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Platte des Monats

White Wine - Killer Brilliance [Altin Village & Mine]

Autor(en): Julia Ongyerth am Sonntag, 1. Oktober 2017
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Quelle: Altin Village & Mine

White Wine - Killer Brilliance

Steckt in jedem von uns ein Mörder? Die Atmosphäre ist düster, die Botschaft eindringlich. White Wine beschwören die Apokalypse herauf, und klingen auf ihrem neuen Album so intensiv wie noch nie. Mit „Killer Brilliance“ ist ihnen ein Einblick in menschliche Abgründe und dystopische Zukunftsvisionen gelungen.

Angefangen hat alles vor etwa acht Jahren. Damals war noch einiges anders. White Wine hieß Vin Blanc, und war das Soloprojekt von Joe Haege. Mit Fritz Brückner und Christian Kühr wurde es dann ab 2013 ein Trio. Seitdem hat die Band in Leipzig ihre Heimat gefunden, und produziert im selbst gegründeten Haunted Haus Studio Alternative Rock. Joe Haege ist dafür aus den USA nach Deutschland gezogen. Zuvor hat er bereits in Portland und Los Angeles gelebt. Dort war er Mitglied in einigen Bands, bei 31 Knots, Tu Fawning oder The Dodos. Sein Hang zu Theatralik und düsteren Sounds war schon damals auffällig.

Finstere Zukunftsvisionen und Realitätsflucht

Ihr Debütalbum als White Wine ist letzten März erschienen. Auf „Who Cares What The Laser Says“ zeigt das Trio bereits was es am Besten kann: gesellschaftliche und politische Themen mit düsteren psychedelischen Sounds kombinieren. Thema dieses Albums war die Digitalisierung, genauer die vielen Ablenkungsmöglichkeiten durch neue Technologien. Wieso sich mit wichtigen Dingen beschäftigen, wenn man sich so einfach und bequem davon ablenken kann?

Der Mörder in jedem von uns

Genau wie ihr Debütalbum ist auch ihr neues Werk ein Konzeptalbum. Entstanden ist es während einer 18-monatigen Tour, auf der das Trio den Drang nach der Verarbeitung ihrer finstereren Gedanken verspürt hat. Der Titel deutet es schon an: Das Thema Mord ist auf Killer Brilliance allgegenwärtig. Dabei greifen White Wine den Mord auf verschiedene Arten auf. Ihre Vorliebe für Mehrdeutigkeiten zeigt sich in der weiten Auslegung des Begriffs. Die Botschaft an uns ist dafür ganz eindeutig:

„Genaugenommen sind wir irgendwie alle Mörder: Manche töten die Hoffnung. Andere töten Ehrlichkeit. Manche töten Angst. Wieder andere töten Neid. Manche töten aus Neid. Alle töten, auf eine Art, fürs Überleben. Wenn man richtig im Tiefen gräbt merkt man, dass ein
klein wenig Blut auf unser aller Hände klebt“- Joe Haege

Songs wie im Rausch

Auch wenn sich das Album beim Durchhören anfühlt wie ein einziger Rausch, stechen ein paar Tracks besonders heraus. Neben dem markant-gruseligen Titeltrack "Killer Brilliance", fällt auch der zweite Song des Albums „Broken Letter Hour“ auf. Wie auf einer Flucht vor einer unbestimmten Macht, zieht einen der Song mit seiner disharmonischen und treibenden Melodie mit. Auch „Hurry Home“ ist trotz seines langsameren Tempos eindringlich und schaurig. Ein Einblick in wirre Gefühlswelten, die durch vielschichtige Sounds greifbarer werden. Auch der Song „Falling From The Same Place“ ist ein Highlight des Albums. In ihm geht es um die Gier von ein paar Mächtigen, die den Fortschritt der Menschheit zurückhalten. Unterstrichen wird diese Aussage von einem gleichbleibenden, fast monoton gelangweilten Rhythmus, der nur ab und zu durch sirrende Synthies durchbrochen wird.

Theatralische Spoken Word Einlagen

Auffällig sind auch einige kurze Stücke, mit Titeln wie "Vignette Corinna", "Vignette Annette" oder "Vignette Amelie". Sie durchbrechen die längeren finsteren Tracks. Dabei klingen sie so, als könnten sie aus einem klassischen Film Noir stammen. Gemeinsam haben sie Spoken-Word Einlagen von unterschiedlichen Frauen, die englisch, deutsch oder auch russisch sprechen. Gleich zu Beginn auf dem Opening-Track des Albums macht "Vignette Corinna" deutlich, in welche Richtung das Album weitergeht. Eindringlich und bestimmt setzt der kurze Song den Ton für die weiteren 13 Tracks.
 

In the darkest hour of this little life of mine. I will need a man. A strong man. With blood on his hands. So smart and sharp and so full of Killer Brilliance. - Vignette Corrina
 

Mit Killer Brilliance bringen White Wine ihr bisher düsterstes Album heraus. Die starke Atmosphäre ihrer Musik zieht einen von der ersten Sekunde in den Bann. Das Thema Mord mit all seinen Facetten und unterschiedlichen Auslegungen wird durch die treibenden und unruhigen Songs perfekt verarbeitet. Angenehme Musik zum entspannen und runterkommen ist das sicher nicht. White Wine fordern ihre Zuhörer, und konfrontieren sie auch mit disharmonischen und unangenehmen Klängen. Aber genau das macht ihre Botschaft so eindrücklich, und das Album als Ganzes zu einer fesselnden Reise in menschliche Abgründe.


Killer Brilliance ist am 29. September 2017 auf Altin Village & Mine erschienen.

Platte des Monats

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