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Bachelor, Master - ein Desaster?

Autor(en): am Dienstag, 14. August 2012
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Die Bologna-Reform feiert zehnjähriges Jubiläum. Im Jahr 2002 durch das Hochschulrahmengesetz in Deutschland eingeführt, sollte sie die Mobilität der Studierenden erhöhen und Abschlüsse international vergleichbar machen. Für die Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ein Erfolg, für den Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Horst Hippler eine „Zielverfehlung“. Und für die Studierenden?

46 BildungssministerInnen der EU-Staaten unterzeichnen 1999 die Bologna-Reform und geben Deutschland den Anlass, die größte Hochschulreform der Nachkriegsgeschichte durchzuführen. Mit Hilfe des Kampfbegriffs Internationalität etablieren das Kabinett Schröder (SPD) und danach die große Koalition das Bachelor-Master-System innerhalb von sieben Jahren an mehr als 80 Prozent der Hochschulen. Zum Teil sind die Hochschulen überrumpelt, die in einem Eiltempo umstrukturieren müssen. Besonders hart trifft es die Studierenden, vor allem die, die im ersten Bachelor-Jahrgang als Versuchskaninchen benutzt werden. Die Folge: europaweit besetzen Studierende Universitäten um gegen die „Verschulung“, den „Burn-Out-Bachelor“ und „Massenabfertigung“ zu protestieren.

Eine Erfolgsgeschichte?

Nach zehn Jahren zieht die Bildungsministerin Annette Schavan eine Bilanz. Ihrer Meinung nach ist der Bologna-Prozess eine „ Erfolgsgeschichte“. Sie spricht davon, dass die Mobilität der Studierenden erhöht wurde und es, im Vergleich zum Diplom/Magister, weniger Studienabbrecher gibt. Der ZEIT-Redakteur Jan Martin Wiarda, sieht diese Aussage skeptisch. Das größte europäische Austauschprogramm Erasmus habe fast die gleiche Anzahl an Studierenden im Ausland, wie vor der Reform. Die Anzahl wäre lediglich um fünf Prozent gestiegen, wobei die Studierenden kürzer im Ausland sind. Darüber hinaus würden die meisten erst ins Ausland gehen, nachdem sie ihren Bachelor-Abschluss haben. Die Studienabbrecherquote sei auch nur gesunken, weil sie zuvor nach der Einführung der neuen Abschlüsse gestiegen ist.

Der Banknachbar als Konkurrent

Das konzentrations- und leistungsstärkende Medikament Ritalin, mit dem eigentlich Kinder mit Aufmerksamkeitsstörung behandelt werden, ist zu einer Modedroge zum Lernen geworden. Immer mehr Studierende und Doktoranden benutzen es, um das hohe Arbeitspensum zu bewältigen. Ein Grund dafür ist die Einstellung, immer schneller bessere Lernergebnisse zu erzielen und  möglichst in der Regelstudienzeit von sechs Semestern und mit den besten Noten abzuschneiden. Vor allem wird der Konkurrenzdruck so intensiv, dass die eigenen Banknachbarn schon als mögliche Konkurrenten für die ohnehin schon raren Masterplätze gesehen werden. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Horst Hippler ist einer der schärfsten Kritiker der Bologna-Reform und prognostiziert das Ende des „Jugendwahns“. Auch die Wirtschaft habe endlich verstanden, dass sie „Persönlichkeiten“ braucht und nicht nur „Absolventen“. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt er: „Ein Bachelor in Physik ist nie im Leben ein Physiker.“

Muss die Reform der Reform her?

Trotz allem gebe es kein zurück mehr und das „ jetzige Konzept müsse optimiert“ werden, so Hippler. Er plädiert für ein „Studieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten“.  Es gibt Leute die Kinder haben, Angehörige pflegen, sich nebenbei Praxierfahrung aneignen wollen oder sogar ihren Lebensunterhalt fast komplett selbst finanzieren müssen. Für diese Leute ist ein Studium in sechs Semestern nicht möglich. Hindernisse sind unter anderem die eingeschränkte Wahlmöglichkeit und Anwesenheitspflichten. Laut Horst Hippler muss man dieser „Verschulung Einhalt gebieten“ und den Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebens- und Lernkonzepten alle Möglichkeiten offen halten. Solange natürlich am Ende die Leistung stimme.

Bildquelle: User α unter CC BY 2.0
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