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Lehrermangel in Bayern und Kanada

Angebot und Nachfrage

Autor(en): Julian Mühlfellner , Karema Hassan am Mittwoch, 20. September 2017
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Quelle: ©pixabay

Teachers Wanted

An bayerischen Schulen fehlen etliche Lehrkräfte. Trotzdem sind zahlreiche Lehrer in Bayern arbeitslos. Was kann man gegen diese Diskrepanz tun?

Letzten Dienstag hat in Bayern wieder das Schuljahr begonnen. Nicht nur für die Schüler, die jetzt wieder mehr schuften und weniger schlafen dürfen, sondern auch für hunderte neu angestellte Lehrkräfte war das ein wichtiges Datum. Doch trotz der vielen neuen Lehrkräfte, leiden besonders die bayerischen Grund- und Mittelschulen immer noch an akutem Lehrermangel.

Die Problematik ist nicht neu, wurde allerdings noch verschärft durch den erhöhten Bevölkerungszuwachs in Bayern in den letzten Jahren, besonders auch in München. Laut einer Prognose des bayerischen Kultusministeriums wird dieser Lehrerengpass in den nächsten Jahren auch anhalten. Außerdem wird die Zahl der Schüler in Deutschland bis 2025 wohl um eine Millionen steigen.

Gleichzeitig sind hunderte Lehrer in Bayern aber als arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet. Das sind zum Beispiel Lehrer, die Gymnasiallehramt studiert haben, und eine zweijährige Umschulung in Anspruch nehmen müssten, um an einer Grundschule unterrichten zu können.

Lösung: Lehrerportal?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, schlägt vor, ein bundesweites Lehrerportal zu schaffen.

„Was in Deutschland fehlt ist tatsächlich ein großes Lehrerportal, bei dem für alle Bewerber, aber natürlich auch für die Länder deutlich wird, wo Stellen offen sind, welche Bewerber Stellen suchen und wie die Einstellungsbedingungen sind."

Allerdings stößt dieser Vorschlag auf den Widerstand einiger Bundesländer, die befürchten, dass Lehrer in andere Länder abwandern, in denen die Arbeitsbedingungen besser sind. Herr Dr. Ludwig Unger, Leiter der Pressestelle des Bayerischen Kultusministeriums, äußert sich folgendermaßen zu diesem Vorschlag:

„Solch ein Portal kann durchaus hilfreich sein. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits Erfahrungen gesammelt in der Absprache mit einzelnen Ländern, die beispielsweise Bedarf hatten, oder wo es ein Überangebot gab. Wenn sich Länder gegenseitig helfen und unterstützen können, ist das sicherlich eine gute Möglichkeit."

Auch Frau Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, befürwortet diesen Vorschlag, ist allerdings der Meinung, dass er das grundlegende Problem langfristig nicht lösen kann.

„Wir müssen uns längerfristig überlegen, wie wir dieses Problem des Lehrermangels lösen. Längerfristig ist es für mich kein Ansatz, längerfristig sollten wir über die Lehrerbildung nachdenken, die viel stärker flexibilisiert werden muss, damit wir solche Schweinezyklen – einmal gibt es viele Lehrer, einmal gibt es keine – nicht die nächsten Jahre wiederholen."

Lösung: flexible Lehrerbildung? 

Frau Fleischmann wird das Modell der flexiblen Lehrerbildung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands am 23. Oktober im Detail präsentieren. Es ist allerdings absehbar, dass weder der Deutsche Lehrerverband, noch das Bayerische Kultusministerium den Vorschlagbegrüßen werden, das Lehramtsstudium bedeutend flexibler zu gestalten.

In der Zwischenzeit rät die LMU angehenden Lehrern dazu, sich in ihrer Schulwahl an der Lehrerbedarfsprognose des Kultusministeriums zu orientieren. Herr Dr. Unger weißt außerdem darauf hin, dass Lehrer sich auch in Abwesenheit eines bundesweiten Lehrerportals länderübergreifend bewerben können.

Auch in Kanada herrscht ein ähnliches Dilemma

Nicht nur in Deutschland, auch in einigen Provinzen Kanadas besteht ein ähnliches Problem. Unsere kanadische Praktikantin Karema Hassan berichtet über Lösungsansätze ihres Heimatlandes:

Canada is facing similar problems to Germany's teacher shortage and it varies by region, level and subject. Too many teachers are being certified in more popular areas while too few are being hired in other subjects.

This has created shortages at the secondary level in technology education, math, science, and languages, especially French. At the elementary level, the lack of teachers are predominantly in French immersion, music as well as special education. In order to address this problem in these areas, some provinces are relying on aggressive recruitment campaigns with financial incentives such as higher teacher salaries, signing bonuses and paid sabbaticals to recruit and retain teachers.

Solution: Hiring teachers from other provinces

In 2015, the Alberta Catholic school district faced a shortage of teachers. Typically, the province of Alberta hires teachers within their province first. However, in this case, Alberta ran out of options and looked to the province of Ontario to fill the vacancies. The school board helped with the relocation costs through monetary travel allowances and having application fees reimbursed which proved to be a successful solution in filling the open spots. The Bavarian school system could benefit by examining and changing the process to attract teachers from other German states.

Another solution Canada has implemented to tackle the lack of French teachers is the signing of the Franco-Canadian pact. The agreement between Canada and France encourages students enrolled in French universities to teach in francophone Canada. This helps make up for the lack in Canada and fosters student mobility both countries. Perhaps, Bavaria could consider striking up a pact with a fellow German speaking nation such as Austria to help fill future shortages.

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