren während der arabischen Revolution waren immer wieder sehr gefährliche Situationen, die ich versuche zu vermeiden. Ihnen kann ich aber nicht komplett entgehen. Als Chris und Tim gestorben sind war ich nicht anwesend. Das war zwei Tage nachdem ich abgereist war. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort leider Gottes. Ich persönlich versuche immer mir Limits zu setzen. Aber mir geht es nicht um die Gefahr mir geht es darum eine starke Geschichte zu erzählen und ich fühle mich momentan privilegiert mit eigenen Augen als politisch interessierter Mensch zu sehen, wie sich die Welt verändert.

Sie haben in Syrien mit den Rebellen zusammen gelebt, sie persönlich kennengelernt. Was sind das für Menschen?

Marcel Mettelsiefen: In Syrien habe ich sehr eng mit den Menschen zusammengelebt, weil es diejenigen sind, die einem die Sicherheit gewähren. Sie sind auch die einzige Möglichkeit sich in diesem Land fortzubewegen. Insofern kommt man sich sehr nahe. Die Arbeit wie das Filmen ist eigentlich der geringste Teil des Tages, den Rest verbringt man mit den Menschen auf sehr engem Raum. Die meisten waren sehr jung. Junge Menschen die sich entschlossen haben sich gegen das System zu stellen. Am Anfang haben sie nur demonstriert, mittlerweile kämpfen sie schon. Das ist eine sehr spannende Entwicklung. Ich habe nun beide Seiten erlebt. Von friedlichen Demonstranten bis hin zu bewaffneten Rebellen. Was solche Umstände mit einem machen ist genau das was mich interessiert.

Sie waren auch auf der anderen Seite des syrischen Bürgerkriegs, bei den Assad-Anhängern, unterwegs. Wie haben Sie das geschafft, und wie war das für Sie persönlich?


Marcel Mettelsiefen:
Indem ich am Anfang ein sogenanntes Multiple Entry Visa als Student hatte. Das war noch am Anfang der Revolution. Ich hatte der Botschaft noch weismachen können, dass ich als Arabisch-Student nach Damaskus gehen möchte. Man hat mir diesen Grund abgenommen, weshalb ich insofern die Möglichkeit hatte ganz legal von Beirut einzureisen. Ich hab mich dann in die Rebellen Hochburgen einschleusen lassen. Das war für mich sehr spannend, weil ich so beide Seiten sehen konnte, was mittlerweile eigentlich unmöglich ist. Man muss von vornherein entscheiden welche Seite man abdeckt. Entweder die Rebellenseite oder die Seite der Assad-Anhänger. Um einen unabhängigen Journalismus zu gewähren muss man sich immer wieder klarmachen, dass man im Netzwerk von Aktivisten eine politisch eingefärbte Wirklichkeit miterlebt. Das war für mich eine unglaubliche Möglichkeit beide Seiten teilweise an einem Tag zu sehen. Ich hab das ja undercover gemacht. Es war ein immens hohes Maß an Logistik notwendig, dass Aktivisten mich in ihren Untergrund einschleusen konnten. Das waren Filmszenen, die ich da durchlaufen habe. Dass man in Taxis eingestiegen ist, die involviert waren und dann ausgestiegen ist und sofort in einen durchbrochenen Keller hinein. Auf der anderen Seite wieder hinaus und in ein weiteres Taxi. Vorne haben wir zwei Leute auf dem Motorrad gesehen und dann war die Frage ob man vom Geheimdienst verfolgt wird oder nicht. Nur um dann zu den Rebellen zu kommen, die im Untergrund arbeiteten.
Aber die größte Gefahr trugen eigentlich die Rebellen. Denn wenn sie mit einem Journalisten gesehen wurden, wurden sie sofort verhaftet oder liefen Gefahr getötet zu werden.

Das Interview führte Tanja Schreiner.
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